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Fussball

"Barca ist ein Traum"

Von Interview: René Scheufen
Eugen Polanski (l.) hat diese Saison in 25 Spielen ein Tor für Getafe erzielt
© Imago

EXKLUSIV Eugen Polanski ist der einzige deutsche Stammspieler in der Primera Division. Der in Polen geborene 23-jährige Mittelfeldspieler darf sich wöchentlich mit den besten Spielern der Welt messen. Mit SPOX spricht er über seine bevorstehende Rückkehr nach Deutschland, den FC Barcelona und seine Ziele mit der U-21-Nationalmannschaft.

SPOX: Sie wollen zurück in die Bundesliga - warum? Sie sind Stammspieler in der Primera Division!

Eugen Polanski: Es sind rein persönliche Gründe. Es gibt manchmal Dinge im Leben, die sind wichtiger als Fußball. Die muss man akzeptieren, und deshalb werde ich zurück nach Deutschland kommen.

SPOX: Heißt eine Rückkehr nach Deutschland auch eine Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach?

Polanski: (lacht) Das weiß ich nicht. Soweit sind wir noch nicht. So ein Wechsel ist ja auch nicht nur eine Sache, die ich entscheiden kann, sondern da sind immer zwei Parteien gefragt.

SPOX: Gibt es denn schon konkrete Kontakte in die Bundesliga?

Polanski: Es sind mehrere Vereine - da müsst Ihr Euch überraschen lassen. Es ist auch noch alles nicht so konkret. Mein Berater hat mit einigen sehr interessanten Vereinen gesprochen und da muss ich jetzt abwarten, was sich tut. Aber ich denke, dass nur die erste Liga für mich Sinn macht.

SPOX: Was sagt Getafe denn dazu?

Polanski: Mein Berater hat zuerst mit Getafe gesprochen und sie haben gesagt, dass sie meinem Wunsch nachkommen werden. Daraufhin hat mein Berater einige Vereine in Deutschland angesprochen, die dann auch ihr Interesse signalisiert haben.

SPOX: Werden Sie es nicht vermissen, gegen Mannschaften wie Barcelona oder Real Madrid zu spielen?

Polanski: Auf jeden Fall! Wenn man die Fußballer in der Bundesliga fragen würde, welche Liga die stärkste ist, würden sie sagen: "Spanien und England". Man sieht es ja auch an der Tabellenkonstellation - hier kann wirklich jeder jeden schlagen. Es gibt viele technisch versierte Mannschaften, die auch eine ganz andere taktische Ausrichtung als die deutschen Teams haben.

SPOX: Erzählen Sie mal kurz wie es ist, sich mit den besten Spielern der Welt wie Lionel Messi, Xavi, Eto'o und Co. zu messen.

Polanski: Jeder Trainer und jeder Spieler kann davon träumen, gegen Barcelona zu spielen. Es lagen in dem Spiel Welten zwischen uns und Barca.

SPOX: Was macht Barca als Mannschaft aus?

Polanski: Barcelona ist einfach eine komplette Mannschaft. Sie spielen mit einer Leichtigkeit, die beeindruckend ist. Wenn man gegen sie spielt, kommt es einem vor, als ob sie mit 13 oder 14 Spielern auf dem Platz stehen. Sie spielen offensiv, verteidigen aber auch offensiv. Wenn man den Ball hat, wird man von drei, vier Spielern unter Druck gesetzt. Bei Barca ist es auch egal, wer spielt. Wenn sie einen Ersatzspieler bringen, merkt man kaum einen Unterschied. Hinzu kommen Ausnahmetalente wie Messi.

SPOX: Haben Sie sich denn schon ein Trikot von einem der ganz großen Spieler wie Messi sichern können?

Polanski: Von Messi habe ich keines, aber von Barcas Bojan Krkic habe ich eines zu Hause.

SPOX: Wen halten Sie für den derzeit besten Spieler der Welt - ist es ein Spieler von Barca?

Polanski: Ja, ich habe am Wochenende wohl gegen die elf besten Spieler gespielt (lacht). Der Beste ist mit Sicherheit Lionel Messi, aber wenn man sieht, wie Xavi und Iniesta spielen - das ist schon unglaublich. Mit was für einer Ruhe, Intelligenz und Sicherheit sie Fußball spielen, wie sie das Spiel leiten - das ist schon ein Traum! Da kann man gar nicht genug von bekommen.

SPOX: Es gab Kritiker, die glaubten, dass der Sprung aus der 2. Liga in die Primera Division zu groß für Sie sei. Trotz aller Bedenken haben Sie sich durchgesetzt. Woran machen Sie es fest?

Polanski: Einerseits spielt es eine Rolle, ob die Position in deiner neuen Mannschaft schon besetzt ist, andererseits kommt es auch darauf an, wie der neue Trainer Fußball spielen lässt, welche Vorstellungen er von dir hat. Da kam bei mir dann glücklicherweise alles zusammen. Ich denke, dass ich im letzten Jahr in der 2. Liga viel zu wenig gespielt habe und da war der Sprung nach Spanien zum Stammspieler schwer. Aber ich habe bei Gladbach in der Zeit, in der ich nicht gespielt habe, viele Extra-Schichten für mich selbst gemacht, um den Schritt zu einem anderen Klub nicht zu groß werden zu lassen.

SPOX: Aber an den Extra-Schichten bei der Borussia kann es ja nicht nur gelegen haben...

Polanski: Natürlich hatte ich auch eine optimale Vorbereitung hier in Spanien und hatte dann auch wenige Probleme, mich in der Mannschaft zu integrieren. Zudem denke ich, dass ich Getafe auch wirklich weiterhelfen kann, um die Ziele zu erreichen.

SPOX: Sie sprechen schon die Ziele von Getafe an. Sie sind mittendrin im Abstiegskampf. Woran liegt es in dieser Saison, dass es nicht so gut läuft? Immerhin hat Getafe im letzten Jahr noch UEFA-Cup gespielt.

Polanski: Wir haben in der Hinrunde viele Punkte gesammelt, aber wenn man sieht, wieviele Elfmeter wir verschossen haben und wieviele Punkte wir dadurch schon haben liegen lassen... Wenn man die hinzuzählen würde, ständen wir in einer ganz anderen Tabellenregion. 

SPOX: Sie möchten sich auch sicherlich nicht mit einem Abstieg aus Spanien verabschieden.

Polanski: Nein, nein, auf gar keinen Fall! Ich denke, dass wir sicherlich abstiegsgefährdet sind, aber ich habe das Gefühl, dass wir da unten rauskommen werden. In der Primera Division liegen in der Tabelle alle dicht beieinander und jeder kann jeden schlagen. Es gibt keine einfachen Spiele, auch für die größeren Teams nicht.

SPOX: Haben Sie sich schnell an Spanien und die neue Umgebung gewöhnen können?

Polanski: Ich habe die Spieler und generell die ganzen Menschen in Spanien sehr offen kennengelernt. Aber ich habe mir auch die Sprache schnell angeeignet, sodass ich da von Anfang an wenige Probleme bei der Integration hatte. Die Spanier haben einfach eine ganz andere Mentalität, sie sind viel gelassener, viel ruhiger - frei nach dem Motto "Kommst Du heut' nicht, kommst Du morgen".

SPOX: Passt das denn zu Ihrer "deutschen Mentalität"?

Polanski: Sicherlich war das am Anfang etwas ganz Neues für mich und ich musste mich dieser Mentalität auch zuerst einmal anpassen. Aber das habe ich ganz gut hinbekommen und da kann man sich als Deutscher auch eine Scheibe von abschneiden - aber nicht zu viel, weil sonst wird's zu bunt (lacht).

SPOX: Sie haben in Spanien - natürlich - den Spitznamen "El Aleman" verpasst bekommen.

Polanski: Die Spanier wissen die Tugenden der Deutschen schon zu schätzen. Aber fußballerisch habe ich auf jeden Fall etwas dazu gelernt, weil das Spiel viel offensiver ausgerichtet ist. Dadurch wird die Defensive aber vernachlässigt und da kommt man mit den deutschen Tugenden schon gut an. Aber ich versuche, das Spiel zu lesen und die Defensive zu ordnen, und damit ein Mittelsmann zwischen Abwehr und Angriff zu sein.

SPOX: Wie sieht es denn mit dem Kontakt zu den anderen Deutschen in Spanien aus wie David Odonkor und Christoph Metzelder?

Polanski: Mit dem Odo habe ich schon immer Kontakt, auch als ich noch in Deutschland war. Wir haben ja zusammen in der U 21 gespielt. Mit Metze habe ich dagegen nur bei den Spielen gegen Real kurz "Hallo" und "Wie geht's?" gesagt. Das waren aber nur Small-Talk-Gespräche.

SPOX: Bei der U 21 haben Sie wieder Gelegenheit, sich mit Ihren deutschen Kollegen auszutauschen. Mit Spanien, England und Finnland hat das deutsche Team bei der EM in Schweden eine starke Gruppe erwischt.

Polanski: Die Gruppe ist schwer zu meistern. Aber wenn ich mich in Spanien umhöre, haben auch sehr, sehr viele Respekt vor Deutschland. Spanien ist individuell sehr stark, aber als Mannschaft sind wir viel, viel weiter und stärker.

SPOX: Und England?

Polanski: England ist unglaublich schwer zu schlagen. Die haben gefühlte vier Jahre lang kein Spiel mehr verloren. Aber alles ist machbar. Wenn man als deutsches Team bei einer EM dabei ist, muss man ein klares Ziel vor Augen haben. Und wenn wir als Mannschaft kompakt stehen, werden wir auch Titelchancen haben.

SPOX: Das Ziel ist also klar: der Titel.

Polanski: Auf jeden Fall. Ich kann mir nichts anderes vorstellen!

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