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Fussball

Auswärtsspiel - die SPOX-Kolumne: Wie Stade Rennes in Frankreich zum Top-Klub wurde

Salma Hayek ist mit Francois-Henri Pinault, dem Besitzer von Stade Rennes, verheiratet.

Stade Rennes spielt in Frankreich um den Einzug in die Champions League und schoss mehr Tore als das Starensemble von PSG. Das hat der Klub einem der reichsten Männer des Landes zu verdanken. Inzwischen mischt selbst Hollywood-Star Salma Hayek mit.

Als wäre die Entscheidung auch schon so nicht schwer genug gewesen. Im Sommer 2019 hatte Edson Alvarez einige Angebote aus Europa vorliegen. Es war nicht die allerhöchste Güteklasse, aber trotzdem war es sportlich sehr lukrativ, was da auf dem Tisch lag. Alvarez sagte Ajax Amsterdam zu. Die Niederländer waren bereit, 15 Millionen Euro Ablöse an den mexikanischen Klub CF America zu bezahlen. Ajax also.

Alvarez hatte keine Zweifel, dass es die richtige Entscheidung war, denn Ajax genießt auch in tausenden Kilometern Entfernung einen hervorragenden Ruf als Traditionsklub für sportlich anspruchsvolle Fußballer, die noch in der Entwicklung stehen. Aber dann klingelte eines Abends das Telefon des Mittelfeldspielers. Die Anruferin war Salma Hayek.

Nun ist Hayek nicht nur ein Megastar in Hollywood, sie ist auch deswegen Volksheldin in ihrer Heimat Mexiko. Dass man da als Mexikaner vorauseilend schwach wird, versteht sich. Hayek wollte Alvarez auch nicht zu seinem bevorstehenden Wechsel zu Ajax gratulieren, sondern ihn davon überzeugen, nicht zu Ajax zu gehen.

"Ja, das stimmt", sagt Alvarez im De Telegraaf: "Sie rief mich an und wollte mich von einem Wechsel nach Frankreich überzeugen. Das hat mich überrascht und mir geschmeichelt." Aber Alvarez wurde nicht schwach: "Ich hatte mich schon für Ajax entschieden und es ihr erklärt. Sie ist ein Vorbild, denn sie hat es als Mexikanerin dorthin geschafft, wo sie heute ist. Es war sehr schwer, abzusagen, aber am Ende hatte ich keine Zweifel."

Es mag verwundern, dass sich Hayek in einen Fußballtransfer einzumischen versuchte. Doch was macht man nicht schon für die Liebe? Hayek ist mit Francois-Henri Pinault verheiratet. Der Franzose ist Besitzer von Stade Rennes und der Klub aus der Ligue 1 hatte ebenso Interesse an Alvarez und zog die Karte Salma Hayek.

Stade Rennes: Dem Boss gehören Gucci und Puma

Die US-Mexikanerin machte das Spiel gerne mit, denn auch sie hat ihr Herz an den Klub aus der Bretagne verloren. Liebe ist ein großes Thema bei Stade Rennes. Der Klub ist der Stolz der Region, die Fans fühlen eine große Verbundenheit. Bei der Familie Pinault ist das nicht anders.

Es war ursprünglich Vater Francois Pinault, der 1998 Stade Rennes kaufte. Sohn Francois Junior hatte bis zu seinem 16. Lebensjahr aus seinem Zimmer einen Blick auf das Stadion Route-de-Lorient, das inzwischen Roazhon-Park heißt. Die Pinaults waren regelmäßige Stadionbesucher, als der Klub damals eigentlich ein trostloses Dasein fristete.

Um diesen Zustand zu ändern und ihrer Liebe einen Glanz zu verpassen, übernahm die Familie den Klub. Das nötige Kleingeld stand zur Verfügung. Pinault senior, wie der Sohn einer der reichsten Männer des Landes, war anfangs im Holz- und Möbelhandel unterwegs, doch das Geschäft wuchs und wuchs. Aus dem Etablissement Pinault wurde ein gewaltiges Imperium, das sich Kering nennt und in den letzten Jahrzehnten unzählige Geschäftsfelder anhäufte.

Pinault junior, der 2005 die Führung der Unternehmens- und Klub-Leitung übernahm, räumte in dem zum Gemischtwarenladen gewordenen Firmenkomplex auf und konzentrierte sich vor allem auf Luxusmarken: Gucci, Yves Saint Laurent, Balenciaga, Bottega Veneta - nur um einige zu nennen - gehören den Pinaults. 2007 kam Puma dazu.

Stade Rennes und der historische Transferflop Lucas

Während sie in allen Geschäftsfeldern hervorragende Erfolge feierten, stagnierte die Entwicklung des Fußballklubs. Man wusste auch nicht so recht, für was der Klub stehen soll. Geld war da, die Leidenschaft war da, die Idee fehlte. Sie machten dann den Fehler, den viele neureiche Klubs machen und kauften wild irgendwelche Spieler ein.

Im Jahr 2000 zahlte Rennes 21,3 Millionen Euro für Lucas, ein brasilianischer Stürmer von Athletico Paranaense. An der Seite von Ronaldinho nahm der Angreifer damals an den Olympischen Spielen in Sydney teil. Man platzte vor Stolz, zumal Rennes beim Werben um Lucas das große Olympique Marseille ausstach. Lucas spielte zwar regelmäßig, traf aber so gut wie nie und wurde zu einem historischen Transferflop.

Bis vor zwei Jahren war der Brasilianer immer noch der teuerste Zugang der Klubgeschichte. Als Lucas 2004 zum FC Tokio wechselte, ging mit ihm auch die Lust auf teure Spieler aus dem Ausland. Man entschied sich, einen eigenen Weg zu gehen und die Spieler selbst auszubilden.

Der Klub vervierfachte 2002 das Budget für die Nachwuchsförderung. Es wurde in Infrastruktur, Ausbilder und Jugendscouting investiert und weil es der Eigentümer ohnehin nicht auf die Rendite abgesehen hatte, verfügte Stade Rennes über das wichtigste Gut überhaupt: die Geduld.

Holt Borussia Dortmund das nächste Top-Talent aus Rennes?

"Das Nachwuchsleistungszentrum ist das Herzstück unserer Strategie", so Vereinspräsident Nicolas Holveck in der L'Equipe: "Wir setzen auf junge Spieler, um Erfolg zu haben." Allein in den vergangenen zehn Jahren haben es fast 40 Spieler aus der Jugend des Klubs geschafft, als Profi in Frankreich Fuß zu fassen.

Die Kaliber, die es in den eigenen Profikader geschafft haben, können sich sehen lassen. Ousmane Dembele oder Eduardo Camavinga sind die Aushängeschilder dieser Entwicklung. Die 30 Millionen Euro, die Real Madrid für den erst 18 Jahre alten Camavinga im Sommer bezahlte, sind ein Meilenstein für den Klub. Der Beweis, dass sich die Arbeit gelohnt hat und dass Stade Rennes eine hervorragende Akademie hat.

Mit dem seit dieser Woche 18 Jahre alten Lesley Ugochukwu steht das nächste Wunderkind schon auf dem Parkett. Als Camavinga ging, setzte Trainer Bruno Genesio auf den damals 17 Jahre alten Jungen aus der Jugend im Mittelfeldzentrum. Vor allem Borussia Dortmund gilt als großer Bewunderer und auch als Favorit auf eine Verpflichtung, die aber wie bei Camavinga nicht günstig sein dürfte.

Inzwischen nimmt der Klub auch wieder etwas mehr Geld in die Hand, um Spieler für den Seniorenbereich zu verpflichten. Fast 80 Millionen Euro waren es zu Beginn dieser Saison. Wie beispielsweise Kamaldeen Sulemana (20), der von Nordsjaelland kam und nun schon als Verkaufskandidat gilt.

Stade Rennes: Die Erwartungen haben sich geändert

Verpflichtet wurde aber auch Freiburgs Baptiste Santamaria, den man für 14 Millionen Euro von seinem Heimweh nach Frankreich befreite. Mit 27 passt der Mittelfeldspieler eigentlich nicht in die ursprüngliche Investitionsstrategie, aber es beweist den Wandel, der nach dem Europapokal-Einzug in der vergangenen Saison eingesetzt hat.

Die Erwartungshaltung im Klub ist spürbar gestiegen. Nicht ungesund, aber deutlich. Stade Rennes ist aktuell auf dem 3. Platz, der für die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigen würde. Das zweitplatzierte Marseille ist nur einen Punkt weg. Understatement lässt man nicht walten, sowohl Eigentümer Pinault als auch die sportliche Führung lassen durchblicken, dass die Champions League schon ganz dufte wäre.

Unbeeindruckt davon zeigt sich Trainer Genesio, der seit März 2021 im Klub arbeitet und eine gewisse Stabilität in die Leistung der jungen Mannschaft brachte. Inzwischen spielt Rennes aber nicht nur stabil, sondern auch sehr ansehnlich. In der Liga hat Rennes mehr Tore erzielt als PSG und spielt ein munteres Offensivspiel.

Nicht zufällig meldeten Medien aus Frankreich und England zuletzt, dass Genesio von Klubs wie Tottenham, Wolverhampton oder Valencia gescoutet wird. Allerdings scheint der 55 Jahre alte Fußballlehrer keine große Lust zu verspüren, den Klub zu verlassen. Man will am Saisonende gar über eine Vertragsverlängerung sprechen.

Er genießt großen Respekt bei den Eigentümern und bei Sportchef Florian Maurice, mit dem er schon zu Lyon-Zeiten erfolgreich zusammenarbeitete. Damals sorgte Genesio als Trainer von OL mit einem Sieg bei Manchester City in der Champions League für Aufsehen. Pep Guardiola schwärmte danach von der "tollen Arbeit" seines Kollegen.

Gelingt es Stade Rennes, bis Saisonende die Form zu halten, könnte die Champions-League-Hymne auch im Roazhon-Park bald erklingen. Francois und Salma würden sich in jedem Fall sehr freuen.

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