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Fussball

FC Bayern Münchens Transferziel Eduardo Camavinga: Erst die Flammen, dann die Hoffnung

Eduardo Camavinga gilt als eines der spannendsten Talente des Weltfußballs und dürfte im Sommer zu einem Topklub wechseln, auch der FC Bayern München soll Interesse haben. Wer ist der 18-jährige Mittelfeldspieler von Stade Rennes und was zeichnet ihn aus?

Als Eduardo Camavinga zehn Jahre alt war, sah er, wie die Flammen das selbst gebaute Haus seiner Familie zerstörten und mit ihm all ihre Besitztümer. "Ich erinnere mich an das Feuer, als wäre es gestern gewesen", erzählte er in einem Interview mit der Zeitung Ouest-France. "Ich war in der Schule und habe durch das Fenster die Feuerwehrmänner kommen gesehen. Ich habe den Schaden mit meinen eigenen Augen gesehen, das heruntergebrannte Haus."

Nachdem eine Notunterkunft gefunden war, wandte sich sein Vater an seinen Sohn und sagte einen Satz, den Camavinga bis heute genau zitieren kann: "Eduardo, du bist die Hoffnung der Familie, du musst das regeln!" Mittlerweile ist er 18 und man darf durchaus sagen: Mit dem Regeln kommt er ganz gut voran.

Im Alter von 16 Jahren erarbeitete sich der Mittelfeldspieler einen Stammplatz bei Stade Rennes, führte seine Mannschaft auf Platz drei der Ligue 1 und somit erstmals in die Champions League. Vergangenen Herbst avancierte Camavinga zum jüngsten französischen Nationalspieler seit dem ersten Weltkrieg, womöglich schafft er es auch in den Kader für die anstehende Europameisterschaft.

FC Bayern und Real Madrid an Eduardo Camavinga interessiert

Längst sind alle internationalen Topklubs auf Camavinga aufmerksam geworden. "Real ist einer der vier, fünf Vereine auf der Welt, zu denen er wechseln könnte", sagte sein Berater Jonathan Barnett Anfang des Jahres zu SPOX und Goal. Einer der anderen ist wohl der FC Bayern München. Zuletzt berichteten Cadena Ser und France Football, dass sich insbesondere Sportvorstand Hasan Salihamidzic um Camavinga bemühen würde und erste Gespräche bereits stattgefunden hätten.

Bedarf an einem weiteren zentralen Mittelfeldspieler gäbe es beim FC Bayern zur neuen Saison durchaus, hinter den gesetzten Joshua Kimmich und Leon Goretzka wird es nämlich dünn: Javi Martinez und David Alaba werden den Klub ablösefrei verlassen, Corentin Tolisso ist äußerst verletzungsanfällig, Jamal Musiala noch sehr unerfahren und Marc Roca hat sich bisher nicht aufgedrängt.

Camavinga wird seinen 2022 auslaufenden Vertrag bei Rennes wohl nicht verlängern. Will sein Ausbildungsklub also noch Geld für ihn einnehmen - und das wird er unbedingt wollen - dann muss er ihn im anstehenden Sommer verkaufen. Gehandelt wird eine Ablösesumme im Bereich von 50 Millionen Euro. Ein solcher Transfer wäre die vorläufige Krönung eines ziemlich irren Lebensweges.

Eduardo Camavinga: Schwierige Kindheit und gute Laune

Camavinga kam 2002 in einem Flüchtlingslager in Angola zur Welt, seine Eltern waren zuvor aus dem Kongo geflohen. Im darauffolgenden Jahr schaffte es die Familie nach Frankreich, lebte zunächst in Amiens und Lille, kurzzeitig sogar auf der Straße, ehe sie in die Kleinstadt Fougeres nahe Rennes übersiedelte. Dort wurde sie heimisch und baute ein Haus, erstmals seit seiner Geburt wohnte Camavinga in einem echten Zuhause. Dann kamen die Flammen und nachdem sie alles zerstört hatten schließlich die Erwartungen an das dritte von sechs Kindern.

Die schwierige Kindheit und all der ihm auferlegte Druck scheinen Camavinga aber nicht gebrochen zu haben. Nein, sie scheinen ihn stärker gemacht zu haben. "Kein Spieler in der Mannschaft lächelt so viel wie er. Man kann förmlich sehen, dass er das Leben liebt", sagt Journalist Florent Bibiloni, der für die lokale Zeitung Ouest-France über Stade Rennes berichtet, im Gespräch mit SPOX und Goal. "Er kommt in der Mannschaft mit allen gut aus. Nach Siegen ist er derjenige, der in der Kabine Gesänge anstimmt."

Mit elf bekam Camavinga einen Platz in der Akademie von Stade Rennes, die in Frankreich einen außergewöhnlich guten Ruf genießt: Sylvain Wiltord, Yoann Gourcuff, Ousmane Dembele - nun also Eduardo Camavinga. "Er ist bescheiden und hat vor dem Hausmeister genauso viel Respekt wie vor dem Cheftrainer", erinnert sich der damalige Akademie-Leiter Landry Chauvin bei SPOX und Goal. Im Frühling 2019 debütierte Camavinga im Alter von 16 Jahren, vier Monaten und 27 Tagen für die Profis und hat seitdem seinen Stammplatz im Mittelfeld sicher.

Eduardo Camavinga? "Er wirft sich wie ein Tier in Zweikämpfe"

Was zeichnet Camavinga aus? "Obwohl er dünn und schmächtig ist, ist er ein guter Balleroberer. Er wirft sich wie ein Tier in Zweikämpfe und hat keine Angst vor kräftigeren Gegenspielern", sagt Journalist Bibiloni über Camavinga, der zwar stattliche 1,82 Meter misst, aber nur 68 Kilogramm wiegt. Und sonst? "Er hat ein gutes Dribbling, kann als Box-to-Box-Spieler mit Pässen Linien durchbrechen und läuft sehr viel. Man sieht ihn niemals nur joggen!"

Mit diesen vielschichtigen Fähigkeiten verlieh Camavinga seiner Mannschaft in der vergangenen Saison eine zuvor ungekannte Leichtigkeit und ließ sie letztlich bis in die Champions League schweben, wo sie dann aber in der Gruppenphase scheiterte. Was in Camavingas Premierensaison wie von allein funktionierte, wirkt mittlerweile ein bisschen schwerfälliger.

Im Herbst gewann Rennes in einer besonders schlechten Phase nur eines von 14 Pflichtspielen, ehe nach einem kurzen Aufschwung eine neun Spiele andauernde Sieglosserie folgte, die sogar dem vormaligen Erfolgstrainer Julien Stephan den Job kostete. Unter Nachfolger Bruno Genesio stabilisierte sich die Mannschaft immerhin etwas und hat nun wieder Chancen auf eine neuerliche Qualifikation für den Europapokal.

Eduardo Camavinga: "Verkorkste Saison" auf neuer Position

Noch von Stephan bekam Camavinga zu Saisonbeginn eine neue taktische Rolle zugeteilt: War er bis dahin meist als Teil einer Doppelsechs gefragt, rutschte er wegen einer Systemumstellung etwas nach vorne und agiert in einem 4-3-3 oder 4-1-4-1 mittlerweile meist als Achter vor dem erfahrenen Steven Nzonzi (32).

Auf dieser Position fallen sein ausbaufähiger Schuss und seine generell fehlende Torgefahr mehr ins Gewicht als auf der Sechs (insgesamt war Camavinga in 79 Pflichtspielen erst an sieben Treffern direkt beteiligt). Außerdem haben sich viele Gegenspieler darauf eingestellt, dass er mit dem starken linken Fuß deutlich besser und präziser passen kann als mit dem rechten.

Bei der Statistik-Plattform WhoScored, die Spieler nach über 200 statistischen Werten automatisiert benotet, verschlechterte sich Camavingas Notenschnitt zwischen den beiden Saisons in der Ligue 1 von 7,12 auf 6,78. War er 2019/20 demnach noch der zweitbeste regelmäßig eingesetzte Spieler seiner Mannschaft, liegt er in diesem Ranking aktuell nur auf Platz acht. "In dieser Saison hat er sich nicht wirklich weiterentwickelt", findet Bibiloni. "Es ist ein bisschen eine verkorkste Saison für ihn."

Trotzdem bekommt Camavinga weiterhin das, was für ein junges Talent am wichtigsten ist: regelmäßige Spielpraxis. In Europas Top-5-Ligen absolvierte in der bisherigen Saison mit Arsenals Bukayo Saka nur ein Teenager mehr Spielminuten als Camavinga.

Eduardo Camavingas ersten beiden Profisaisons im Vergleich

Saison 2019/20Saison 2020/21
Pflichtspielminuten2.7782.606
Passquote (in Prozent)88,2189,07
Zweikampfquote (in Prozent)56,1455,45
Schüsse2029
Tore11
Kreierte Torchancen926
Assists23
Ballgewinne184178
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