Cookie-Einstellungen
Fussball

Giuseppe Sculli: Ausgebildet bei Juventus, Enkel des Mafiabosses

Von Daniel Nutz
Sculli war ein talentierter Fußballer, seine Karriere war dennoch geprägt von einer Verbindung zur Mafia.

Giuseppe Sculli war ein talentierter Fußballer, wurde von Juventus ausgebildet. Seine Karriere war dennoch geprägt von einer Verbindung zur Mafia.

Es waren Bilder, die ganz Fußball-Deutschland sah und heftig darüber diskutierte, als nach Herthas 1:4-Niederlage im Berliner Stadtderby gegen Union die Heimmannschaft von den Ultras als Zeichen der Demütigung dazu aufgefordert wurde, ihre Trikots auszuziehen und abzulegen - und die Spieler gehorchten.

Es ist kein Novum, dass Ultras nach besonders bitteren Niederlagen zu solch drastischen Maßnahmen greifen. So geschehen auch im April 2012, als die Fans vom FC Genua beim Stand von 0:4 gegen die AC Siena während der zweiten Hälfte einen Spielabbruch provozieren wollten und während der Unterbrechung die Genua-Spieler als Schande für den Verein beschimpften. "Wir wollen euch in Unterhosen sehen", riefen die aufgebrachten Fans.

Aus Angst vor den durchaus als krawallbereit bekannten Fans wehrten sich die Spieler nicht, manche standen den Tränen nahe. Als sich die Mannschaft um Kapitän Marco Rossi gedemütigt zurück in Richtung Katakomben bewegte, blieb ein Spieler zurück: Giuseppe Sculli.

Der Angreifer ging auf den Anführer der Ultras zu, kletterte den Zaun hinauf, packte ihn sanft am Nacken und flüsterte ihm ein paar Worte ins Ohr, ehe er ihm tief in die Augen blickte. Danach schrie er: "Ich werde meine Sachen nicht ausziehen, denn sie gehören mir!"

Sculli: Enkel von Mafiaboss Giuseppe Morabito

Scullis Mut und Furchtlosigkeit kamen nicht von ungefähr, ist er doch der Enkel von Giuseppe Morabito, einem Mafiaboss des 'Ndrangheta'-Clans - dem kalabresischen Ableger der Cosa Nostra -, welcher im Jahr 2021 vor allem mit Drogenhandel und illegaler Müllentsorgung rund 50 Milliarden Euro Jahresumsatz gehabt haben soll. Eine Verbindung, die Sculli seine ganze Karriere lang begleiten sollte. Aber der Reihe nach.

Er begann seine Karriere in der Jugend von Juventus Turin und war durchaus talentiert, durchlief er doch sämtliche Junioren-Nationalteams Italiens. Mit 18 unterschrieb er dann seinen ersten Profivertrag bei der Alten Dame. Juventus verlieh den jungen Sculli, zunächst zum FC Crotone. Es folgten fünf weitere Leihen, was deutlich zeigt, dass er trotz des großen Potenzials nie richtig Fuß fassen konnte und nicht als Stammspieler bei den Turinern infrage kam.

2007, im Alter von 26 Jahren, verließ er Juventus dann endgültig und schloss sich nach einer vorangegangenen Leihe dem FC Genua an. Es sollte Scullis erfolgreichste Station werden. Insgesamt 167 Pflichtspiele, darunter 141 in der Serie A, bestritt er für den Klub und erzielte dabei 28 Tore, legte 14 weitere auf.

2011 legte Lazio Rom drei Millionen Euro für den Linksaußen auf den Tisch. Rein sportlich waren seine Glanzzeiten dann aber schnell vorbei, der U21-Europameister-Titel und die Bronze-Medaille bei Olympia (beides im Jahr 2004) blieben schlussendlich seine einzigen Titel. Doch der Enkel des Mafiabosses sorgte das eine oder andere Mal auf andere Weise für Schlagzeilen.

Spielmanipulationen: Mehrere Sperren gegen Sculli

2006 wurde er wegen Spielmanipulation für schuldig erklärt. Er soll am letzten Spieltag der Serie-B-Spielzeit 2001/02 absichtlich einen Elfmeter verschossen haben. Schon früh gab es Indizien dafür, laut nzz erzählte Sculli seiner Freundin, die sich nach dem merkwürdigen Elfmeter erkundigte, in einem Telefongespräch, dass er unter dem Schutz seiner Familie stehe. Einen Bekannten informierte er, die "Capocolli" (kalabresische Salami) seien "unterwegs nach Bari und Crotone" - für die Ermittler verschlüsselte Hinweise auf Geldtransfers.

Insgesamt acht Monate wurde er letztlich für den Vorfall gesperrt. Fünf Jahre später wurde er beschuldigt, im Rahmen des Calcioscommesse-Skandals mit mehreren anderen Akteuren erneut Spiele geschoben zu haben. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass sich Sculli mit Safet Altic, einem Kriminellen aus Bosnien, der für Spielmanipulationen bekannt war, getroffen hatte. Auch Vorwürfe bezüglich einer Erpressung des ehemaligen Bayern-Angreifers Luca Toni standen im Raum. Sculli soll im Besitz von Fotos gewesen sein, die Toni mit anderen Frauen zeigen, während seine Lebensgefährtin schwanger war. In beiden Fällen gab es jedoch nicht genügend Beweise gegen den heute 41-Jährigen. Anders entschied hingegen die Disziplinarkommission des italienischen Fußballverbandes (FIGC) 2012, als sie Sculli für enge Kontakte zu den Ultras für einen Monat sperrten.

Sculli versuchte während seiner gesamten Karriere nie, ein Geheimnis aus seiner Verbindung zur Mafia zu machen. Im Gegenteil. Er schwärmte regelmäßig von seinem Großvater, der schon 1992 vor der Polizei fliehen musste und 2004 letztlich gefasst wurde.

"Ich weiß, dass ich sein Lieblingsenkel bin", sagte Sculli nach dem Erfolg bei Olympia. "Das werde ich nie verneinen." Im Gefängnis besuchte er Morabito jedoch nie, er könne es nicht ertragen, "ihn hinter Gittern zu sehen", erklärte er einst. Seinen Großvater verteidigte er jedoch immer, schließlich sei er eine Person, die "von jedem im Land respektiert wird. Er ist in der Lage, Türen zu öffnen, nicht nur wegen seines Status, sondern weil er immer gut zu Menschen war".

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung