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Fussball

PSG: Zurück in die Zukunft

Von Matthias Kohlmaier
Partner beim PSG: Sportdirektor Leonardo (r.) und Eigentümer Nasser Al-Khelaifi
© Imago

Paris Saint-Germain will wieder im Konzert der großen europäischen Klubs mitmischen. Erster Coup des PSG: Leonardo wurde als neuer Sportdirektor inthronisiert. Die neuen PSG-Eigentümer aus Katar sowie die Fans des französischen Hauptstadtklubs erhoffen sich mit seiner Ankunft den Beginn einer neuen Ära. Die Weichen sind gestellt.

"Es war nicht leicht, Italien zu verlassen. Aber ich habe immer gedacht, dass ich eines Tages nach Paris zurückkehren könnte, wo ich als Spieler 14 intensive Monate verbracht habe." Leonardos Worte bei seiner offiziellen Vorstellung klangen wehmütig und vorfreudig zugleich. Der Brasilianer, zuletzt Trainer von Inter Mailand, hatte in der Saison 1996/97 das Trikot von Paris Saint-Germain getragen und ist nun nach wochenlangem Hickhack neuer Sportdirektor der Rouge-et-Bleu.

Die neuen Verantwortlichen aus Katar - genauso wie die Fans - erwarten unter der Führung des Brasilianers nicht weniger als den Beginn einer neuen Ära.

Mit der Vorstellung Leonardos dürften die Umwälzungen in der Führungsetage des PSG vorläufig abgeschlossen sein. Erst vor wenigen Wochen hatte sich Qatar Sports Investments unter der Leitung von Nasser Al-Khelaifi die Mehrheit am französischen Hauptstadtverein von der Investorengruppe Colony Capital gesichert.

Kein neues ManCity

"Wir wollen erst zeigen, dass wir der beste Klub in Frankreich sind. Das nächste Ziel ist die Spitze in Europa", hatte Al-Khelaifi bereits im Juni vollmundig wissen lassen. Wer allerdings an eine klassische Übernahme durch einen arabischen Investor à la Manchester City denkt, sieht sich getäuscht.

Blog: Quo vadis, PSG? Und wer ist eigentlich dieser Nasser Al-Khelaifi?

Leonardo und Al-Khelaifi sagen unisono: "Unsere Strategie ist langfristig ausgerichtet." Man wolle nicht den gesamten Verein umkrempeln, sondern mit der vorhandenen Basis arbeiten und sich punktuell verstärken, so Leonardo weiter: "Wir werden nicht zehn Messis kaufen, so baut man kein Team auf."

Ligue 1: Auch TV-Rechte in Katar

Man gewinnt in Paris den Eindruck, dass dort wirklich etwas aufgebaut werden könnte. Dass hier ein Investorenmodell funktionieren könnte, ohne dabei die Identität des Vereins vollständig zu zerstören. Obwohl gerade Al-Khelaifi natürlich nicht nur aus Gründen der Wohltätigkeit und des reinen Fußball-Enthusiasmus in den PSG investiert hat.

Neben seinem Chefposten bei Qatar Sports Investments ist Al-Khelaifi auch Präsident von Al-Jazeera Sport, dem wichtigsten und einflussreichsten Sportsender im arabischen Fernsehen. In dieser Funktion hat der Katari bereits die TV-Rechte an der Ligue 1 für kolportierte 195 Millionen Euro gekauft und sich nebenbei noch die Ausstrahlungsrechte für zwei Live-Spiele pro Spieltag für rund 90 Millionen gesichert.

Dass ein Geschäftsmann aus Katar in den Fußball investiert, ist kein Zufall. Nach den kontroversen Diskussionen um die Vergabe der WM 2022 an den Wüstenstaat sind die Katari an nichts mehr interessiert als an positiver Presse.

Katar will sich als Nation mit fußballerischem Background in den Köpfen der Fans etablieren und - wenn möglich - durch Investitionen in den Sport noch ein paar Euro verdienen.

Jugend fördern, Talente rekrutieren

"Wir sind langfristig hier, nicht nur für drei Jahre. Unsere Strategie beruht auf einem Fünfjahresplan", wurde Al-Khelaifi Ende Juni bei "Le Parisien" zitiert. Der Plan sei es, mit jungen Spielern zu arbeiten und neue Talente zu rekrutieren. Beweis: Mit Jean-Christophe Bahebeck, Loick Landre und Neeskens Kebano haben drei Spieler aus der PSG-Jugendakademie einen Profivertrag für die neue Saison bekommen.

Al-Khelaifi hat allerdings noch größere Träume - und auch da muss ein gewisser Weltfußballer aus Argentinien wieder als Beispiel herhalten. "Wir suchen den neuen Messi. Ihn zu finden, ist mein Traum", erklärte der Investor aus Katar. Vorläufig kursieren aber - wie immer, wenn das Transferfenster geöffnet und genug Geld in der Kasse ist - diverse Namen potenzieller Neuzugänge in den französischen Gazetten. Unter anderem war von Samuel Eto'o, Nicolas Anelka, Luisao und Eden Hazard die Rede.

Wohl kein Top-Transfer

Fakt ist: Den einen Knallereinkauf vom Kaliber eines Eto'o wird es beim PSG zumindest in dieser Transferperiode wohl nicht geben. Auch das Gerücht um Eden Hazard scheint sich zu zerschlagen. An dem belgischen Sturmtalent sind angeblich mehrere europäische Top-Klubs interessiert, darunter Inter und Real Madrid, mit deren Renommee der PSG derzeit nicht mithalten kann.

Mit Leonardo als Sportdirektor könnten die Chancen der Pariser auf einen Top-Transfer - zumindest, was den südamerikanischen Rarum betrifft - allerdings gestiegen sein. "L'Equipe" berichtete just einen Tag nach Leonardos Ankunft in Paris vom PSG-Interesse an Ganso vom FC Santos. 30 Millionen Euro soll dem PSG der Spielmacher demnach wert sein.

Bisher zwei Neuverpflichtungen

Bisher stehen in Paris aber nur zwei Neuzugänge definitiv fest. Von Stade Rennes wurde Torwart Nicolas Douchez ablösefrei verpflichtet, Stürmer Kevin Gameiro wechselt vom FC Lorient zum PSG. Gameiro erzielte in der vergangenen Saison bei 36 Einsätzen 22 Treffer und wird für die Pariser Offensive definitiv eine Bereicherung sein.

Eine weitere Personalie, allerdings abseits des Rasens, sorgte nach der Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch für großen Jubel bei den Pariser Ultra-Fangruppierungen Tribune Boulogne und Tribune Auteuil (benannt nach den Kurven, in denen sie im Pariser Prinzenpark beheimatet sind). Im Zuge der Vorstellung Leonardos wurde - fast beiläufig - Präsident Robin Leproux entlassen und durch Benoit Rousseau ersetzt.

"Mein Job hier ist beendet und ich wünsche meinem Nachfolger alles Gute", nahm Leproux seinen Rauswurf relativ gelassen hin, hatte er sich doch bereits länger angedeutet. Leproux hatte sich in seiner Amtszeit für verstärkte Sicherheitsbestimmungen im Stadion ausgesprochen und sich so den Zorn von Tribune Boulogne und Auteuil zugezogen. Anhänger beider Lager feierten Leproux' Rauswurf am Mittwoch spontan am Prinzenpark.

Kombouare bleibt PSG-Coach

In der Trainerfrage setzen die Verantwortlichen dagegen offenbar - etwas überraschend - auf Kontinuität. "Eins ist klar: Antoine Kombouare bleibt unser Coach", so Eigentümer Nasser Al-Khelaifi am Mittwoch. In den vergangenen Wochen war immer wieder der Name Carlo Ancelotti als möglicher Nachfolger durch die Medien gegeistert.

Mit Kombouare will sich auch Leonardo so bald wie möglich zusammensetzen und die Kaderplanungen für die neue Spielzeit vorantreiben: "Ich werde mich mit dem Trainer über den aktuellen Kader in Ruhe unterhalten. Dann werden wir sehen, wer bleibt und wer geht." Es sieht so aus, als wolle man keinesfalls den Eindruck erwecken, den Verein jetzt von einem Tag auf den anderen völlig auf den Kopf stellen zu wollen.

Ziel: Champions League

Die Lösung mit Leonardo als mächtigem Sportdirektor hat in Paris sicherlich eine Menge Potenzial. Der 41-Jährige ist von seiner Aufgabe in der Stadt der Liebe begeistert und hatte auf der Pressekonferenz auch einen Grund für seine Entscheidung für den PSG parat: "Ich wurde von Leuten ausgewählt, die etwas besonderes auf die Beine stellen wollen."

Leonardo kommt mit einer Menge Vorschusslorbeeren im Gepäck nach Paris und daran wird er in den kommenden Monaten gemessen werden. Die Qualifikation für die Champions League ist in der nächsten Saison ein Muss, der erste Meistertitel seit 1994 wird von den Fans jetzt mehr denn je herbeigesehnt. Bleiben die Erfolge in der ersten Saisonhälfte aus, könnte das von allen Beteiligten als langfristiges Projekt titulierte Dreigespann Leonardo-Al-Khelaifi-PSG aber bald wieder Geschichte sein.

Zumindest auf dem Papier ist das gegenseitige Vertrauen allerdings groß. Leonardo hat bei PSG einen unbefristeten Vertrag unterschrieben.

Der Spielplan der Ligue 1 2011/2012

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