Fussball

Ex-BVB-Talent Emre Mor wird von Klub zu Klub gereicht: Der Unbelehrbare

Emre Mor spielt mittlerweile in Piräus.

Emre Mor kommt einfach nicht mehr auf die Beine. Galatasaray hat die Leihe des ehemaligen BVB-Talents vorzeitig beendet. Mor will nun in Griechenland bei Olympiakos den "wahren Emre Mor" zeigen. Viele Chancen wird er dafür nicht mehr bekommen.

Nichts als leere Worthülsen. So lässt sich Mors kurze Zeit bei Galatasaray herunterbrechen. Seinen Versprechungen, er werde im Training alles geben und sich nur auf Fußball konzentrieren, ließ er keine Taten folgen.

Mor fiel in dem halben Jahr in Istanbul nur einmal positiv auf: im Vorbereitungsspiel gegen Florenz. Galatasaray verlor mit 1:4, Mor erzielte den einzigen Treffer für Cimbom und zeigte auch sonst eine starke Leistung.

Die Hoffnung, Mor würde sich unter Förderer Fatih Terim, der den Youngster bereits zur Nationalmannschaft holte, wieder aufblühen, wuchs. Es sollte Mors Höhepunkt im Trikot der Löwen bleiben.

Emre Mor liefert sich Trainingszoff mit Falcao

Wie schon bei Celta Vigo oder auch in Dortmund zeigte er sein unverändert großes Potenzial viel zu selten. Schnell fand sich der einst als "türkischer Messi" gefeierte Mor in derselben Abwärtsspirale wieder, die er in Spanien erlebte: Wenig Spielzeit, miese Laune, schlechte Trainingsleistungen, noch weniger Spielzeit.

Die Chancen, die er bekam, nutzte Mor nicht. Stattdessen sorgte er immer wieder für Negativschlagzeilen. Mor stritt sich mit Schiedsrichtern, flirtete mit Instagram-Models, schoss gegen die kritische "Lügenpresse": Mor machte es seinen Kritikern leicht.

Er hat es wohl Che Guevara zu verdanken, dass er immer wieder Möglichkeiten bekam, sich auf dem Platz zu zeigen. "Du wirst nicht besiegt, wenn du verlierst, sondern wenn du aufgibst." Diese Weisheit des kubanischen Revolutionsführers machte sich Galatasaray-Trainer Terim zur Maxime. So verordnete er Mor Mentaltraining, sprach viel mit dem Youngster und setzte ihn weiter ein.

Mittlerweile hat aber auch Terim aufgegeben. Nachdem Mor im Training mit Radamel Falcao aneinandergeraten war, war Mors Abschied unausweichlich. Falcao (33) versuchte Mor (22) im Training zu motivieren. Der erwiderte nur: "Kümmere dich um deinen eigenen Scheiß!"

Dass Galatasaray die vereinbarte Kaufoption in Höhe von acht Millionen Euro im Sommer nicht ziehen würde, war klar. Dass der türkische Meister aber selbst die Leihe vorzeitig auflösen würde, spricht Bände. Trotz des guten Verhältnisses von Mor zu den türkischen Fans, war die Atmosphäre vergiftet, Mor ein Störfaktor. Mor, der Unbelehrbare.

Emre Mor im Steckbrief

geboren24. Juli 1997 in Brönshöj (Dänemark)
Größe1,69 m
Gewicht64 kg
PositionAußenstürmer
starker Fußlinks
StationenBrönshöj Boldklub Jugend, Lyngby BK Jugend, Nordsjaelland Jugend, Nordsjaelland, Borussia Dortmund, Celta Vigo, Galatasaray, Olympiakos Piräus
Spiele/Tore als Profi68/4

Emre Mor schon in Dänemark "kurz vor dem Rausschmiss"

Trotz der wiederkehrenden Muster scheint Mor auch nach fünf Jahren im Profifußball noch immer nicht dazugelernt zu haben. Schon in Dortmund katapultierte er sich mit seinem Verhalten auf und abseits des Platzes ins Aus. "Emre muss noch lernen, was es bedeutet, Profi zu sein", sagte Thomas Tuchel 2016.

2018 titelte die spanische Sportzeitung Marca: "Emre Mors Einstellung treibt Celta in den Wahnsinn." Ein Jahr, etliche Verspätungen und eine Suspendierung später sollte sich Mor einen neuen Verein suchen. Den fand er in Galatasaray, führte die ersten Gespräche jedoch selbst und gab fälschlicherweise an, er wäre ablösefrei zu haben. Sein damaliger Berater Erik Alonso bezeichnete Mors Verhalten als "völlig inkonsequent und unprofessionell": "Er lügt alle immer wieder an."

Selbst 2015 in Nordsjaelland, wo Mor den BVB überhaupt auf sich aufmerksam gemacht hatte, drohte der Außenstürmer zu scheitern. "Emre war anfangs kaum integriert und stand kurz vor dem Rausschmiss", verriet der ehemaliger Dortmunder Otto Addo im 11Freunde-Interview. Addo war zu dieser Zeit Co-Trainer beim dänischen Erstligisten. Er investierte viel Zeit, um Mor in richtige Bahnen zu lenken: "Mit ihm habe ich mich zwei, drei Mal die Woche getroffen, auch mal einen Döner gegessen. Am Ende hat sich das total ausgezahlt."

Emre Mor: Rückkehr nach Deutschland scheitert

Diesen Aufwand und den Ärger, den Mor verspricht, wollen sich viele Klubs ganz offensichtlich nicht mehr antun. Zudem stagniert Mor auch sportlich, er spielt zu eigensinnig und taktisch undiszipliniert. Es fehlt an Grundelementen.

Das Interesse am Enfant terrible ist entsprechend gering. Das zeigte der Januar. Galatasaray stellte Mor für Vertragsgespräche in England und Deutschland frei. Auch Hoffenheim soll eine Verpflichtung in Erwägung gezogen haben.

Letztlich kehrte Mor ohne Erfolg zurück nach Istanbul. Kein Verein wollte ihn. Zur Erinnerung: Es ging um eine Leihe bis zum Saisonende. Der guten Beziehung zwischen Gala und Olympiakos ist es wohl zu verdanken, dass sich kurz vor Transferfrist doch noch ein Abnehmer für Mor fand.

Emre Mor: "Ich bin mir meines Talents bewusst"

Zunächst wechselt er auf Leihbasis zu den Griechen. Im Sommer greift dann - sofern bestimmte Parameter erfüllt werden - eine Kaufpflicht. Vor drei Jahren träumte Mor noch von Real Madrid und Barca. Nun droht das Mittelmaß.

Doch Mor gibt sich - wie so oft in seiner Karriere - opportunistisch. "Ich bin mir meines Talents bewusst und werde hart arbeiten, um endlich den wahren Emre Mor zu zeigen", teilte er nach dem Last-Minute-Wechsel mit.

Doch was, wenn das erneut nicht passiert? Viele lukrative Chancen, das zeigte dieser Winter, wird Mor künftig nicht mehr bekommen. Auch wenn er im Juli erst 23 Jahre alt wird.

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