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Fussball

Schuster bei Real entlassen

SID
Bernd Schuster war 2007 Spaniens Trainer des Jahres. Am 9. Juli 2007 fing er bei Real an
© SID

Der Blonde Engel ist abgestürzt: Auf den Tag genau 17 Monate nach seiner Verpflichtung als Trainer des spanischen Rekordmeisters Real Madrid wurde Bernd Schuster am Dienstag bei den in der Krise steckenden Königlichen entlassen. Sein Nachfolger wurde bereis am Nachmittag vorgestellt: Es ist der ehemalige Coach von Sevilla und Tottenham Juande Ramos.

Bei den Engländern wurde Ramos, der einen Vertrag bis zum Saisonende erhalten wird, am 26. Oktober entlassen. Schuster hatte am Dienstag nach einem 30 Minuten dauernden Gespräch mit Real-Sportdirektor Predrag Mijatovic gegen 13 Uhr das Stadion-Gelände verlassen.

Das für 17 Uhr angesetzte Training der Profis, die am Mittwoch im letzten Vorrundenspiel in der Champions League gegen UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg antreten, stand bereits unter der Leitung von Ramos.

Vertrag "in gegenseitigem Einvernehmen" aufgelöst

"Wir haben den Vertrag mit Bernd Schuster im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Wir sind freundschaftlich und kollegial auseinandergegangen. Der Klub dankt Bernd Schuster für seine Arbeit", erklärte Mijatovic zum Rauswurf des Deutschen, der ursprünglich bis zum Jahr 2010 an den Hauptstadtklub gebunden war.

Ausschlaggebend für den Rauswurf des gebürtigen Augsburgers war die 3:4-Pleite Reals am Sonntag gegen den FC Sevilla. In der Primera Division liegt der Titelverteidiger als Tabellenfünfter bereits neun Punkte hinter dem Tabellenführer und Erzrivalen FC Barcelona.

Bereits am Samstag kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Klubs in Barcelona. Schuster, der seit dem blamablen Pokal-Aus Reals gegen den Drittligisten Real Union Irun vor einem Monat in der Kritik stand, hatte seinen Rauswurf auch damit provoziert, dass er die Partie bei den seit 20 Spielen ungeschlagenen Katalanen bereits abgehakt hatte.

"Der Traum eines jeden Trainers"

"Es ist unmöglich, in Nou Camp zu gewinnen. Ich denke, es ist ihr Jahr. Wir werden versuchen, eine gute Show zu bieten, mehr können wir nicht tun", meinte der Europameister von 1980 einen Tag vor seiner Entlassung.

Offenbar zu wenig für die Ansprüche von Präsident Ramon Calderon und Mijatovic, der allerdings betonte, die Entscheidung hätte nichts mit Schusters Aussage zu tun gehabt.

Ramos selbst, der mit einem Vertrag bis zum Saisonende ausgestattet wurde, gab sich bei seiner ersten Pressekonferenz als Real-Coach kämpferischer. "Barca spielt einen exzellenten Fußball, aber Real Madrid hat den Charakter und das Prestige, um in jedem Stadion der Welt zu bestehen", sagte er.

"Ich freue mich auf die Aufgabe, es ist der Traum eines jeden Trainers. Ich hoffe, dass ich niemanden enttäusche und die Saisonziele erfülle", meinte Ramos und fügte an. "Wenn alles gut läuft, wird mein Vertrag vielleicht am Ende der Saison verlängert. Mal sehen, was passiert."

Schuster ein Bauernopfer?

Der deutsche Coach gilt derweil als Bauernopfer von Klubchef Ramon Calderon. Schließlich hatte sich die Wut der Real-Fans zuletzt weniger auf Schuster und sein Team als vielmehr auf den Präsidenten konzentriert. Am Sonntag forderten die Fans beim Halbzeitstand von 1:3 Calderons Rücktritt.

Schon auf der Mitgliederversammlung am Sonntagvormittag, als der Klub-Patron seinen Etat für die kommende Saison nur mit Mühe durchdrückte, hatten "Calderon raus"-Rufe für Aufsehen gesorgt.

Calderon hatte Schuster noch vor wenigen Tagen mit einer Jobgarantie bis zum Saisonende ausgestattet: "Wir werden mit ihm ganz sicher bis zum Ende der Spielzeit gehen. Es müsste schon eine Katastrophe geschehen, um diese Situation zu verändern." Dieses Unglück ist nun offenbar eingetreten.

Netzer: Rauswurf nicht überraschend

Für Günter Netzer, den ehemalien Spielmacher Reals, kam der Rauswurf nicht überraschend.

"Alle großen Vereine haben den Anspruch, immer alles gewinnen zu wollen. Wer das als Trainer nicht schafft, gerät schnell in Gefahr. Im Europapokal ist er vergangene Saison relativ früh gescheitert und in der aktuellen Meisterschaft läuft es nicht gut", sagte der Weltmeister von 1974 der Tageszeitung "Die Welt".

Schuster, Spaniens Trainer des Jahres 2007, war am 9. Juli vergangenen Jahres offiziell als Nachfolger des Italieners Fabio Capello vorgestellt worden. Er holte mit Real 2008 den Meistertitel und den Supercup, insbesondere in der Champions League blieb Real jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Als Spieler war der 48-Jährige mit Real zweimal Meister (1989, 1990) geworden. In Spanien hatte der 21-malige Nationalspieler vor dem Engagement bei Real bereits Deportivo Xerez (2001 bis 2003), UD Levante (2004 bis 2005) und den FC Getafe (2005 bis 2007) betreut.

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