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Fussball

Manchester Citys beeindruckender Siegeszug: Endlich wird weniger gelaufen

Mit sieben Treffern ist Ilkay Gündogan in der laufenden Premier-League-Saison der gefährlichste Torschütze von Manchester City.

Nach einem durchwachsenen Saisonstart eilt Manchester City derzeit von Sieg zu Sieg. Entscheidend dafür sind vor allem zwei Innenverteidiger, Ilkay Gündogan und taktische Anpassungen von Trainer Pep Guardiola.

Schon seit Jahren wird Scheich Mansour bin Zayed aus Abu Dhabi empört der Kauf von Fußball-Titeln vorgeworfen. Er stecke einfach so viel Geld in seinen Klub Manchester City, dass dieser kaum mehr zu schlagen sei. So zumindest die These. Im September aber hob Mansour sein Hobby auf eine ganz neue Ebene und kaufte sich einen Titel nicht nur im übertragenen, sondern im tatsächlichen Sinne.

Für rund 833.000 Euro ersteigerte er bei einer Auktion die FA-Cup-Trophäe, die City im Jahr 1904 gewonnen hatte. Die Summe war aber nur ein Bruchteil des Geldbetrags, den er im Transfer-Sommer einmal mehr in neue Spieler investierte: 171 Millionen Euro. 68 Millionen davon gingen an Benfica Lissabon für den 23-jährigen portugiesischen Innenverteidiger Ruben Dias. Viel Geld, das aber bisher exzellent angelegt erscheint.

Jahrelang galt die anfällige Defensive als die größte und zeitweise auch einzige Schwäche der Mannschaft von Trainer Pep Guardiola. Negativer Höhepunkt dieser Entwicklung war das peinliche 1:3 im Champions-League-Viertelfinale gegen Olympique Lyon im August. Dass Tabellenführer City nach 21 Spielen mit nur 13 Gegentoren aktuell mit Abstand die beste Defensive der Premier League stellt, hat viel mit Dias' Verpflichtung zu tun.

Manchester Citys Defensive: Stabilität dank Dias und Stones

Sechs Gegentore kassierte die Mannschaft in den ersten beiden Saisonspielen. Dann kam Dias, als Rechtsfuß zunächst als neuer Nebenmann des Linksfußes Aymeric Laporte (26, 2018 für 65 Millionen Euro von Athletic Bilbao verpflichtet) eingeplant. Sicher wirkte dieses neue Duo aber auch nicht und nach einem 0:2 gegen die Tottenham Hotspur Ende November, das City auf Platz neun abrutschen ließ, stellte Guardiola schließlich um.

Er beorderte Dias auf die linke Seite der Innenverteidigung und stellte ihm den ebenfalls rechtsfüßigen John Stones (26, 2016 für 56 Millionen Euro vom FC Everton verpflichtet) zur Seite. Zwölfmal verteidigte das Duo in der Premier League seitdem zusammen: City gewann elfmal, kassierte nur ein Gegentor und eroberte die Tabellenführung.

"Seine Fähigkeiten und sein Spielverständnis sind herausragend", sagte Guardiola neulich über Dias und lobte vor allem dessen professionelle Einstellung: "Am Tag nach einem Spiel steht er um 8.30 Uhr im Fitnesstraum. Er hat seine Routinen, ernährt sich perfekt und lebt 24 Stunden pro Tag für seinen Job." An seiner Seite leistete sich der einst fehleranfällige Stones kaum mehr Aussetzer.

Das 2:0 beim FC Burnley am Mittwoch war wettbewerbsübergreifend der 13. Sieg in Folge. Beachtlich an diesem Lauf neben der neugewonnenen defensiven Stabilität: Guardiola fehlen mit Sergio Agüero und Kevin De Bruyne seine beiden vermeintlich wichtigsten Offensivspieler.

Manchester Citys Offensive: Flexibel und unberechenbar

Agüero spielte aufgrund von Oberschenkel- und Knieproblemen sowie einer aktuellen Coronavirus-Infektion in der Premier League überhaupt erst 141 Minuten. De Bruyne, ohne den kaum mehr eingesetzten Fernandinho meist Ersatz-Kapitän, fehlt nach überragenden Auftritten aktuell rund sechs Wochen wegen einer Oberschenkelverletzung. Während die Mannschaft in der Defensive von der Eingespieltheit des Duos Dias und Stones profitiert, profitiert sie in der Offensive von ihrer Flexibilität und Unberechenbarkeit.

Das Sturmzentrum im meist angewandten 4-3-3-System besetzt Guardiola wahlweise mit dem in Abwesenheit Agüeros einzigen Mittelstürmer Gabriel Jesus (bisher erst vier Saisontore) oder verschiedenen falschen Neunern. Raheem Sterling (sieben), Riyad Mahrez (fünf) und der im Sommer für 23 Millionen Euro vom FC Valencia verpflichtete Ferran Torres (zwei) füllten diese Rolle schon aus.

Ilkay Gündogan überragt bei Manchester City

Bester Schütze mit insgesamt sieben Treffern ist aber der dritte große Gewinner der Saison neben den Innenverteidigern Dias und Stones: Ilkay Gündogan. Agierte der 30-jährige deutsche Nationalspieler in seinen ersten Jahren bei City meist als Teil einer Doppelsechs, hat er nun als Achter versetzt vor dem einzigen Sechser Rodri mehr Freiheiten.

"Es ist unglaublich, wie gut er ist. Er ist außergewöhnlich", lobte Guardiola schon im Herbst vor Gündogans Torrausch. Alle seine sieben Treffer folgten erst danach, ab Mitte Dezember.

"Bei seinen Abschlüssen kontrolliert er den Ball immer auf eine bestimmte Art und Weise. Er wird langsamer, nimmt sich eine Sekunde Zeit, um zu sehen, was passiert, und verwertet dann eiskalt", beobachtete Guardiola. Der Tick weniger Bewegung gefällt dem Trainer nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen.

Pep Guardiolas taktische Änderungen

Warum seine Mannschaft zu Saisonbeginn enttäuschte und aktuell glänzt? "Der Grund, warum wir damals nicht gut gespielt haben, war, dass wir mit dem Ball zu viel gelaufen sind", erklärte Guardiola. "Wenn man den Ball hat, muss man gehen oder wenig laufen, seine Position halten und den Ball laufen lassen. Wenn man den Ball aber nicht hat, muss man um sein Leben laufen."

In Sachen Positionierung bei Ballbesitz fällt in dieser Saison ein taktischer Schachzug auf, den Guardiola schon bei seinem Ex-Klub FC Bayern München anwandte: Einrückende Außenverteidiger. Oleksandr Zinchenko, in Burnley Laporte und Joao Cancelo schieben oft in die Mitte, machen so an der Seitenauslinie Platz für die Flügelstürmer - und sorgen im Zentrum gleichzeitig für Absicherung bei den Vorstößen von Gündogan oder seinem Nebenmann Bernardo Silva.

"Ich denke nicht, dass wir selbst in den Meisterjahren so eine Stabilität hatten", sagte Gündogan neulich. 2018 und 2019 hatte City die Premier League jeweils gewonnen, ehe es in der vergangenen Saison nur zu Platz zwei hinter dem FC Liverpool reichte. Diesmal erscheint das Titelrennen in der Breite spannend wie lange nicht: City ist nach dem jüngsten Siegeszug bereits der neunte unterschiedliche Tabellenführer der Saison.

Chancen auf weitere Titel nach dem gekauften FA Cup von 1904 hat City neben der Premier League auch noch in allen Pokalwettbewerben. Im League-Cup-Finale trifft Guardiolas Mannschaft auf die Spurs, im FA-Cup-Achtelfinale auf Swansea City und in der Champions League auf Borussia Mönchengladbach.

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