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Fussball

Erste Halbzeit Kreißsaal, zweite Halbzeit Hattrick-Hero: Sorianos drei Tore für seine dritte Tochter

Von Gabriel Wonn

Es gibt Dinge, die auch für Profis wichtiger sind als Fußball, die Geburt eines Kindes zum Beispiel. Aber Soriano beweist: Man kann beides vereinen.

Es ist die 50. Minute an diesem 20. April 2013, als Salzburg-Stürmer Jonatan Soriano bei einem Torjubel den Daumen in den Mund steckt. Der Angreifer hat soeben gekonnt den Keeper des Wolfsberger AC überlupft und sein Team mit 3:2 in Führung gebracht. So weit, so normal.

Genauso unspektakulär, wie die Umstände klingen, ist nämlich eigentlich auch die Art des Jubels. Eines der etablierten Symbole dafür, dass der jeweilige Spieler kürzlich Vater geworden ist beziehungsweise zeitnah Vater sein würde. Nur dass "kürzlich" in diesem Fall stark untertrieben ist: Soriano erzielte den Treffer zwei bis drei Stunden nach der Geburt seiner dritten Tochter.

RB Salzburg: Soriano erst im Kreißsaal, dann auf dem Platz

Nun denken sich Leserin oder Leser möglichweise: "Na gut, dann spielt er eben am gleichen Tag. Die arme Frau muss das dann im Krankenhaus alleine durchstehen." Doch genau das muss sie eben nicht. Soriano war zu jeder Sekunde der Geburt seines Kindes an der Seite seiner Frau. Als er sein Lupfertor erzielt, steht er gerade einmal fünf Minuten auf dem Platz - er ist zur Halbzeit eingewechselt worden.

"Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Fußball", hatte Salzburgs damaliger Trainer Roger Schmidt vorher verkündet und dem Spanier damit die Erlaubnis erteilt, bei der Geburt seiner Tochter Avril dabei zu sein. Der Coach beweist auch am Spieltag Fingerspitzengefühl: er lässt seinem Stürmer einen Platz auf der Bank frei - weil der es sich wünscht, wie Schmidt nach dem Spiel sagt: "Er wollte unbedingt spielen. Und wenn er spielen will, spielt er auch. Jonatan ist ein absoluter Leistungsträger."

Dieses Vertrauen in seinen Spieler sollte das Spiel entscheiden. Denn Soriano macht nicht einfach Dienst nach Vorschrift, im Gegenteil: Er erlebt den vielleicht denkwürdigsten Tag seiner Fußballerkarriere. Der damals 27-Jährige bringt sein Team nicht nur auf der Siegerstraße, er erzielt sogar ganze drei Tore in der einen Halbzeit, in der er spielt und ist damit maßgeblich verantwortlich für den 6:2-Sieg seiner Salzburger, die ohne ihn mit 2:2 in die Kabine gegangen waren.

Soriano: Drei Tore, drei Punkte - für seine dritte Tochter

Drei Tore, drei Punkte - für seine dritte Tochter. Menschen, die an Schicksal glauben, dürften sich bestätigt fühlen. Vor allem, weil es für den Einsatz von Soriano denkbar knapp geworden war, wie der Angreifer nach dem Spiel erzählt: "Meine Frau hat sich etwas Zeit gelassen. Ich habe nicht mehr mit meinem Einsatz gerechnet." Zuvor war er im Eiltempo aus dem Kreißsaal im Diakonissen-Krankenhaus Aigen gestürmt und quer durch die Stadt zur Red-Bull-Arena gehetzt.

Man kann Trainer Schmidt wohl uneingeschränkt glauben, dass der Spanier wirklich einfach unbedingt spielen wollte. Dieser Einsatz hätte sich wohl kaum mehr lohnen können.

"Ich werde diesen Tag niemals vergessen", strahlt Soriano nach dem Match in die Reporter-Mikrofone, während der Stadion-DJ "Tage wie diese" von den Toten Hosen durch die Stadion-Lautsprecher erschallen lässt.

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