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Fussball

Austria Klagenfurt: München-Niederlassung am Wörthersee

Leihgabe vom FC Bayern München: Alex Timossi Andersson überzeugt bei Austria Klagenfurt.

Der Überraschungsklub der österreichischen Bundesliga entwickelte sich in mehrerer Hinsicht zu einer kleinen Niederlassung des Münchner Fußballs: Die sportlichen Geschicke von Austria Klagenfurt leiten ehemalige 1860-Angestellte und im Kader stehen zwei Leihspieler des FC Bayern München. Eigentümer ist ein Hamburger Unternehmer, dem auch ein deutscher Profiklub gehört.

Das Klagenfurter Wörthersee-Stadion kann seit seiner Eröffnung 2007 auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken. Es hat EM-Spiele, Pokalfinals und Konzerte beherbergt, 2018 tatsächlich einen Sieg der österreichischen Nationalmannschaft gegen die deutsche und im Rahmen eines Kunstprojekts zwischenzeitlich sogar einen Mischwald. Neuerdings fungiert es als kleine Niederlassung des Münchner Fußballs.

Bei der Eröffnung des Stadions gab es zwei Profiklubs in der Stadt, doch bald waren beide pleite. Als Heimstätte nutzte es fortan der neugegründete SK Austria Klagenfurt mit Berufung auf den einst gleichnamigen aufgelösten Traditionsklub.

Die Mannschaft pendelte zwischen der zweiten und dritten Liga, weshalb sich nur wenige hundert Fans für die Spiele interessierten. In der rund 30.000 Menschen fassenden Arena waren sie kaum zu finden. Mittlerweile sind die Fans schon etwas sichtbarer. Seit dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga im vergangenen Sommer zog das Zuschauer-Interesse an.

Zu sehen bekommen sie im Wörthersee-Stadion unter anderem: ehemalige Angestellte des TSV 1860 München an der Seitenlinie und einen Leihspieler des FC Bayern München auf dem Platz. Ein zweiter könnte bald sein Debüt feiern, weitere womöglich folgen.

Drei ehemalige Löwen bei Austria Klagenfurt

Vater des sportlichen Erfolgs ist Peter Pacult, ein Wiener Trainer ganz alter Schule. Der 62-Jährige steht für Schmäh und eine harte Gangart. Gelernt hat Pacult das Trainer-Handwerk einst beim TSV 1860, wo er zuvor auch gespielt hatte. Zwischen 1996 und 2003 bekleidete Pacult verschiedene Trainerpositionen, letztlich coachte er die Profimannschaft in der - tatsächlich! - Bundesliga.

Nach etlichen meist eher kurzen Stationen nah und fern übernahm Pacult Anfang vergangenen Jahres das Traineramt bei Austria Klagenfurt. Zunächst führte er die Mannschaft in die Bundesliga, dann direkt in die Meistergruppe. Dort duellieren sich die sechs bestplatzierten Klubs nach Punktehalbierung aus dem Grunddurchgang um die Europapokal-Startplätze, der Titel ist selbstverständlich für Red Bull Salzburg reserviert. Klagenfurt ist aktuell zwar Letzter, der Rückstand auf Platz zwei beträgt aber nur sechs Punkte.

Pacults Co-Trainer ist der langjährige Leiter der 1860-Nachwuchsabteilung Wolfgang Schellenberg. Als Geschäftsführer Sport fungiert Matthias Imhof. Er verfügt ebenfalls über 1860-Vergangenheit, sowohl als Spieler als auch als Funktionär.

Andersson und Liu: Münchner Leihspieler in Klagenfurt

Die Verantwortungsträger bei der Austria haben also reichlich München-Bezug, genau wie der aktuelle Nachwuchs-Chef des FC Bayern Österreich-Bezug hat. Vor seinem Wechsel nach München war Jochen Sauer lange für RB Salzburg tätig, wo er mit dem heutigen Klagenfurter Chefscout Manfred Linzmaier zusammenarbeitete. Man kennt sich, man blieb im Gespräch - und mittlerweile pflegt man beste Beziehungen.

Der FC Bayern hat schon länger Interesse an einem Partner im österreichischen Fußball für regelmäßige Leihgeschäfte. Vor etwa einem Jahr wurde die Chance auf eine Zusammenarbeit mit dem mittlerweile abgestiegenen SKN St. Pölten verstreichen gelassen.

Statt die Verhandlungen mit Nachdruck zu führen, verlieh die Klubführung des FC Bayern dem Thema nach Informationen von SPOX und GOAL damals nicht die oberste Priorität. Der VfL Wolfsburg grätschte dazwischen und verkündete seinerseits eine Zusammenarbeit mit St. Pölten. Aktuell spielen drei Wolfsburger Talente per Leihe in St. Pölten.

Beim FC Bayern wanderten die Blicke Richtung Süden, Richtung Klagenfurt. Als erstes wurde der Schweden Alex Timossi Andersson (21) von der eigenen Reserve an die Austria verliehen. Er erarbeitete sich auf Anhieb einen Stammplatz auf Rechtsaußen, hatte großen Anteil am Aufstieg und steht in dieser Saison schon bei zehn Scorerpunkten. Wegen der guten Erfahrungen mit Andersson folgte mit dem chinesischen Keeper Shaoziyang Liu (18) in diesem Winter das nächste Talent. Aufgrund einer fehlenden Spielberechtigung kam er aber noch nicht zum Einsatz, seine Leihe läuft bis 2023.

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