Fussball

Manchester United: Als Klub-Legende Paul Scholes auf sein Karriereende pfiff und mit 50-Pfund-Schuhen zurückkam

Von Oliver Maywurm
Geglücktes Comeback mit 37: Paul Scholes trifft bei seinem Startelf-Debüt nach Karriereende für Manchester United gegen die Bolton Wanderers.

Eigentlich hatte Paul Scholes im Sommer 2011 aufgehört. Doch ein halbes Jahr später war er plötzlich wieder da - mit Schuhen zum Schnäppchenpreis.

Paul Scholes hatte an jenem Tag dieses unangenehme Kribbeln im Bauch. Dieses Kribbeln, das man hat, wenn man nicht genau weiß, was einen erwartet. Er, der vier Champions-League-Finals gespielt, den Henkelpott zweimal gewonnen hatte und insgesamt elf englische Meistertitel feiern durfte, wurde unruhig.

Er wollte wieder spielen, wollte dem seinerzeit, Mitte der Saison 2011/12, von vielen Verletzungen gebeutelten Manchester United helfen. Also ging er zu Co-Trainer Mike Phelan, um ihm von seiner Idee zu erzählen. "Ich war nervös. Was, wenn sie 'Nein' sagen?", erinnerte sich Scholes bei BT Sport.

Eigentlich hatte er ein halbes Jahr zuvor ja aufgehört, mit 36 Jahren seine ruhmreiche Karriere beendet. Ein ausverkauftes Old Trafford feierte Scholes im August 2011 bei dessen Abschiedsspiel gegen New York Cosmos, der Rotschopf drehte Ehrenrunde um Ehrenrunde mit seinen Kindern und kämpfte mit den Tränen, als er sagte: "Ich hoffe, ich habe den Fans ein paar schöne Erinnerungen beschert."

20 Jahre lang hatte Scholes bis dato für die Red Devils gespielt, zunächst im Nachwuchs, seit 1994 bei den Profis. Insgesamt sollte er später über 700 Pflichtspiele für United bestritten haben - an jenem Tag dachten noch alle, das verlorene Champions-League-Finale 2011 gegen Barcelona sollte sein letztes gewesen sein.

Sir Alex Ferguson begeistert von Paul Scholes' Plan

Scholes hatte seitdem erstmal Urlaub gemacht, wurde dann Co-Trainer der U23 Uniteds. Er hatte Spaß, trainierte dort seinerzeit Jungs wie Paul Pogba oder Jesse Lingard. Doch als sich im A-Team von Sir Alex Ferguson Verletzung an Verletzung reihte, fühlte er sich irgendwie verpflichtet, etwas zu tun. "Sie spielten teilweise mit Phil Jones oder Fabio im zentralen Mittelfeld", sagte Scholes.

Sein Angebot, doch noch einmal die Schuhe zu schüren, nahmen Phelan, Ferguson und Co. Anfang 2012 jedenfalls dankbar an. "Ferguson sagte sofort: 'Großartig! Lass uns schnell Deinen Vertrag anpassen'." Schon einige Tage später, im FA Cup gegen Stadtrivale Manchester City, sollte Scholes wieder spielen - die Mannschaft wollte Ferguson aber noch gar nicht darüber informieren.

"Er sagte: 'Komm' einfach am Abend vor dem Spiel ins Hotel, setz' dich an den Trainertisch, trink' ein Glas Wein und sag' noch nichts'", erklärte Scholes, der aber noch ganz andere Sorgen hatte: Seine alten Fußballschuhe waren schon sehr zermürbt und rissig an einigen Stellen - doch er wollte ja wenigstens noch einmal mit dem ersten Team trainieren, bevor er sein Comeback feierte.

"Ich ging zum kleinen Laden um die Ecke und kaufte mir ein paar billige Schuhe für 50 Pfund", verriet Scholes und fügte an: "Ich hatte ja keinen Sponsor mehr und wir konnten Nike (damaliger Ausrüster von United, d. Red.) nichts erzählen, weil sonst alle gewusst hätten, dass ich wieder spiele."

Paul Scholes: "... das hätte blöd ausgesehen"

Erst in der Kabine direkt vor dem Derby gegen City war auch den Spielern klar: Scholes ist zurück. Ferguson nahm den inzwischen 37-Jährigen gleich in den Kader, wechselte den 66-maligen englischen Nationalspieler nach einer Stunde sogar ein. "Als ich reinkam, lagen wir 3:0 vorne - und am Ende gewannen wir gerade so mit 3:2", erinnerte sich Scholes grinsend.

Dass er körperlich eigentlich nicht mehr bereit war, auf höchstem Level zu spielen, gibt er offen zu. Doch Scholes war schon immer ein Meister darin, Spiele zu lesen und physische Unterlegenheit mit Köpfchen und Raffinesse am Ball wettzumachen. Eine Woche nach dem Comeback feierte er auch in der Premier League seine Rückkehr, stand gegen Bolton in der Startelf und krönte seinen Auftritt beim 3:0-Erfolg mit dem Führungstor zum 1:0.

Auf Anhieb war Scholes wieder Stammspieler, hängte dann 2012/13 sogar noch einmal eine komplette Saison dran. Er gestand: "Bei einem Spiel gegen Tottenham spielte ich in Ballbesitz zwar ordentlich, aber gegen den Ball hängte mich Gareth Bale mal um mal einfach ab. Ich dachte nur: 'Das kann ich nicht mehr machen'. Ich kam dann irgendwie durch die Saison, eigentlich wollte ich schon viel früher wieder aufhören, aber das hätte blöd ausgesehen."

So machte Scholes 2012/13 immerhin noch 21 Pflichtspiele, holte mit United noch einmal die Meisterschaft. Und dann, im Sommer 2013, hörte er auf. Endgültig.

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