Cookie-Einstellungen
Fussball

Pizza oder Salat: Was macht "Koch" Antonio Conte bei Tottenham Hotspur?

Von Fatih Demireli

Antonio Conte ist einer der begehrtesten Trainer Europas. Dass der Italiener nun Tottenham Hotspur als neue Station auswählt, ist überraschend und gefährlich zugleich. Doch es gibt Gründe, warum sich Conte den Spurs anschließt.

Mailand oder Madrid - Hauptsache Conte, dachte sich wohl der Social-Media-Manager von Tottenham Hotspur. Bevor der englische Klub am Dienstag die Verpflichtung von Antonio Conte endgültig bekanntgab, hießen die Spurs ihren neuen Trainer zunächst auf Spanisch willkommen.

Immerhin trafen sie die richtige Sprachfamilie, löschten den Tweet aber dann sofort, um eine Weile später auf Italienisch zu grüßen. Die Tottenham-Fans wunderten sich nicht einmal über den Fauxpas ihres zuletzt maroden Klubs. "Das ist das Niveau, mit dem Conte zu tun haben wird", schrieb ein User. "Wir machen nichts richtig", schrieb ein anderer.

Vielleicht wurde die Social-Media-Truppe aber auf einen Spanier vorbereitet, wer weiß das schon? Nach den letzten Wochen und Monaten wäre das bei Tottenham keine Überraschung. Im Sommer suchte man einen neuen Trainer und eigentlich war damals schon Conte der Wunschkandidat. Doch nach langen Gesprächen kam kein Vertrag zustande und weil man mit diesem Szenario überhaupt nicht gerechnet hatte, begann bei Tottenham eine wilde Fahrt durch Europa, um einen fähigen Trainer zu finden.

Der neue Mann sollte ansehnlichen Offensivfußball spielen lassen, das war das Kriterium. Geholt wurde dann Nuno Espirito Santo, der für vieles steht, aber nicht für ansehnlichen Offensivfußball. Bei Wolverhampton machte er auf sich aufmerksam, weil seine Mannschaft den Gegner defensiv physisch bearbeitete, bis dieser die Lust am Spiel verlor. Das eigene Offensivspiel lief nebenbei mit.

Antonio Conte steht nachweislich für Erfolg

Das wäre also so, als würde man Lust auf eine Pizza haben und bei Lieferando einen Salat bestellen. Schmeckt auch gut und stillt den Hunger, aber nicht so, wie man es sich vorstellt. Wobei: Santo konnte bei den Spurs weder den Hunger stillen, noch schmeckte es, was er servierte. Weil man nun die Filter richtig einstellte, landete man nach Santos Entlassung wieder bei Conte und diesmal war dieser auch bereit.

Doch die große Frage lautet: Wie gut wird es unter Conte schmecken? Dass der Italiener, um im Bild zu bleiben, ein toller Koch ist, steht außer Frage. Der 52-Jährige steht nachweislich für Erfolg. Er startete einst bei Juventus den Triumphzug der ewigen Meisterserie - und als er dann knapp zehn Jahre später beim Konkurrenten Inter landete, beendete er sie.

Er wurde mit Chelsea Meister und Pokalsieger und hinterließ überall seine Spuren durch eine außergewöhnliche Spielweise. Bei Juventus ließ er anfangs eine Art 4-2-4 spielen, was äußerst spektakulär aussah und wunderbar funktionierte. Bei Inter dagegen kam er mit einer Dreierkette zum Erfolg. Nun also Tottenham und Kenner fragen sich, ob es eine gute Idee von Conte war, sich dieses Konstrukt anzutun, obwohl er mittelfristig wohl auch ein bis zwei Schubladen höher hätte greifen können.

Conte und die Spurs: Keine Einkaufstour geplant

Tottenham hat weit nicht die Kader-Qualität, die Conte zuvor zur Verfügung hatte. Und war es nicht Conte, der Inter nur verließ, weil die Klub-Eigner im Sommer den Kader nicht verstärken und stattdessen einen Sparkurs starten wollten? Zwar schießen aus allen Ecken und Enden wilde Transfergerüchte, wonach Conte schon im Winter groß einkaufen gehen darf, aber die Spurs-Macher klingen nicht so, als würden sie den Geldkoffer befüllen wollen.

"Wir haben ihm keine neuen Zusicherungen gegeben", sagte Sportdirektor Fabio Paratici zu den Gerüchten, wonach Conte ein Paket aus mehreren Stars aus der Serie A als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit genannt haben soll. Paratici sagte stattdessen: "Wir vertrauen unseren Spielern und wir glauben, dass wir einen konkurrenzfähigen Kader haben. Über neue Spieler haben wir nie gesprochen."

Paratici selbst ist gefragt, wenn es um neue Spieler gehen sollte. Der Italiener gilt als Transfer-Fachmann und wurde auch deswegen im Sommer geholt, weil Klub-Eigner Daniel Levy einen Experten brauchte, der auch für verhältnismäßig wenig Geld große Deals herausholen kann. Bei Juventus zeichnete sich Paratici verantwortlich für ablösefreie Spieler wie Sami Khedira, Aaron Ramsey, Emre Can und Adrian Rabiot, aber auch für echte Volltreffer wie Federico Chiesa, Dejan Kulusevski oder Matthijs de Ligt.

Vertrag für Conte nur über 18 Monate

Paratici wird einer der Gründe sein, warum Conte sich das Projekt Tottenham antut, zumal das Duo schon zu Juventus-Zeiten gut miteinander konnte. Mit im Boot und wichtig für den Erfolg war damals auch Beppe Marotta, der nun mit Conte bei Inter arbeitete und gemeinsam mit ihm für den Scudetto sorgte.

Doch nachdem Conte weg war, war auch zu hören, dass sich beide Weggefährten am Ende nicht mehr wirklich gut riechen konnten. Marotta machte daraus keine große Geschichte, dementierte die Distanz aber auch nicht nachhaltig. Es ist auf jeden Fall ein Muster zu erkennen, dass Conte kein einfacher Weggefährte ist und der Erfolgstrainer sehr fordernd sein kann.

Es wird daher spannend zu beobachten sein, wie sich das Verhältnis Tottenham und Trainer entwickelt, wenn sich der Erfolg nicht einstellt. Dass der Vertrag nur auf 18 Monate beschränkt ist, zeigt, dass zumindest eine Seite noch Restbedenken hat. Dass diese Seite Conte ist, ist klar. Dass er dennoch wohl über 15 Millionen Euro für das Engagement bekommt, beweist, wie große die Lust Tottenhams ist, mit Conte zu arbeiten.

Neuer Stoff für die Fehde zwischen Conte und Mourinho

Einen ähnlich üppigen Vertrag bekam einst auch Jose Mourinho, der ein jahrelanger Traum von Klub-Boss Levy war. Das Ende ist allseits bekannt. Apropos Mou: Als dieser im entfernten Rom zu seinem Nach-Nachfolger befragt wurde, lobte Mourinho erst einmal Conte-Vorgänger Nuno Espirito Santo und fügte an, er könne nicht sagen, dass "Tottenham nun einen besseren Trainer hat".

Eine weitere Episode einer seit Jahren andauernden Fehde zweier Typen, die sich nicht leiden können. Das Niveau sank zwischenzeitlich so sehr, dass Mourinho über die Haartransplantation Contes sprach und Conte Mourinho eine Demenz nachsagte. Nun haben sie wieder Gesprächsstoff. Aber vor allem hat Conte die Gelegenheit, Mourinho zu zeigen, wer der bessere Trainer ist. Zumindest bei den Spurs.

Gelingt es ihm - trotz schwieriger Vorzeichen - aus Tottenham einen Titelkandidaten zu machen, wäre das wohl sein größter Erfolg überhaupt. Vielleicht ist das sein Antrieb und vielleicht wissen die Social-Media-Manager bis dahin auch, welche Sprache ihr Trainer spricht.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung