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Fussball

Meister mit Juventus Turin - doch der größte Triumph kommt in Indonesien: Marco Motta und die Suche nach dem Glück

Von Gabriel Wonn
Er hat mit Juventus Turin den Scudetto geholt, galt als großes Talent - doch Marco Motta wurde erst am anderen Ende der Welt glücklich.

Er hat mit Juventus Turin den Scudetto geholt, galt als großes Talent - doch Marco Motta wurde erst am anderen Ende der Welt glücklich.

Welcher kleine Junge, der seine Nachmittage auf dem Fußballplatz verbringt und wochenends mit großen Augen vor dem Fernseher sitzt, träumt nicht davon: Einmal zu einem dieser großen Klubs zu kommen, einmal ein legendäres Trikot zu tragen, einmal eine Trophäe für einen großen Verein in den Himmel zu recken. Meister zu sein im eigenen Land.

Marco Motta hat das geschafft. 2014 ist es, als er mit Juventus Turin den Scudetto gewinnt. Größer geht es ja fast nicht mehr, nun hat der Mann alles erreicht, wovon er jemals geträumt hat.

Der größte und schönste Moment seines Fußballerlebens, oder? Nein. Nein, ist es nicht. Motta wird erst Jahre später am anderen Ende der Welt etwas erreichen, das ihm so viel mehr bedeutet. Denn seine Geschichte ist die eines Mannes auf der Suche nach wirklichem Glück.

Marco Motta: Mit 19 bereits in der Champions League

Alles beginnt, wie es meist beginnt: als besonders vielversprechendes junges Talent. Motta ist ein Rechtsverteidiger, der bereits im Alter von 18 Jahren in der Serie A debütiert. Auf Empfehlung seiner Eltern ist er zu Atalanta Bergamo gegangen - ein Schritt, den er nie bereuen wird, wie er Jahre später im Magazin Hurra Juventus erklärt: "Atalanta lässt dich in die erste Mannschaft, wenn du es verdienst. Und es ist vor allem eine Schule fürs Leben. Sie achten sehr stark auf Ausbildung, Ernährung, Benehmen. Noch vor dem Fußball steht das Ziel, als Mensch zu wachsen."

Motta wächst in Bergamo so schnell, dass er dem Klub bald entwächst. Es zieht ihn früh zu Udinese, wo er mit nur 19 Jahren in der Champions League aufläuft. Auch so ein Traum jedes Fußballspielers - der junge Marco kann ihn bereits als Teenager von der Bucket List streichen. Leider kann er dies bald auch für einen der größten Albträume jedes Profis tun: 2006 reißt er sich das Kreuzband.

Es ist eine der schlimmsten Verletzung im Fußballerleben, der Italiener wird nach eigener Aussage "einige Jahre" brauchen, um sich vollständig zu erholen. Er wird zum FC Turin verliehen und kann dort nach und nach wieder glänzen. Udinese holt ihn zurück, doch 2009 will er selbst gehen und schafft es zur traditionsreichen AS Rom. Das erste halbe Jahr läuft gut, dann wird Trainer Spalletti entlassen. Claudio Ranieri kommt - und der braucht Motta nicht mehr. Schon 2010 holt ihn Udinese zurück, um ihn wenige Tage später an Juventus zu verkaufen.

Marco Motta: Meister mit Juventus Turin

Motta ist quasi schon ein nationaler Wandervogel, als er bei den ruhmreichen Bianconeri ankommt. Das große Juve ist gerade nur Siebter geworden, man baut das Team um. Der Rechtsverteidiger kommt zu seinem einzigen Einsatz für die italienische A-Nationalmannschaft und unter Juve-Trainer Delneri zu ganzen 32 Einsätzen. Endlich geschafft - oder? Juve wird wieder Siebter und wieder muss ein Förderer gehen: Delneri packt die Koffer und Conte kommt. Für Motta der Beginn einer Leih-Odysee.

Catania, Bologna, Genua - all diese Stationen klappert der Dauerreisende als Leihspieler ab. 2013/2014 darf er in der Hinrunde der Spielzeit noch ein paar Einsätze für Juve absolvieren, der Klub wird Meister. Der Traum eines jeden Kindes - doch ist es wirklich sein Titel? Er war ja kaum an der Seitenlinie, geschweige denn auf dem Platz gewesen. 2015 geht er ablösefrei nach Watford. Und nun nimmt das Wandervogel-Dasein internationale, gar globale Züge an. Watford, Charlton, Almeria, Nikosia und zwischendurch immer wieder ohne Verein - es ist bemerkenswert, dass Motta überhaupt weiterhin sein Glück als Fußballer sucht und hartnäckig bleibt.

Erst in Indonesien gewinnt Motta einen Titel, der wirklich sein eigener ist

Und dann eben das andere Ende der Welt. China? Nein. Okay, dann Japan? Nein. Indonesien. Motta geht 2020 zu Persija Jakarta. Wie man darauf kommt? "Ich hatte mit Juve in Jakarta gespielt, die Hitze und die riesigen, völlig überlaufenen Stadien haben mich beeindruckt. Der Mäzen von Persija kontaktierte mich und ich fand erstklassige Trainingsbedingungen und exzellente Schulen für meine Kinder vor. Da habe ich mir gesagt, ich versuche es", so erklärt es der Italiener selbst gegenüber Il Secolo XIX.

Motta bereut die mutige Entscheidung nicht: "Wir haben pro Spiel 70.000 bis 80.000 Fans, die Atmosphäre ist mit dem Olympiastadion in Rom vergleichbar. Jakarta ist das asiatische New York, die Küche ist exzellent." Das Leben ist also schön - vor allem aber bringt es dem mittlerweile zum Veteranen gereiften Italiener endlich einen Erfolg, der ihn wirklich erfüllt. Marco Motta wird mit Persija Jakarta Meister. Es ist kein Triumph in einer großen Liga im Trikot eines weltweit bekannten Top-Klubs. Aber es ist ein Titel, zu dem er wirklich fundamental etwas beigetragen hat. Es ist wirklich SEIN Titel.

Der Traum eines jeden jungen Fußballspielers, er erfüllt sich für Motta nicht in Turin oder in Rom, sondern in Indonesien. Nach zwei Jahren in Jakarta ist er aktuell wieder - wie könnte es anders sein - vereinslos. Wird der mittlerweile 36-Jährige dort bleiben? Wird er wieder wechseln? Wird er gar aufhören? "The best is yet to come" und "Wait", so sind seine beiden letzten Posts auf Instagram betitelt. Was auch immer das ist, was "yet to come" ist: Bei Marco Motta kann man sich zumindest sicher sein, dass es etwas Außergewöhnliches wird.

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