Fussball

Matthijs de Ligt bei Juventus Turin: Vom "unbesiegbaren" zum unsicheren Mega-Talent

Von Tim Ursinus
Matthijs de Ligt ist nach seinem Wechsel zu Juventus Turin noch auf Formsuche.

Matthijs de Ligt hängt nach seinem Wechsel zu Juventus Turin in einem Formtief fest. Im Sommer war der 20-Jährige bei Ajax noch einer der begehrtesten Innenverteidiger der Welt. Nun befindet sich das Mega-Talent auf der Suche nach der verlorenen Selbstverständlichkeit.

"Ich bin noch nicht in Bestform", sagte Matthijs de Ligt nach dem 2:1-Sieg der Niederlande gegen Weißrussland. Es war seine Art, sich zu entschuldigen, nachdem er erneut einen Gegentreffer seiner Mannschaft verschuldet hatte. Der Anschlusstreffer von Stanislav Dragun - so folgenlos er auch letztendlich war - stand sinnbildlich für die aktuelle Situation von de Ligt.

Unter Trainer Maurizio Sarri, der ebenfalls im Sommer zu Juventus gekommen war, spielte der Niederländer zu Saisonbeginn keine Rolle und hütete die Bank. Schon in der Vorbereitung hatte man dem Youngster angemerkt, dass er noch Eingewöhnungszeit benötigt.

De Ligt zeigte sich in seinen Aktionen unreif, machte viele kleine Fehler und verschuldete so einige Tore. Die Folge: Das erfahrene Innenverteidiger-Duo Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci war zunächst gesetzt, während de Ligt außen vor blieb.

De Ligt in der Formkrise: "Bei Ajax fühlte ich mich unbesiegbar"

Doch Sarris Plan, den 20-Jährigen langsam an das neue Umfeld und einen Top-Klob wie Juve heranzuführen, zerschoss sich noch vor dem Spitzenspiel am 2. Spieltag gegen den SSC Neapel. Kapitän Chiellini zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu, Sarri blieb keine Wahl und so bestritt de Ligt sein erstes großes Spiel im Trikot der Alten Dame.

Juve gewann nach einem spektakulären Spielverlauf zwar mit 4:3, doch für de Ligt war es ein Abend zum Vergessen. Bei allen drei Gegentreffern machte der Golden Boy von 2018 keine gute Figur. Ein gefundenes Fressen für die italienischen Medien, in den Sozialen Medien wurde de Ligt in Anlehnung an den fehleranfälligen Verteidiger von Manchester United als "holländischer Phil Jones" verspottet.

Nichtsdestotrotz blieb de Ligt mangels Alternativen in sechs der folgenden sieben Partien in der Startelf, doch seine überragenden Leistungen, die ihn zum teuersten Innenverteidiger der Vereinsgeschichte gemacht hatten, blieben aus. "Bei Ajax fühlte ich mich unbesiegbar, hier ist es anders. Aber ich denke, dass es normal ist, weil alles neu für mich ist", erklärte de Ligt gegenüber Fox Sports.

Mit Sarri hat de Ligt allerdings seinen wohl stärksten Kritiker in seiner noch jungen Profi-Laufbahn gefunden. Nach den ersten schwachen Auftritten des Niederländers bemängelte der knurrige Italiener dessen fehlende Spritzigkeit, de Ligt habe obendrein oft nicht gedankenschnell agiert. Erste Gerüchte kamen auf, Sarri habe de Ligt eine Low-Carb-Diät verordnet, um dessen Fitness zu steigern. De Ligt bestritt das kurze Zeit später vehement, bezeichnete die Geschichte als "unfassbar".

De Ligt in der Kritik bei Juve: "Worum geht es bei der ganzen Aufregung?"

"Unfassbar" war für viele Juve-Anhänger hingegen die Unsicherheit, mit der der Innenverteidiger phasenweise über den Platz geisterte. Die Selbstverständlichkeit, die Unbekümmertheit, die für de Ligts Alter überraschende Ruhe, mit der er Ajax als jüngster Kapitän der Champions-League-Geschichte bis ins Halbfinale führte, war weg.

Ein Umstand, der auch Bondscoach Ronald Koeman nicht verborgen geblieben war. Sein Verständnis für die massive Kritik hielt sich dennoch in Grenzen. "Worum geht es bei der ganzen Aufregung?", fragte Koeman die anwesenden Reporter auf der Pressekonferenz vor dem EM-Quali-Spiel der Niederlande gegen Deutschland. Nach de Ligts Fehlstart bei Juve wurde auch dessen Status in der Nationalmannschaft hinterfragt.

"Ich möchte meinen Spielern Vertrauen schenken, daher wird sich unsere Situation nicht ändern. De Ligt wird zentral rechts spielen. Es ist klar, dass die Anpassung an die Serie A einige Zeit in Anspruch nehmen wird", stellte Koeman klar und verwies dabei auf seine eigene Historie.

De Ligt nach Fehlstart: "Mache mir keine Sorgen"

"Ich kann euch Presseausschnitte meines Debüts in Barcelona zeigen, das wir mit 0:2 verloren haben. Alle haben geschrieben: 'Wen haben wir uns denn da gekauft?', erzählte der Bondscoach, der anschließend sechs Jahre für den FC Barcelona spielte und entscheidenden Anteil am Gewinn des Pokals der Landesmeister 1992 hatte.

Die Nachricht, die Koeman aussenden wollte, war klar. So klar, dass sie de Ligt selbst später aussprach. "Letzlich mache ich mir keine Sorgen und bin mir sicher, dass alles gut wird und ich eine gute Saison spielen werde", stellte der vielgescholtene Innenverteidiger klar. Daran dürfte auch das Tor von Stanislav Dragun am Sonntag nichts geändert haben. So sinnbildlich es auch aktuell für die Situation von de Ligt steht.

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