Pierre-Emerick Aubameyang nicht mehr Kapitän des FC Arsenal: König der Suspendierten

Von Charles Watts/Filippo Cataldo
Pierre-Emerick Aubameyang ist nicht mehr Kapitän des FC Arsenal.
© getty

Weil er zu spät von einem Besuch bei seiner kranken Mutter zurückkehrte, verlor Pierre-Emerick Aubameyang beim FC Arsenal seine Kapitänsbinde und flog zudem aus dem Spieltagskader - die Gunners gewannen dennoch. Mikel Arteta ist der vierte von Aubameyangs fünf letzten Trainern, die zu diesem Mittel griffen. Dabei verstanden sich die beiden mal richtig gut.

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"Mein Trainer!"

Das schrieb Pierre-Emerick Aubameyang am 1. August 2020, nur wenige Stunden nach dem Gewinn des FA Cups durch den FC Arsenal, in seinen sozialen Netzwerken zu einem Bild, das ihn Arm in Arm zusammen mit Trainer Mikel Arteta zeigte. Aubameyang hatte beide Tore Arsenals beim 2:1 gegen den FC Chelsea erzielt und war zum Spieler des Spiels gewählt worden.

Etwas mehr als einen Monat später gab es erneut ein gemeinsames Bild der beiden, diesmal in Aubameyangs Haus, als der frühere BVB-Star seinen neuen Vertrag bei den Gunners unterzeichnete. Diesen Vertrag, das deutete Aubameyang damals an, hätte er womöglich nicht unterzeichnet, wenn ein anderer Trainer beim FC Arsenal am Ruder gewesen wäre.

"Ich hatte ein Gespräch mit Mikel", sagte der Stürmer damals. "Er war direkt und ehrlich, und das mag ich, weil wir immer ehrlich sind", so Aubameyang, der ergänzte: "Er sagte: 'Du kannst gehen und bei anderen Vereinen um Trophäen spielen oder du kannst hier bleiben und ein Vermächtnis hinterlassen.' Das war für mich das Schlüsselwort."

Aubameyang aussortiert - Arsenal gewinnt dennoch

16 Monate später ist nicht mehr die Frage, was für ein Vermächtnis Aubameyang bei Arsenal hinterlassen wird, sondern ob er überhaupt eine Zukunft hat bei den Gunners.

Am Vortag des Spiels der Gunners gegen West Ham United am Mittwoch nahm Arteta seinem einstigen Lieblingsschüler die Kapitänsbinde weg - und warf ihn auch aus dem Kader. Den Sieg fuhren die Gunners dennoch ein: Gabriel Martinelli (48.) und Emile Smith Rowe (87.) trafen zum 2:0-Sieg, begünstigt durch eine Überzahl in der zweiten Hälfte: West Hams Vladimir Coufal sah Gelb-Rot.

In der Tabelle stehen die Gunners damit erst einmal auf Rang vier und damit einem Champions-League-Platz: 29 Punkte aus 17 Spielen stehen zu Buche.

Aubameyang reiste zu seiner kranken Mutter

Auch Aubameyang hat damit der Fluch der Arsenal-Kapitänsbinde erreicht - die letzten neun Kapitäne der Gunners wurden, wie Whoscored aufzeigte, entweder rausgeworfen, vorzeitig verkauft oder spielten sportlich bald keine Rolle mehr.

Dass es so weit kam, hat sich Aubameyang aber in erster Linie selbst zuzuschreiben. Die schon zu BVB-Zeiten prall gefüllte Skandalakte Aubameyang wurde beim FC Arsenal in den vergangenen Wochen noch deutlich dicker.

Der letzte Vorfall ereignete sich in der vergangenen Woche, als Aubameyang verspätet von einer Auslandsreise nach Hause kam. Dem Vernehmen nach hatte er zwar vom FC Arsenal die Erlaubnis erhalten, nach dem 1:2 gegen Everton am Nikolaustag zu seiner kranken Mutter zu reisen, jedoch sollte er zwei Tage später wieder in England sein.

Aubameyang: Vier seiner letzten fünf Trainer suspendierten ihn

Er kehrte jedoch erst am Donnerstag zurück, was sich auf die Corona-Protokolle von Arsenal auswirkte. Aubameyang wurde vom Training nach Hause geschickt und aufgefordert, am Freitag nicht zu erscheinen. Auch für das Spiel gegen Southampton am vergangenen Wochenende wurde er wegen eines "disziplinarischen Verstoßes" (Arteta) aus dem Kader gestrichen.

Am Montag verlor Aubameyang auch seine Kapitänsbinde.

Doch die Entscheidung ist nicht nur auf diesen letzten Vorfall zurückzuführen. "Nach seinem jüngsten disziplinarischen Vergehen wird Pierre-Emerick Aubameyang nicht mehr unser Vereinskapitän sein. Wir erwarten von allen unseren Spielern, insbesondere von unserem Kapitän, dass sie sich an die Regeln und Standards halten, die wir alle festgelegt und vereinbart haben", hieß es in der Arsenal-Mitteilung vielsagend.

Arteta präzisierte später: "Wir haben diese Entscheidung aufgrund bestimmter Momente getroffen, in denen er seine Pflichten nicht erfüllt hat, und das war's", sagte der Arsenal-Boss. Man sei der Meinung, dass sich Aubameyang "nicht auf dem Niveau engagiert hat, das wir alle erwarten und vereinbart haben. So einfach ist das", sagte Arteta, dem die Suspendierung aber nicht leicht gefallen sei. "Ich bin wirklich traurig", gab er zu. "Als Trainer versucht man, einem Spieler zu helfen, ein besserer Mensch zu werden, sich zu verwirklichen und Spaß auf dem Platz zu haben. Mit dieser Entscheidung wird Auba das nicht mehr tun können. Deshalb ist es für mich einfach nur traurig."

Es dürfte Arteta, wenn überhaupt, nur wenig trösten, dass Aubameyang eine gewisse Übung darin hat, Suspendierungen zu verarbeiten. Ist Arteta doch von den letzten fünf regulären Trainern Aubameyangs der vierte, der sich gezwungen sah, ihn aus dem Kader zu werfen. Nur Unai Emery, Aubameyangs erster Trainer bei Arsenal, kam ohne disziplinarische Maßnahmen aus. Doch Emery hatte in London andere Probleme. Das macht Aubameyang zu so etwas wie dem König der Suspendierten. Beim BVB schaffte der Torjäger es, von gleich drei verschiedenen Trainern aus dem Kader gestrichen zu werden. Zweimal wurde er anschließend begnadigt, nach der dritten Suspendierung ließ er sich an Arsenal verkaufen.

Aubameyang: Öffnet sich eine Tür in Barcelona?

Das erste Mal hatte ihn Thomas Tuchel im November 2016 aus dem Kader gestrichen - aus einem ähnlichen Grund wie jetzt Arteta. Aubameyang war an einem freien Tag mit einem Privatjet nach Mailand geflogen - ohne den BVB informiert zu haben. Blöderweise kam er am Folgetag zu spät zum Training.

Im November 2017 kam Aubameyang 20 Minuten zu spät zum Abschlusstraining, Coach Peter Bosz strich ihn mit den Worten "es musste sein" aus dem Kader. Aubameyang reagierte mit Unverständnis: "Nach Mailand konnte ich die Strafe und die Suspendierung verstehen, weil ich gegen eine Ansage verstoßen habe. Dieses Mal verstehe ich es wirklich nicht. Ich wollte nicht zu spät kommen", sagte der Stürmer der Bild.

Aubameyang wurde begnadigt, doch das Verhältnis zum BVB hatte ernste Risse bekommen. Und brach, als er zwei Monate später die Abschlusssitzung unter Trainer Peter Stöger schwänzte. Während seine Noch-Kameraden gegen Hertha BSC spielten, ließ sich Aubameyang beim Kicken in einer Soccerhalle ablichten - im Trikot des einstigen BVB-Streikprofis Ousmane Dembele. Am letzten Tag der Wintertransferperiode zahlte Arsenal rund 63 Millionen Euro und erlöste Aubameyang vom BVB. Oder andersrum.

Wie es jetzt weitergeht mit dem Stürmer in Nordlondon, ist völlig offen. Arteta blieb bei der Frage, ob der Gabuner noch einmal für den FC Arsenal spielen werde, im Vagen. Der Independent spekulierte bereits über einen möglichen Wechsel des 32-Jährigen zum FC Barcelona, das nach dem Rücktritt von Sergio Agüero infolge von Herzproblemen einen Stürmer gebrauchen könnte. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass sich Barca das Gehalt Aubameyangs leisten können wird.

Ebenso offen ist, wer neuer dauerhafter Kapitän beim FC Arsenal werden soll. Arteta möchte bei dieser Frage "nichts überstürzen", womöglich weil auch er vom Fluch der Arsenal-Kapitäne gehört hat. Einstweilen sollen sich die Führungsspieler Alexandre Lacazette, Rob Holding und Granit Xhaka die Aufgaben teilen. Xhaka wurde übrigens im November 2019 die Binde abgenommen - um sie Aubameyang zu geben.