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Fussball

Carini für Cannavaro: Der schlechteste Tauschdeal der Geschichte

Von Chris Lugert
Fabian Carini und Fabio Cannavaro tauschten 2004 die Klubs.

Fabio Cannavaro und Fabian Carini tauschten einst die Klubs - und schrieben damit ungewollt Geschichte. Juventus führte den großen Rivalen Inter vor.

Wilde Taxifahrten, vorgetäuschte Verletzungen, gebrochene Versprechen: Die Transfersaga um Fabio Cannavaro und Fabian Carini im Sommer 2004 ist reich an Mythen und Legenden.

Manches ist wahr, manches nicht. Klar ist rückblickend vor allem eines: Juventus Turin zog den großen Rivalen Inter Mailand so richtig über den Tisch.

Aber von vorne. Die Saison 2003/04 in der Serie A war mit einem überlegenen Titel der AC Mailand zu Ende gegangen, Juventus und Inter blieben nur die Plätze drei und vier.

Doch während ein Jahr zuvor noch Milan und Juve ein rein italienisches Champions-League-Finale ausspielten, ist es um den italienischen Fußball zu dieser Zeit im internationalen Vergleich nicht mehr so rosig bestellt. In der Königsklasse schied Titelverteidiger Milan als letzter Vertreter vom Stiefel im Viertelfinale aus und bei der EM scheiterte die Squadra Azzurra bereits in der Vorrunde.

Cannavaro und Inter: Nie die große Liebe

Zu den Leistungsträgern der italienischen Nationalmannschaft gehörte schon damals Fabio Cannavaro, bei der EM bereits zarte 30 Jahre alt. Er ging als Kapitän in das letztlich enttäuschende Turnier. Auf Klubebene spielte der Innenverteidiger zu dieser Zeit für Inter Mailand, die Nerazzurri hatten 2002 über 20 Millionen Euro für Cannavaro an den AC Parma gezahlt. Neben Alessandro Nesta war Cannavaro der große Abwehrstar in Italien, während die große Karriere von Paolo Maldini so allmählich in den Winter einbog.

Doch Cannavaro und Inter, das war nicht die große Liebe. Stattdessen wollte der Defensivspieler viel lieber für Juventus spielen, ausgerechnet. Beide Vereine waren schon damals große Rivalen, noch vor Calciopoli. Für Inter kam Cannavaro in der Saison 2003/04 nur in knapp mehr als der Hälfte der Ligaspiele zum Einsatz, immer wieder war er angeschlagen.

Hinter den Kulissen spielte sich nach der EM ein echtes Hollywood-Drama ab. Mittendrin: Juve-Manager Luciano Moggi. Dieser war bereits zu Cannavaros Parma-Zeiten ein großer Fan des Spielers und nun sah er seine Zeit gekommen. Gemeinsam mit Paco Casal, dem Berater von Fabian Carini, schmiedete er einen Plan für einen Tausch. Carini war damals 24 Jahre alt und Ersatztorwart bei den Bianconeri. Juve hatte ihn im Jahr 2000 für rund acht Millionen Euro gekauft, allerdings kam er an Gigi Buffon nicht vorbei. 2002 ging er für fünf Millionen Euro zu Standard Lüttich, für die nahezu gleiche Summe holte ihn Juve 2004 zurück.

Cannavaro hatte bei Inter zwischenzeitlich klar auf einen Wechsel zu Juve gedrängt, doch der damalige Inter-Direktor Marco Branca machte ihm klar, dass er ihn niemals an Juve verkaufen werde. Also wandte sich Cannavaro an Inters Vizepräsidenten Rinaldo Ghelfi und erklärte, dass er unter schwerwiegenden Knieproblemen leide und daher nicht auf Spielzeit kommen würde. Die Idee dazu hatten Moggi und Casal vorher entwickelt. Die Legende besagt, Moggi und Cannavaro hätten sich während einer wilden Taxifahrt dazu verabredet. Dies ist aber wohl tatsächlich nur ein Mythos.

Juve gelingt der große Coup

Um den Deal über die Bühne zu bekommen, bot Juve Inter zudem als Tausch noch Carini an. Nach dem Motto: Wir nehmen euch einen dauerverletzten Ex-Star ab und ihr bekommt einen talentierten, aufstrebenden Torwart. Und tatsächlich stimmte Inter dem Deal zu. Cannavaro bekam seinen Willen und ging zu Juve, Carini wechselte für die identische Summe nach Mailand.

Für Juve war dieser Deal einer der besten der Vereinsgeschichte, für Cannavaro der Schritt zum endgültigen Durchbruch, für Inter dagegen ein absoluter Reinfall. Cannavaro spielte fast alle Spiele für die Alte Dame, von Verletzungen war nichts mehr zu sehen. Mit starken Leistungen hatte er seinen Anteil an den beiden Meisterschaften 2005 und 2006, die Juve aber wegen des Manipulationsskandals nachträglich aberkannt wurden. 2006 führte er als Abwehrchef und Kapitän Italien zum WM-Titel und wechselte anschließend zu Real Madrid, am Jahresende folgte zudem die Auszeichnung zum Weltfußballer und der Gewinn des Ballon d'Or.

Carini hingegen machte für Inter ganze neun Pflichtspiele, bereits 2005 verließ er den Klub zunächst auf Leihbasis und ein Jahr später dann endgültig. Immerhin durfte sich Inter nachträglich über den Meistertitel 2006 freuen. Dass Juve in die Serie B zwangsabsteigen musste, dürfte den Schmerz über den vielleicht schlechtesten Transfer der Vereinsgeschichte etwas gelindert haben.

 

 

 

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