Fussball

Wald im Stadion: Die kuriose Spielstättensuche von Gladbach-Besieger Wolfsberg

Wald im Stadion: Ein Kunstprojekt verhindert Europa-League-Spiele des Wolfsberger AC im Wörthersee-Stadion.
© imago images

Weil die eigene Lavanttal-Arena den UEFA-Richtlinien nicht entspricht und im Klagenfurter Wörthersee Stadion ein Mischwald gedeiht, muss der Wolfsberger AC für seine Europa-League-Heimspiele nach Graz ausweichen. Da stellt sich vor allem die Frage: Warum ist überhaupt Wald im Stadion? Es ist nur die neueste Kuriosität des an Kuriositäten reichen Wörthersee Stadions.

Letztlich gibt es gar keinen großen Unterschied zwischen dem Zusammenstellen eines funktionierenden Waldes und einer funktionierenden Fußballmannschaft. "Baumscouts" seien zunächst losgeschickt worden, um die österreichischen Baumschulen nach passenden Exemplaren abzusuchen, berichtete Adrian Fehlmann neulich in der Kronen-Zeitung. Er ist Projektleiter von Enea Landscape Architecture und dafür verantwortlich, dass im Klagenfurter Wörthersee Stadion ein Mischwald gedeiht.

Als die Baumscouts in der Heimat nicht fündig wurden, wandten sie sich stattdessen an "große, bewährte, europäische Baumschulen". Worauf beim Baumscouting zu achten sei? Entscheidend seien die Qualität "im Wurzelbereich" und gute Entwicklungschancen "in der Krone", sagt Fehlmann. 299 Bäume wurden letztlich erfolgreich gescoutet. Sie sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, zwischen acht und 14 Meter hoch und kommen aus Belgien, Deutschland und Italien.

Von 8. September bis 27. Oktober stehen sie als Mischwald im Wörthersee Stadion. Täglich von 10 bis 22 Uhr sind sie bei freiem Eintritt zu besichtigen, bei Tageslicht oder bei Flutlicht.

Die Hintergründe des Waldes im Wörthersee Stadion

Nicht zu besichtigen sind dort dafür Europa-League-Spiele des Wolfsberger AC, der am ersten Spieltag überraschend mit 4:0 bei Borussia Mönchengladbach gewonnen hat. Weil die heimische Lavanttal-Arena den UEFA-Richtlinien nicht entspricht, wäre der Klub am liebsten ins Wörthersee Stadion in Klagenfurt ausgewichen. Wie schon bei den beiden bisher einzigen Europapokal-Heimspielen der Vereinsgeschichte, in der EL-Qualifikation 2015 gegen Borussia Dortmund und Shakhtyor Soligorsk. Wegen des Waldes muss Wolfsberg nun aber stattdessen in Graz spielen, wo es am Donnerstag (18.55 Uhr live auf DAZN) gegen die AS Rom geht.

Da stellen sich natürlich einige Fragen. Warum ist da Wald? Es handelt sich um das Kunstprojekt "For Forest" des Schweizer Kulturvermittler Klaus Littman. Inspiriert wurde Littman von einer Bleistiftzeichnung des österreichischen Künstlers Max Peintner von 1971, das ein bewaldetes Stadion zeigt. Was passiert danach mit den Bäumen? Sie sollen auf den nahen Universitätscampus verpflanzt werden. Und vor allem: Warum denkt denn bitte keiner an den Wolfsberger AC und die internationalen Heimspiele? Unterschrieben wurden die Verträge bereits im Jahr 2017, Wolfsberg war damals der 2. Liga näher als dem Europapokal.

"Bis zur erfolgreichen Qualifikation haben wir uns mit der Thematik gar nicht beschäftigt", erklärt Wolfsbergs Pressesprecher Daniel Roßmann. Erst danach sei es zu Gesprächen zwischen Wolfsbergs Präsidenten und Künstler Littman gekommen. Dabei wurde schnell klar, dass eine Verschiebung des Projekts nicht in Frage kommt. "Der Künstler macht seit zwei Jahren internationales Marketing, es wurden bereits Hotelbetten gebucht und außerdem gibt es viele Projekte rund um das Projekt", erklärt Roßmann.

Für die Wolfsberger Fans ist das ärgerlich, weil die Anreise nach Graz weiter ist. Für den Verein selbst ist das ärgerlich, weil ihm wegen des nur etwa halb so großen Grazer Stadions Eintrittsgelder entgehen. Groll hegt Roßmann trotzdem keinen, er will sich das bewaldete Stadion sogar anschauen. "Die Aussage hinter dem Projekt ist ja großartig: Es soll davor warnen, dass man einen Wald irgendwann womöglich nur mehr in einem Stadion sehen kann. So wie einen Elefanten im Zoo."

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