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Fussball

Eintracht Frankfurts Jahrhundertspiel gegen den FC Barcelona: Der totale Ticket-Wahnsinn

Von Benjamin Heinrich
Die Eintracht-Fans sind heiß auf das Spiel gegen Barcelona.

Eine Stadt, ein Klub im Ausnahmezustand! Bei Eintracht Frankfurt sind alle im und rund um den Klub heiß auf das Europa-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona. Der Ansturm auf die Tickets für das Heimspiel war historisch. Und hatte viele enttäuschte Gesichter zur Folge.

250.000 Ticketanfragen gingen bei Eintracht Frankfurt ein - für ein einziges Spiel gegen den FC Barcelona in der Europa League! Der Deutsche Bank Park, er hätte bei einem Fassungsvermögen von circa 48.000 Zuschauern bei internationalen Spielen mehr als fünfmal gefüllt werden können. Historisch! Für sonstige Topspiele waren es bislang nur maximal 100.000 Anfragen.

Obendrauf unterlief der Eintracht noch eine äußerst unglückliche Ticketpanne. Wer in diesen Tagen eine Eintrittskarte in den Händen hält, darf sich folglich glücklich schätzen und gehört am Donnerstagabend (21 Uhr im LIVETICKER) zu einem erlesenen Kreis. Denn die Anzahl der Tickets, die überhaupt in den Verkauf gegangen sind, war im Vergleich zur Nachfrage äußerst gering.

Nachdem 31.000 Dauerkarteninhaber, der FC Barcelona (circa 2.500 Tickets), Klubmitarbeiter, Sponsoren und die Profis bedient waren, blieben wohl noch rund 10.000 Tickets übrig. Damit wurden in der zweiten Verkaufsphase Vereinsmitglieder bedacht, die in den vergangenen zwei Jahren "besonders häufig Heimspiele der Eintracht besucht haben" - nach dem "first come, first serve"-Prinzip.

Das Problem: Der Eintracht unterlief am 30. März eine große Panne. Beim Buchungsprozedere, das ausschließlich online stattfand, war noch ein Button zu sehen aus der ersten Verkaufsphase mit der Aufschrift "Tickets für Dauerkartenabonnenten". Davon fühlten sich aber die wenigsten Anhänger, die am Vormittag vor ihren Endgeräten saßen, angesprochen.

Eintracht-Fan "voller Tränen"

Wer aber draufklickte, hatte Glück und kam in die Warteschlange. Doch selbst wenn die überstanden war, war das keine Garantie für Tickets. Denn immer wieder wurden diese vom System mehrfach vergeben und bei der Abrechnung kam dann die Fehleranzeige.

"Voller Tränen und kurz vor dem Herzstillstand" sei er gewesen, erzählt Eintracht-Fan Elias gegenüber SPOX und GOAL. Ein einziges Ticketdesaster! Elias rief geistesgegenwärtig bei Eintracht Frankfurt an und erklärte den Sachverhalt: "Nach 17-mal besetzter Leitung bin ich durchgekommen. Sie haben sich entschuldigt und haben mir zwei Tickets angeboten. Ich war emotional sehr berührt und kann es immer noch nicht fassen."

Ein glücklicher Einzelfall, der wohl nur dank der Kulanz eines Ticket-Mitarbeiters zustande kam. Noel M. hingegen ging leer aus, obwohl er zu allen Mitteln griff: "Ich habe als Jugendlicher in der Schule zwei Stunden lang in der Warteschlange gesessen, bis die Meldung kam, dass alle Karten weg sind. Ich bin immer noch sehr frustriert."

Immerhin gab es für den 15-Jährigen keinen Ärger: "Der Lehrer hat - Gott sei Dank - nichts mitbekommen." In dem Moment ein schwacher Trost für den Fan, der für ein Ticket auch einen Klassenbucheintrag in Kauf genommen hätte.

Frankfurts Ticket-Wahnsinn "ein Schlag in die Magengrube"

Mitglieder von Fanklubs ohne Dauerkarte, die in den vergangenen zwei Jahren nur über ihren Verein Tickets gebucht haben, kamen hingegen erst gar nicht in die Verkaufsphase. "Für uns, die wir in den letzten zwei Jahren hart gekämpft haben, um das Vereinsleben überhaupt am Laufen zu halten, war das richtig kacke", beschreibt Fanklub-Mitglied Stefan V. die Situation und ergänzt: "Hier wurden Einzelpersonen, die nicht im Kollektiv bestellt haben, klar bevorteilt. Ein ziemlicher Schlag in die Magengrube." Einer von vielen.

Jenen Fans, die leer ausgingen, blieb nur noch die Hoffnung, dass kurzfristig Verhinderte doch noch ihre Tickets loswerden wollten - oder sie mussten auf den Schwarzmarkt blicken. Der boomte brutal, für eine Karte wurden bis zu 2.000 Euro aufgerufen.

Eintracht-Fans haben dafür allerdings in den sozialen Medien nur wenig übrig. "Schäbige Typen" und ähnliche Worte sind dort zu lesen. Die Eintracht geht gegen die Wucherpreise mit einer beauftragten Kanzlei vor. "Wir wollen die alle kriegen", kündigte Vorstandssprecher Axel Hellmann an. Vom Kauf solcher Tickets riet der Klub ab und vertröstete vor allem auf das Rückspiel in Barcelona am 14. April.

"Wir gehen davon aus, dass alle, die wollen, dort eine Karte bekommen werden," so Eintracht-Justiziar Philipp Reschke.

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