Fussball

Ex-BVB-Torwart Zlatan Alomerovic im Interview - "Nach Klopps Ansprache dachte ich: Ich bin der Geilste!"

Von Philipp Schmidt
Alomerovic bezeichnet Klopp als "außergewöhnlichen Trainer und Menschen".

Torhüter Zlatan Alomerovic (28) wechselte 2006 in die Jugendabteilung des BVB und blieb der Borussia neun Jahre treu. Auf fünf Spielzeiten bei der Dortmunder Zweitvertretung folgte ein enttäuschendes Intermezzo beim 1. FC Kaiserslautern, ein Jahr ohne Verein sowie der Wechsel nach Polen.

Im Interview mit SPOX und Goal erklärt der Deutsch-Serbe, warum es für ihn bei "seinem" BVB nicht für einen Bundesliga-Einsatz reichte und warum er dank Jürgen Klopp dachte, dass er "der Geilste" ist.

Außerdem verrät Alomerovic, weshalb sein Aus beim FCK "eine absolute Schweinerei" war, wie ein Steak in einem Dortmunder Restaurant seine Karriere wiederbelebte und in welchem Bereich die Polen den Deutschen voraus sind.

Herr Alomerovic, als Sie 2015 das letzte Interview mit SPOX führten, kämpften Sie mit der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund um den Klassenerhalt in der 3. Liga. Letztlich stieg man ab und Sie wechselten zum 1. FC Kaiserslautern. Wieso?

Zlatan Alomerovic: Als Thomas Tuchel von Jürgen Klopp die Mannschaft übernahm, hat er direkt klargemacht, dass er unbedingt einen neuen Torhüter haben möchte. Das wurde Roman Bürki und somit war es klar, dass zwei Torhüter gehen sollen. Allerdings hatten Roman Weidenfeller, Mitch Langerak und ich noch einen Vertrag. Deshalb kam Sportdirektor Michael Zorc auf mich zu und meinte: 'Wir respektieren deinen Vertrag, aber wenn eine Anfrage kommen sollte, würden wir dir keine Steine in den Weg legen.' Ich gehörte damals zu den besten Torhütern der 3. Liga, daher war der Schritt in die 2. Liga eigentlich auch logisch.

Sie liebäugelten bereits ein Jahr zuvor damit, den BVB zu verlassen, wurden dann aber von Klopp von einer Vertragsverlängerung bis 2016 überzeugt. Ihr Ziel war es, als dritter Torwart näher an das Profiteam heranzurücken. Waren Sie enttäuscht, dass es dann nur zu sechs Kadernominierungen und keinem Einsatz reichte?

Alomerovic: Der BVB schwebte in den vorherigen Jahren mit dem Gewinn der Meisterschaft 2011, des Doubles 2012 und des Einzugs ins Champions-League-Finale 2013 auf Wolke sieben. Da gab es nicht viel an den Torhütern auszusetzen. Es hat sich einfach nicht ergeben. Die Intention meiner Verlängerung war, mich durch gute Leistungen in der 3. Liga zur Nummer zwei der Profis zu entwickeln. Durch den Abgang von Langerak zum VfB Stuttgart wäre das auch möglich gewesen, doch Tuchel hatte leider andere Pläne.

Alomerovic: Klopp? "Außergewöhnlicher Trainer und Mensch"

Wie besonders war Klopp für Sie?

Alomerovic: Er ist ein außergewöhnlicher Trainer und Mensch, der einem ein unglaubliches Selbstbewusstsein vermitteln kann. Er wählte von Zeit zu Zeit aber auch laute Worte und konnte dich zurechtweisen. Ihm gelingt es extrem gut, zur richtigen Zeit die richtigen Dinge zu sagen - und damit packt er die Spieler. Ich kann mich noch genau an mein erstes Freundschaftsspiel in einem Trainingslager erinnern.

Erzählen Sie!

Alomerovic: Ich bin zur Halbzeit eingewechselt worden. Er sagte dann nicht zu mir, dass ich dieses oder jenes machen solle, sondern nur: 'Du bist so gut, du hast jede Menge Stärken. Dann geh' raus und zeig' sie den Leuten.' Danach ging ich auf den Platz und dachte: Ich bin der Geilste! (lacht)

Sie spielten seit 2006 in Dortmund, als Sie sich der U17 anschlossen. Wie schwer fiel Ihnen schließlich der Abgang vom BVB?

Alomerovic: Dortmund ist mein Verein. Ich habe dort in der Jugend um viele Titel gespielt und bin mit der U21 aufgestiegen. Auch an den großen Erfolgen des Vereins ist man in gewisser Weise ja beteiligt gewesen und erlebte sie hautnah mit. Es war schade, wie die Zeit endete. Das ist mir persönlich schwergefallen, aber ich musste es akzeptieren.

Wieso haben Sie sich dann für den FCK entschieden?

Alomerovic: Kaiserslautern hat als einer der ersten Vereine angefragt. Daher habe ich mich mit weiteren Anfragen gar nicht mehr intensiv beschäftigt. Aufgrund der Tradition und der Wirkung des Vereins war mir klar: Ich will unbedingt dorthin und vor der Westkurve vor 30.000 Zuschauern um den Aufstieg in die Bundesliga spielen. Trainer Kosta Runjaic und Sportdirektor Markus Schupp haben mit meinem Berater gesprochen und Torwarttrainer Gerry Ehrmann hat mit seinem ehemaligen Schützling Roman Weidenfeller telefoniert. Es hatte alles gepasst und ich war voll motiviert.

Sie sollten dort den nach Gladbach abgewanderten Tobias Sippel ersetzen. Es wurde zudem ein offener Zweikampf mit Marius Müller um den Posten als Nummer eins angekündigt. Letztlich setzte sich Müller durch. Weshalb bekam er den Vorzug?

Alomerovic: Der Zweikampf wurde zwar ausgerufen, aber er war nicht so offen, wie er nach außen kommuniziert wurde. Letztlich muss ich vor allem feststellen, dass der FCK der falsche Verein für mich war - und das hätte ich früher erkennen sollen.

Alomerovic beim FCK: "So verbrennt man einen Spieler"

Inwiefern?

Alomerovic: Der Verein lebt seit Jahrzehnten davon, Torhüter herauszubringen, seien es Weidenfeller, Tim Wiese, Kevin Trapp, Florian Fromlowitz oder Sippel. Die Torhüter haben immer ordentlich Geld in die Kassen gespült, so dass es logisch war, mit Müller auf den Torwart aus der eigenen Jugend zu setzen, um ihn nach einem Jahr verkaufen zu können. Das war ja auch in der Folge auch mit Julian Pollersbeck und jetzt Lennart Grill so. Eigentlich war es beim FCK üblich, dass der zweite Torwart dann die Pokalspiele bekommt, aber auch die wurden mir nicht gegeben.

Wie gingen Sie mit Ihrer Reservistenrolle um?

Alomerovic: Es war deprimierend. Nach drei Monaten wurden der Trainer und der Sportdirektor entlassen. Dann hoffte ich kurz, aber es hat sich nichts verändert. Als Müller eine kurze Schwächephase hatte, ging ich zu Ehrmann und fragte: 'Gerry, wie sieht's aus? Ich bin bereit.' Aber er hat Müller vertraut.

Am Ende kamen Sie nur einmal in der 2. Liga zum Einsatz.

Alomerovic: Das aber auch nur, weil dem neuen Trainer Konrad Fünfstück das Wasser bis zum Hals stand. Das wurde dann hinter dem Rücken von Ehrmann entschieden. Mir unterlief in diesem Spiel auch ein Fehler. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass mir der Trainer noch ein Spiel gibt, bevor er wieder wechselt. Es ist ja auch üblich, dass nicht jede Woche der Torwart getauscht wird, denn so verbrennt man einen Spieler nur.

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