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Fussball

Kevin Volland bei der AS Monaco: Der Verschmähte macht auf hochbegabt

Komm in meine Arme: Kevin Volland und Wissam Ben Yedder bilden bei der AS Monaco eines der torgefährlichsten Duos in den europäischen Top-Ligen.

Kevin Volland ist seit Jahren einer der besten deutschen Stürmer. Die Anerkennung, die er eigentlich verdient gehabt hätte, bekam er aber weder von Bundestrainer Joachim Löw noch von den Verantwortlichen in Leverkusen im Sommer. Angesichts seiner abermals konstant guten Leistungen bei der AS Monaco drängt sich die Frage auf: Wie konnten sie ihn nur so verschmähen?

Als Kevin Volland im November gefragt wurde, wie es ihm seit seinem Wechsel zur AS Monaco gehe, sagte er: "Einfach geil!"

Das war erstmal verständlich, saß er doch dabei nach eigenen Angaben bei Sonnenschein und 20 Grad im T-Shirt im Gras vor dem Trainingsplatz. Dieser liegt bekanntermaßen in La Turbie, oberhalb von Monaco. Der Ausblick? Wahrhaft fürstlich.

Doch "einfach geil" war in diesem Moment noch nicht alles für den Neu-Monegassen Volland. Denn nach seinem Wechsel von Bayer 04 Leverkusen ins Fürstentum fremdelte der 28 Jahre alte Stürmer noch etwas mit der neuen Mannschaft, der neuen Liga und dem neuen Trainer Niko Kovac.

"Stressig" sei sie gewesen, die erste Zeit in Frankreich. Erst der Saisonendspurt mit Leverkusen in der Europa League, dann zwei Wochen Urlaub, dann der Wechsel. Dabei ist Volland eigentlich einer, der den Stress und den Druck nicht so leicht an sich ranlässt.

Vollands Startschwierigkeiten in Monaco: Spaßmacher a.D.

Ein Quatschmacher sei er, wie er in einem Interview im 11Freunde-Magazin mal sagte. "Einmal", so erzählte er, habe er Julian Baumgartlinger in Leverkusen ein Schol­len­filet unter den Fahrersitz gelegt, dass drei Tage später so gestunken habe, dass "Baumi schon vermutete, dass im Motor­raum viel­leicht ein Marder steckte".

Der Stress und die Startschwierigkeiten wirkten sich aber trotz seines Naturells als Spaßmacher leistungstechnisch aus. In den ersten sechs Ligaspielen für die Monegassen hatte er nicht getroffen - auch weil er nicht im Zentrum, sondern eher auf den Flügeln agieren musste. Doch gegen Girondins Bordeaux platzte Anfang November endlich der Knoten mit einem Doppelpack.

Seitdem ist alles anders, alles "vieles leichter", oder besser gesagt: Seitdem ist Volland wieder der Volland, den man schon aus Leverkusener oder Hoffenheimer Bundesligazeiten kannte. Zuletzt sei "alles besser geworden", sagte er, weil er wieder mehr in torgefährliche Aktionen komme.

Kevin Volland in Monaco: "Hochbegabt" statt verschmäht

Eine Behauptung, deren Wahrheitsgehalt er in den Monaten danach untermauerte: Seit dem Bordeaux-Spiel schießt er die Ligue 1 in Grund und Boden, bei den Liga-Topscorern sind nur Kylian Mbappe (14 Tore, 6 Vorlagen) und Memphis Depay (11 Tore, 6 Vorlagen) besser als Volland (10 Tore, 6 Vorlagen).

Niko Kovac hat es geschafft neben dem gesetzten Wissam Ben Yedder, der in der vergangenen Saison noch gemeinsam mit Mbappe Torschützenkönig geworden war, in Volland einen zweiten Stürmer ins monegassische System zu integrieren - mal im 4-4-1-1, häufiger aber im 4-4-2.

Der Lohn: Volland und Ben Yedder sind mit zusammen 19 Toren und zehn Vorlagen das produktivste Sturmduo der französischen Liga. "Mit Kevin funktioniert es unglaublich gut", sagte Vollands kongenialer Partner erst kürzlich. Der Deutsche sei ein "wirklich, wirklich guter Spieler", "technisch hochbegabt", einer, mit dem er sich auch außerhalb des Platzes "super" verstehe.

Viel Lob für einen, dem in Leverkusen bei Vertragsgesprächen im Sommer und besonders in der Nationalmannschaft nie genug Wertschätzung zuteilwurde. Dass er rein statistisch gesehen einer der besten deutschen Stürmer der vergangenen Jahre ist? Gefühlt ist das kaum der Rede wert. Doch seit 2013 haben nur Marco Reus (92), Timo Werner (91) und Thomas Müller (91) öfter getroffen als er (85).

Löw ignoriert Volland seit Jahren: "Was soll ich machen?"

Eine Einladung zur Nationalmannschaft, die bei allen drei Spielern zumindest bis 2018 noch regelmäßig ins Haus flatterte, gab es für Volland aber seit 2016 und nach nur zehn Länderspielen nicht mehr, obwohl er erst danach seine beste Zeit gehabt habe und sich "immer unter den deutschen Top-Scorern" befand, wie Volland einmal enttäuscht anmerkte.

Doch das "klare Zeichen", als das Volland seine regelmäßigen Bewerbungsschreiben Richtung DFB-Team bezeichnete, ignorierte Bundestrainer Joachim Löw immer wieder auf seine fast schon beeindruckende, ja gar sture Art und Weise.

"Was soll ich machen?", fragte Volland fast schon verzweifelt einmal im September 2019, als Löw trotz der Ausfälle von Werner und dem jungen Luca Waldschmidt Volland nicht kontaktierte.

Warum er das tat und nach wie vor tut, bleibt sein Geheimnis - auch weil die Diskussion um eine Volland-Rückkehr kein Politikum wie jene bei Mats Hummels, Jerome Boateng oder Thomas Müller wäre. Letzterer ist übrigens der einzige deutsche Spieler der laufenden Saison, der mit 18 Torbeteiligungen in der Bundesliga noch bessere Statistiken vorweisen kann als der Neu-Monegasse (16).

Zumindest an Vollands Alter kann es nicht liegen, obwohl Löw sogar einmal in der Causa Volland auf "den Umbruch" verwies, den man "weitergehen" wolle. Spieler, die an diesem "Umbruch" beteiligt waren und sind, heißen aber auch beispielsweise Nico Schulz (27), Philipp Max (27) oder Marcel Halstenberg (29). Sie sind entweder nur marginal jünger oder im Falle Halstenbergs sogar ein Jahr älter als Volland.

Volland unter Kovac in Monaco: Fürstliche Kilometerfresser

Auch eine Systemfrage kann es aufgrund von Vollands Vielseitigkeit in der Offensive eigentlich nicht sein, was Löw davon abhält, es einfach nochmal und allein schon aufgrund des Leistungsprinzips mit Volland zu versuchen. Doch das setzte der Bundestrainer ja schon ein ums andere Mal außer Kraft.

Auch deshalb macht sich der 28-Jährige "keine allzu großen Hoffnungen mehr" auf eine Rückkehr ins DFB-Team. Vielmehr genießt er nun den Stellenwert, den er nach nur wenigen Monaten im Fürstentum hat. "Der Junge ist sensationell", urteilte AS-Sportdirektor Paul Mitchell beispielsweise kürzlich - und Mitchell ist einer, der es wissen muss.

Als Scout holte er Spieler wie Sadio Mane, Dusan Tadic oder Dejan Lovren zum FC Southampton, später bei den Spurs lotste er Dele Alli, Kieran Trippier und Toby Alderweireld an die White Hart Lane. Keine ganz unprominente Liste an Entdeckungen.

Gemeinsam mit Kovac läutete Mitchell im Sommer eine neue Zeitrechung im Fürstentum ein. Weg mit den Altlasten im Kader, Schluss mit aberwitzigen Millionentransfers von 17- oder 18-Jährigen. Die Physis sollte nach Angaben von Kovac wieder mehr im Vordergrund stehen und "da kann uns ein Spieler wie Kevin sehr helfen".

Kovac ließ den Worten Taten folgen. "Sehr, sehr hart", seien die Einheiten unter dem 49-Jährigen, wie Volland bestätigte. Doch das lohnt sich: Unter ihm ist kaum eine Ligue-1-Mannschaft fitter als Monaco. 137,9 Kilometer schluckten die fürstlichen Kilometerfresser im Schnitt bis Mitte Oktober, ein Spitzenwert.

Das Resultat: Erstmals seit 2018 liegt die AS wieder auf Champions-League-Kurs und stellt die zweitgefährlichste Offensive der Liga nach dem Starensemble aus Paris.

Kovac wollte Volland zum FC Bayern holen: "Super Typ"

Dass es auch für Volland mittlerweile in Monaco so vortrefflich läuft, liegt auch an der Wertschätzung von Kovac und dem Klub. "Wenn ich den Rückhalt des Coaches habe, performe ich wesentlich besser - und Niko vertraut mir", sagte er im Interview mit t-online.de. Doch nicht nur das.

Schon als Kovac noch Cheftrainer beim FC Bayern München war, wollte er Volland unbedingt in seinem Kader haben. "Ich hatte das mal zur Sprache gebracht, ja. Die Idee war, Kevin als Backup für Robert Lewandowski zu verpflichten", sagte Kovac. Seine Empfehlung blieb jedoch ungehört. Aber anders als Hasan Salihamidzic hörte Mitchell auf den Deutsch-Kroaten und eiste ihn aus Leverkusen los.

Dort waren die Vertragsgespräche über eine Verlängerung über 2021 hinaus auch gescheitert, weil sich Volland von den Verantwortlichen nicht wertgeschätzt fühlte. Es seien "Sachen vorgefallen, die mir nicht so gefallen haben", teilte Volland in einem Instagram-Posting damals mit.

Für Kovac hingegen "sei Kevin schon immer top, ein super Typ, ein super Spieler mit guter Mentalität" gewesen: "Er kann innen wie außen spielen, ist mit 28 im besten Alter, schnell, bullig, abschlussstark, giftig." Also holte er ihn zu sich ins Fürstentum.

Dort ist er nun nicht mehr der Verschmähte, sondern der Hochbegabte. Ein "super Typ", ja gar "sensationell". Oder um es mit den Worten von Volland auszudrücken: "Einfach geil."

Volland-Torquote bei Bayer Leverkusen, Hoffenheim, 1860

VereinSpieleToreTorvorlagen
AS Monaco19107
Bayer 04 Leverkusen1485032
1899 Hoffenheim1443639
1860 München602016
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