EM

Mad Dog sei Dank

Arnel Jakupovic wechselte mit 17 Jahren zum FC Middlesbrough
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Mit gerade einmal 17 Jahren wagte Arnel Jakupovic den Schritt auf die Insel. Nach Startproblemen überflügelte er dort zahlreiche Megatalente und wurde Torschützenkönig in der Nachwuchsliga. Während der Torjäger mit Österreich gegen Deutschland (So., 19.30 Uhr im LIVETICKER) um das Halbfinale bei der U19-EM kämpft, winkt im Verein schon die Premier League.

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Wirklich spektakulär lief die U17-EM für Arnel Jakupovic im Sommer 2015 nicht ab. Für seine Österreicher setzte es bereits in der Vorrunde das Aus, er selbst machte nur ein Spiel über 90 Minuten und erzielte kein Tor. Ein unbefriedigendes Turnier für den Österreicher, der sich auf der großen Bühne eigentlich erstmals präsentieren wollte.

Gerade erst war seine Karriere ins Rollen gekommen. Mit 21 Toren in 20 Spielen wurde er Torschützenkönig in der österreichischen U18-Jugendliga und Vizemeister mit Austria Wien. Als Belohnung gab's bereits mit 17 Jahren die Berufung zur Regionalliga-Mannschaft des Klubs.

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Eine gute EM wäre das Sahnehäubchen auf dem steilen Aufstieg gewesen. Doch wirkliche Glanzpunkte konnte er nicht setzen. Etwas nach dem Turnier klingelte dennoch das Smartphone des Angreifers, eine englische Nummer blinkte auf dem Display auf. Es waren Verantwortliche des FC Middlesbrough. Scouts des Klubs hatten Jakupovic bei der Europameisterschaft beobachtet und interessierten sich für den Torjäger. "Ich habe das nicht erwartet, plötzlich steht Middlesbrough vor der Tür", zeigte sich der Österreicher bei Laola1 überrascht.

Pogatetz als Inspiration

Ralf Muhr, Nachwuchsleiter der Austria, versuchte lange, sein Juwel vom Verbleib in Wien zu überzeugen und zeigte ihm mögliche Wege für die Zukunft auf. Im Schatten des Ruhms könne er sich in aller Ruhe entwickeln, Stammspieler bei den Amateuren werden und langsam zu den Profis stoßen.

Die Verantwortlichen von Middlesbrough legten jedoch nach. Er wäre als fester Baustein der Nachwuchsmannschaft eingeplant, die sich in der U21 Premier League mit den großen Jugendteams der Insel misst. Pompös zeigten sie dem Österreicher das Riverside Stadium, indem er früher oder später 35.000 Zuschauer zum Jubeln bringen soll.

Wahrscheinlich nicht ganz zufällig ging die Führung auch an der Legionärswand des Klubs vorbei. Ein Name, der darauf zu lesen war, brannte sich in das Gehirn von Jakupovic: Emanuel Pogatetz. Der österreichische Landsmann war lange Zeit Kapitän der Boros und unter dem Spitznamen "Mad Dog" als Publikumsliebling bekannt.

Mit 17 Jahren nach England

Der Familienrat tagte. Schnell war klar, dass es raus geht aus der Komfortzone. Nur wie? Und mit wem? Papa Amir betreibt eine Transportfirma in Wien und kann die Zelte nicht einfach abbrechen. "Meine Frau und ich haben lange überlegt: Sollen wir Arnel allein gehen lassen und darauf hoffen, dass alles gutgeht?", sagte das Familienoberhaupt im Gespräch mit dem Sportmagazin. Sie brachten es nicht übers Herz. Gemeinsam mit der Mutter und dem kleinen Bruder zog ein Großteil der Familie deshalb in den Nordosten Englands, der Vater blieb in Wien.

Gleich zu Beginn seines Abenteuers wurden ihm jedoch Steine in den Karriereweg gelegt. Die Arbeitserlaubnis fehlte lange, deshalb bestritt der Mittelstürmer bis Ende November kein Spiel in der Liga. "Es war zu Beginn sehr schwer. Ein neuer Lebensabschnitt, in einem neuen Land. Ich habe meine Zeit gebraucht, um mich an alles zu gewöhnen", erinnert sich der Österreicher.

Doch er biss sich rein und ackerte wie ein Verrückter. Ein Engagement, das sich schnell auszahlte. Noch im Dezember feierte Jakupovic sein Startelfdebüt in der Liga und schnürte dabei als Willkommensgruß direkt einen Doppelpack. Seit diesem Zeitpunkt verpasste er fast keine Spielminute mehr.

Die Krone im Gepäck

Vor allem seine Freistöße haben es den Engländern angetan. Mit einer Engelsgeduld bleibt er nach dem Training auf dem Platz und zwirbelt die ruhenden Bälle auf den Kasten. Fleißarbeit, die auch am Trainer nicht vorbeigeht. Ruht der Ball im Spiel der Boros, schreitet inzwischen immer Jakupovic zur Kugel und versucht sein Glück. Er selbst sieht diese Verantwortung als etwas "Besonderes" an, schließlich ist er mit 18 Jahren weiterhin der jüngste Spieler im Kader.

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"Er arbeitet sehr hart an sich und ist inzwischen in England so richtig angekommen", erklärt sein U21-Trainer Paul Jenkins: "Es sind nicht nur seine Tore, die wichtig sind für uns. Es ist vor allem auch sein Beitrag zum Spiel. Er ist inzwischen anerkanntes Mitglied der Mannschaft und sein Englisch wird auch besser. Über seine fußballerischen Qualitäten müssen wir nicht reden."

Jenkins gerät ins Schwärmen, wenn er über den Stürmer mit serbischen Wurzeln spricht. 12 Tore in 15 Spielen erzielte die Lebensversicherung Jakupovic in der zurückliegenden Saison. Obwohl die Liga vollgestopft ist mit zahlreichen Megatalenten der Premier-League-Klubs, sicherte sich Jakupovic direkt in seiner ersten Saison die Torschützenkrone.

"Coolness ist einzigartig"

Wirkliche Werbung für seine Person muss das Juwel deshalb nicht mehr machen. Bei den meisten Klubs ist er bereits auf dem Radar aufgetaucht. Derzeit präsentiert er sich jedoch erneut auf der internationalen Bühne. Bei der U19-EM kämpft er mit Österreich im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland um das Halbfinale (So., 19.30 Uhr im LIVETICKER).

Speziell nach der Nichtnominierung des Salzburger Talents Konrad Laimer gilt er auch in der Nationalmannschaft als Leistungsträger und Leader. "Arnel denkt anders als die meisten Stürmerkollegen", erklärt U19-Trainer Rupert Marko. "Wenn er eine Chance verhaut, ist er nicht frustriert, sondern sagt sich: 'Super gemacht, Torwart!' Er bleibt immer positiv. Vor allem aber: Seine Coolness vor dem Tor ist einzigartig. Das ist eine Begabung, die du nicht lernen kannst."

Welche Pläne die Verantwortlichen in Middlesbrough nach der EM mit ihm haben, steht noch in den Sternen. Die Profimannschaft des Teams hat unter der Führung des früheren Mourinho-Assistenten Aitor Karanka den Aufstieg geschafft und tritt 2016/2017 in der Premier League an. Bereits in der letzten Saison durfte er bei den Profis hin und wieder mittrainieren.

"Die Trainer bei den Profis setzen sehr auf junge Spieler. Außerdem habe ich in der zweiten Mannschaft einen Stammplatz. Wenn ich mich weiterhin beweise, werde ich schon bald im Profi-Kader dabei sein", erklärte Jakupovic. Selbstbewusste Worte für einen 18-Jährigen, der vor einem Jahr niemandem auffiel - außer eben den Scouts von Middlesbrough.

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