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Fussball

Lionel Messi nach Verbleib beim FC Barcelona: Ein Maßstab wäre Lewandowski

Welche Rolle wird Lionel Messi beim "neuen" FC Barcelona spielen?

Im exklusiven Interview mit SPOX und Goal hat Lionel Messi seinen Verbleib beim FC Barcelona verkündet (hier geht's zum Video). Was bedeuten die zuletzt enorm turbulenten Tage für das angeschlagene Barca nun in sportlicher Hinsicht?

Man musste zuletzt definitiv nicht vor Ort in Barcelona sein, um Frenkie de Jongs Einschätzung als glaubwürdig zu empfinden. Der Mittelfeldspieler weilte selbst dutzende Kilometer entfernt von der katalonischen Hauptstadt bei der niederländischen Nationalelf und machte deutlich, was beim FC Barcelona vor sich geht. "Im Moment herrscht ein Durcheinander, es herrscht Chaos", sagte er.

Die brachiale 2:8-Pleite in der Champions League gegen den FC Bayern sowie die anschließende Verkündung von Klub-Ikone Lionel Messi, den Verein nach 20 Jahren verlassen zu wollen, brachte den so stolzen Klub innerhalb von wenigen Tagen beinahe zum Umsturz. Jede Bewegung rund um Barca wurde fortan detailliert erforscht und gedeutet, besonders die spanische Presse feuerte aus allen Rohren.

Als schließlich Messis Vater Jorge nach Barcelona reiste, um sich mit den Anwälten seines Sohnes zu beraten und mit der Vereinsführung um Präsident Josep Maria Bartomeu zu verhandeln, ob Messi junior denn nun ablösefrei aus seinem Vertrag herauskomme oder nicht, brach größtmögliche mediale Hektik aus.

An mancher Stelle wurde daraus gar Verzweiflung, wenn man sich den englischen Journalisten vor Augen führt, der selbst das Mittagessen von Papa Messi protokollierte und sein Ergebnis freudig in die Kamera sprach. Doch am Freitag fand der Spuk ein vorzeitiges Ende - Messi verkündete im exklusiven Interview mit SPOX und Goal seinen Verbleib beim FCB.

Messi-Verbleib: Wie werden Koemans Ideen angenommen?

Was heißen diese turbulenten Tage nun in sportlicher Hinsicht für Barca? Die naheliegendste, weil unzweideutige Antwort: In Messi behält der Klub seinen besten Spieler. Das ist freilich eine gute Nachricht, der zuletzt verschlafene und jetzt zu vollziehende Umbruch im Kader bleibt davon dennoch unberührt.

Auf den neuen Trainer Ronald Koeman kommt eine Menge Arbeit zu. Der Niederländer bringt andere Ideen in den Verein und es sollte nicht überraschen, wenn er sein Team künftig wie die Elftal in ein 4-2-3-1-System kleidet. "Das ist gut", sagte Messi hinsichtlich des neuen Inputs, "aber wir werden sehen müssen, wie das Team es annimmt und ob wir damit auf höchstem Level wettbewerbsfähig sind."

Das wird für das Prestige und den Anspruch des Vereins der springende Punkt sein - und für Messi freilich auch: Das nach den hohen Ausgaben der Vorjahre (Dembele, Coutinho, Griezmann) finanziell gebeutelte Barca muss sich nun idealerweise so verstärken, dass man auf Anhieb wieder in Spanien wie Europa titelfähig ist. Es waren gerade die in den vorherigen Jahren erlittenen Champions-League-Pleiten gegen Liverpool, Rom, PSG, Juventus und nun die Bayern, deren Art und Weise untypisch für Barcelona waren und die Messi in die Wechselwilligkeit trieben.

Koeman muss Barcelona wieder Stabilität einimpfen

Wühlt man sich durch die zahlreichen Spekulationen und fischt die seriösesten Einschätzungen heraus, wird das künftige Barcelona eine Mischung aus viel neuem, aber auch altem Blut sein. Ivan Rakitic ist bereits weg, auch mit Arturo Vidal, Samuel Umtiti und Messis bestem Kumpel Luis Suarez plant Koeman angeblich nicht mehr.

Innenverteidiger Pique bot bereits nach dem Desaster gegen die Bayern seinen Rücktritt an, auch Sergio Busquets ließ zuletzt merklich nach und ist nicht mehr das Barca-Metronom vergangener Jahre. Koeman dürfte vor allem seinen Landsmann de Jong als neuen defensiven Mittelfeldanker auf der Doppelsechs platzieren, so dass ein Tandem mit dem zuvor meist allein auf dieser Position spielenden Busquets Sinn ergeben würde. Auch Neuzugang Miralem Pjanic, der von Juventus kam, wäre ein geeigneter de-Jong-Nebenmann. Möglich zudem: Der von Koeman favorisierte Georginio Wijnaldum, dessen Wechsel nach Barcelona gute Chancen eingeräumt werden, agiert leicht vorgezogen als Achter.

Eine neue defensive Stabilität zu erreichen, wird für Koeman eine der dringlichsten Aufgaben sein. 38 Gegentore fing sich Barca in der Vorsaison in LaLiga, unter den Top 4 bedeutete dies Platz vier. Der 24-jährige Clement Lenglet darf sich gute Chancen ausrechnen, neuer Abwehrchef zu werden. Auf den Außenbahnen dagegen besteht noch viel Unklarheit.

Messi-Abhängigkeit muss besser ausbalanciert werden

Dort versuchten sich zuletzt Jordi Alba, Junior Firpo, Nelson Semedo und Sergi Roberto. Firpo jedoch ist auf links für Alba kein wirklicher Herausforderer und soll gehen. Auf der Gegenseite hat Semedo wohl auch keine Zukunft mehr, Roberto lief zuletzt häufiger im zentralen Mittelfeld auf. Das heißeste Gerücht auf dieser Position lautet: ManCitys Joao Cancelo kommt mit Ex-La-Masia-Schüler Eric Garcia nach Barcelona, Semedo wechselt dafür nach Manchester.

Wenn man einen der besten Spieler der Welt in seinen Reihen hat, wird im Offensivbereich weiter viel von Messi abhängen. Trainer und Mannschaft müssen es aber hinkriegen, die Abhängigkeit von La Pulga besser auszubalancieren. Zuletzt versteckten sich die Mitspieler während schwieriger Partien zu häufig hinter Messi und gaben ihm den Ball und somit die alleinige Verantwortung.

Gerade bei Spielern wie Griezmann oder Dembele wäre es notwendig, ihnen größere Freiheiten einzuräumen, damit sie ihr Potenzial ausspielen können. Interessant wird, welche Rolle Koeman für Griezmann vorsieht. Der Franzose wäre wie Rückkehrer Philippe Coutinho für die Zehn geeignet, könnte aber auch Suarez in vorderster Front ersetzen - gerade dann, wenn bei Wunschspieler Lautaro Martinez wie befürchtet keine Einigung mit Inter Mailand erreicht würde.

Wie wird sich Anführer Messi präsentieren?

Im Angriff, vor allem aber als Linksaußen und Messi-Pendant könnte Memphis Depay auflaufen. Der 26-Jährige soll sich für einen Wechsel nach Katalonien entschieden haben. Doch nicht nur in dieser Personalie gilt für Barca: Erst müssen einige weitere Abgänge verbucht werden, damit nicht gegen die Vorgaben der spanischen Liga verstoßen wird.

Messis Rolle dagegen dürfte unangetastet bleiben. Noch mehr als sonst wird auf ihm in der neuen Saison das Hauptaugenmerk liegen. Wie wird sich der Argentinier, der eigentlich gehen wollte, präsentieren? Wird er seinem Status als Anführer des Teams weiter gerecht? An Messis fußballerischer Klasse gibt es freilich keinen Zweifel. Der 33-Jährige dürfte auch weiter für 30 Pflichtspieltreffer oder mehr in einer Spielzeit gut sein, wenngleich er in der vergangenen Saison weit von den Marken der vier vorherigen Jahre entfernt war (siehe Tabelle).

Messi kann nun vor allem noch deutlicher unterstreichen, dass er wirklich zu den größten Fußballern aller Zeiten gehört, wenn er sich ungeachtet der Ungereimtheiten mit der Vereinsführung weiterhin zu Höchstleistungen aufrafft. Es wird nicht nur, aber zu Großteilen auch an ihm höchstpersönlich liegen, in welche Richtung das vermeintlich neue Barcelona steuern und wie sehr es für ihn womöglich doch noch ein Projekt mit Zukunft wird.

Messis Maßstab: Wie Lewandowski beim BVB

Ein Maßstab wäre dabei sein wahrscheinlicher Nachfolger als Weltfußballer Robert Lewandowski. Der wollte Borussia Dortmund nach der Saison 2012/13 auch vehement verlassen, sein angestrebter Wechsel zum FC Bayern wurde ihm aber verwehrt. Lewandowski war verärgert, doch das beeinflusste seine Leistungen nicht. Nach einer starken Saison wurde er mit 20 Toren erstmals Torschützenkönig der Bundesliga - und beschädigte damit seinen Ruf beim BVB nicht.

Messi jedenfalls scheint gewillt, eine ähnliche Mentalität an den Tag zu legen: "Meine Einstellung wird sich nicht ändern - ganz egal, wie sehr ich gehen wollte", sagt er. "Ich werde mein Bestes geben. Ich will immer das Beste für den Klub, meine Mitspieler und mich selbst. Ansonsten weiß ich nicht, wie es jetzt weitergehen wird. Was ich sagen kann ist, dass ich bleibe und mein Bestes für Barcelona geben werde."

Lionel Messi: Pflichtspiele und -tore in den fünf vergangenen Barca-Saisons

SaisonPflichtspieleTore
2015/20164941
2016/20175254
2017/20185445
2018/20195051
2019/202044

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