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Fussball

Manchester United - Jadon Sancho mit Anlaufschwierigkeiten: "Das ist nicht FIFA"

Jadon Sancho und Cristiano Ronaldo wechselten in der abgelaufenen Transferperiode zu Manchester United.

Über ein Jahr zog sich der Transfer von Jadon Sancho vom BVB zu Manchester United hin. Eigentlich sollte er der Königstransfer sein, nun hat der Engländer mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Dabei spielen jedoch gleich mehrere Gründe eine Rolle.

"This is home. This is where he belongs". Mit einem pompösen Video hatte Manchester United Ende Juli die Verpflichtung von Jadon Sancho bekannt gegeben. Eine große Inszenierung. Eines Königstransfers eben würdig.

Lange genug hatte sich die 85-Millionen-Euro-Verpflichtung schließlich auch hingezogen. Nun kehrte Sancho, nachdem er den Stadtrivalen Manchester City 2017 mangels Perspektive in Richtung Dortmund verlassen hatte, in die Industriestadt im Nordwesten Englands zurück. Es war bis dahin der teuerste Transfer des Sommers.

Die Jubelarien der Fans waren groß, Sancho wurde sogar schnell Teil eines Fan-Songs und sein neuer Trainer Ole Gunnar Solskjaer schürte gleich große Erwartungen: "Das Old Trafford wird ihm die Plattform bieten, sein ungenutztes Talent freizusetzen und auf dem höchsten Level zu spielen". Zwei Monate später ist die Euphorie im Klub selbst noch immer da, geht aber nicht auf den Namen Sancho, sondern Cristiano Ronaldo zurück.

Der Portugiese ist selbstverständlich der eigentliche Königstransfer der Red Devils. Weil CR7 nun mal CR7 ist. Aber weil Sancho im Gegensatz zu Ronaldo auch nicht mit Toren beim Debüt glänzte. Und auch später nicht. Kein einziger Scorerpunkt steht bislang in sechs Einsätzen, zumeist als Einwechselspieler, zu Buche. Der Ronaldo-Schatten ist groß, dennoch sind die Startschwierigkeiten vielschichtiger Natur.

Manchester United: Jadon Sancho muss sich an Premier League gewöhnen

Schon zum Saisonstart, noch ehe bei United von einer Rückkehr von CR7 überhaupt geträumt wurde, musste sich Sancho zunächst hinten anstellen. Der Bankplatz resultierte aus einer praktisch nicht existenten Vorbereitung bei seinem neuen Klub. Der 21-Jährige stieg nämlich erst am 9. August in das Training ein, Start der neuen Saison war am 14. August. Zuvor war er mit England bis ins Finale der Europameisterschaft gestürmt und hatte dementsprechend einen längeren Urlaub bekommen.

Diese lief für den Offensivmann zudem suboptimal. Im ersten Gruppenspiel wurde er aus dem Kader gestrichen, nur im Viertelfinale gegen die Ukraine durfte er von Anfang an ran. Obendrein wurde er im Finale gegen Italien extra für das Elfmeterschießen eingewechselt und vergab vom Punkt.

Nur fünf Tage nach Trainingsstart und über einen Monat nach dem EM-Finale feierte er sein 15-Minuten-Debüt beim 5:1-Sieg über Leeds United in der Premier League. "Es fehlt ihm noch ein bisschen an Fitness", konstatierte Solskjaer danach. Zwei Wochen reichte es erstmals für die Startelf, dabei fremdelte er jedoch noch ein wenig.

Auch er muss sich erst an die Härte und die Spielweise in der Premier League gewöhnen. Bislang steht er bei einer unterirdischen Zweikampfquote von 21 Prozent. "Er ist 21 Jahre alt, er lernt, wie wir trainieren, er lernt, wie wir spielen, er lernt die Premier League kennen, aber er ist hungrig und will lernen", sagte Solskjaer.

Dabei spielt vor allem die Positionierung von Sancho eine wichtige Rolle. War er beim BVB zwar nominell ebenfalls als linker offensiver Mittelfeldspieler aufgestellt, genoss er doch viele Freiheiten und zog immer wieder ins Zentrum. Unter Solskjaer dagegen soll er die Position vor allem halten, das Spiel breit machen und mit dem offensiven Luke Shaw, der meist hinterläuft, agieren.

Manchester United: Roy Keane verteidigt Jadon Sancho

Hier fehlt bislang noch die Abstimmung, Sanchos Zug zum Tor kommt zudem (noch) nicht zum Tragen. Das schlägt sich in seinen bisherigen Statistiken nieder. Erst zwei Schüsse hat er in 200 Premier-League-Minuten abgegeben, einer davon wurde geblockt. Nur wenige 1:1-Situationen, die ihn sonst so auszeichnen, waren bislang erfolgreich.

Der ehemalige ManUnited-Spieler Paul Ince schlägt deswegen Alarm: "Ich verstehe, dass er lernen muss. Aber das ist nicht FIFA. Es geht nicht nur um Dribblings und dabei zwei, drei, vier oder fünf Spieler aussteigen zu lassen. [...] Spiel einfach richtigen Fußball", sagte der 53-Jährige bei The United Stand.

Und doch gilt das Gebot der Geduld bei der erst geringen Anzahl an Einsatzminuten. Schließlich gibt es Parallelen zur vergangenen Saison. In der Bundesliga kam er bis Weihnachten nur auf vier Vorlagen, ehe BVB-Trainer Edin Terzic "kleine Anpassungen" vornahm und Sancho explodierte. Am Ende hatte er wettbewerbsübergreifend 36 Scorerpunkte gesammelt.

"Ich werde mein Spiel nicht verändern. Ich muss den Fans hier nur zeigen, was ich für das Team leisten kann, so wie ich es in Deutschland getan habe", zeigte Sancho im Interview mit UMM auf YouTube aber selbstbewusst. Beim BVB hatte er im ersten Jahr ebenfalls Startschwierigkeiten. Damals kam er erst in der Rückrunde zum Zug. Am Ende standen ein Tor und vier Assists in zwölf Bundesliga-Einsätzen zu Buche.

Geduld ist also gefragt. Die notorisch kritische Presse auf der Insel scheint ihm diese bislang auch zu geben. "Er ist erst seit zwei Monaten im Verein. Es gab eine Menge Veränderungen, neue Spieler kamen in den Verein - lasst den Jungen in Ruhe", sprang ihm zuletzt erst United-Legende Roy Keane bei Sky Sports zur Seite. "Er kommt zu einem neuen Verein, in dem er sicherlich nicht der Star ist und in der Rangordnung unten steht", führte der aktuelle TV-Experte aus.

Jadon Sancho: Leistungsdaten seiner Karriere

SaisonVereinSpieleToreVorlagenMinuten
2021/22Manchester United6--237
2020/21Borussia Dortmund3816202974
2019/20Borussia Dortmund4420203274
2018/19Borussia Dortmund4313202967
2017/18Borussia Dortmund1214685

Manchester United: Enorme Konkurrenz für Jadon Sancho

Damit spricht Keane einen weiteren wichtigen Punkt bei der Bewertung der ersten Monate von Sancho im Trikot der Red Devils an: die enorme Konkurrenz. Mit Bruno Fernandes, Marcus Rashford, Mason Greenwood, Anthony Martial, Jesse Lingard, Juan Mata und Sancho selbst stehen Solskjaer insgesamt sieben Spieler für die offensive Dreierreihe im bevorzugten 4-2-3-1-System zur Verfügung.

Zudem agierte der eigentliche zentrale Mittelfeldspieler, Paul Pogba, zu Saisonbeginn mehrmals auf dem linken Flügel. Wenigstens sieht der norwegische Coach in Ronaldo einen Mittelstürmer, womit zumindest CR7 kein Konkurrent um Spielzeit ist.

Ohnehin erweckt Sancho nicht den Eindruck, dass die geballte Qualität um ihn herum ihn störe, da er zu Rashford und Greenwood, seinen Mitspielern aus der englischen Nationalmannschaft, einen gute Draht pflegt. "Es wird irre, wenn wir alle drei auf dem Platz stehen", kündigte Sancho an. Ohnehin geht bei Manchester United trotz der hochgesteckten Ziele mit den hochkarätigen Verstärkungen in diesem Jahr auch in die Zukunft.

"Wir kannten sein Talent und haben ihn mit dem Gedanken verpflichtet, dass wir hier für die nächsten zehn oder zwölf Jahre einen Top-Offensivspieler haben werden", gab Solskjaer erst am vergangenen Wochenende zu Protokoll. Sofern der Klub diese Geduld beim Engländer mitbringt, könnten die Fans schon in wenigen Jahren vielleicht doch von Sancho als dem Königstransfer in der zurückliegenden Wechselperiode sprechen und sagen: "This is where he belongs".

Manchester United in der Premier League: Tabelle nach sechs Spieltagen

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.FC Chelsea512:11113
1.FC Liverpool512:11113
3.Manchester United513:4913
4.Brighton & Hove Albion57:4312
5.Manchester City511:11010
6.FC Everton510:7310
7.Tottenham Hotspur53:6-39
8.West Ham United511:748
9.FC Brentford55:238
10.Aston Villa58:717
11.FC Watford56:8-26
12.Leicester City55:8-36
13.FC Arsenal52:9-76
14.Crystal Palace55:8-35
15.FC Southampton54:6-24
16.Wolverhampton Wanderers52:5-33
17.Leeds United55:12-73
18.Newcastle United56:13-72
19.FC Burnley53:9-61
20.Norwich City52:14-120
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