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Fussball

FCK wechselt vor Relegation Trainer: Das ist der aktuelle Stand beim 1. FC Kaiserslautern

Von SPOX
Beim FCK ist das Chaos wieder einmal groß.

Der 1. FC Kaiserslautern hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt und sich von Trainer Marco Antwerpen getrennt - trotz auf den ersten Blick erfolgreicher Saison und dem Erreichen der Aufstiegsrelegation. Wie geht es beim Drittligisten weiter und warum kam es zu dem Schritt?

FCK: Was ist passiert?

"Der 1. FC Kaiserslautern und Trainer Marco Antwerpen gehen mit sofortiger Wirkung getrennte Wege. Zu dieser Entscheidung kamen die FCK-Verantwortlichen nach einer intensiven Analyse der aktuellen Situation." Das teilte der Traditionsklub aus der Pfalz am Dienstag kurz und knapp auf seiner Vereinshomepage mit.

Antwerpen hatte den FCK im Februar 2021 übernommen und in der schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte mit einem starken Schlussspurt gerade noch so den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft. In der aktuellen Spielzeit lief es deutlich besser, nach Fehlstart (6 Punkten aus 8 Spielen) waren die Lauterer vor allem zuhause eine Macht und standen lange auf einem direkten Aufstiegsplatz.

Durch drei Niederlagen in Folge zum Abschluss der Saison - am kommenden letzten Spieltag hat der FCK durch die Abmeldung von Türkgücü München spielfrei - wurde diese Platzierung allerdings verspielt, Eintracht Braunschweig steigt direkt auf. Für Lautern geht es stattdessen "nur" in die Relegation, Gegner ist dort am 20. und 24. Mai Dynamo Dresden. Der 16. der 2. Liga ist im aktuellen Kalenderjahr noch ohne einen einzigen Sieg.

FCK: Warum musste Marco Antwerpen gehen?

Der 50-Jährige, der in insgesamt 52 Ligaspielen die Roten Teufel betreute und den Klub gemeinsam mit Co-Trainer Frank Döpper verlässt, hatte dem Klub, der im Vorjahr am Abgrund wandelte, neues Leben eingehaucht. Seine emotionale Art kam auch bei den Fans und im Vereinsumfeld gut an, auch wenn er hin und wieder über die Stränge schlug und sich auch mal mit gegnerischen Offiziellen anlegte.

Die genauen Umstände der Trennung sind wie gewöhnlich nicht bekannt, Gerüchte gibt es viele. So habe der Rückhalt Antwerpens in großen Teilen der Mannschaft zunehmend abgenommen, vor der Saison hatte er mit Mike Wunderlich und Rene Klingenburg zwei alte Vertraute aus Zeiten von Viktoria Köln an den Betzenberg gelotst.

An wiederkehrenden Spekulationen, wonach Schalke 04 an einer Verpflichtung Antwerpens interessiert sei, ist zwar übereinstimmenden Medienberichten zufolge nichts dran, für Unruhe haben sie dennoch gesorgt. Zumal sich der Vertrag des Coaches wohl nur im Aufstiegsfall verlängert hätte, wodurch keine langfristige Planungssicherheit für beide Seiten herrscht.

Die Spielweise Antwerpens, aus einer massiven Abwehrreihe mit schnellem Umschalten und häufig mit langen Bällen zu agieren (vor allem nach dem Wintertransfer von Terrence Boyd), war bis auf einige Ausnahme nicht sonderlich attraktiv, doch erfolgreich. Der FCK stellt mit 27 Gegentreffer die deutlich beste Defensive der Liga.

Doch insbesondere die jüngsten beiden Auftritte, ein 1:3 gegen Dortmund II sowie das 0:2 bei Abstiegskandidat Viktoria Köln, waren über weite Strecken besorgniserregend schwach, auch die Körpersprache eines Großteils der Mannschaft stimmte nicht. Mit vier Punkten aus diesen beiden Spielen wäre der direkte Aufstieg perfekt gewesen, die Tendenz stimmte ganz und gar nicht.

War bereits am Montag über eine Trennung spekuliert worden, sogar der Name von Ex-Stürmer Miroslav Klose wurde gehandelt, dauerte es bis zum Dienstagnachmittag, ehe sich der Verein zu Wort meldete. Vorausgegangen war eine Sitzung des Beirates der ausgegliederten GmbH & Co. KGaA, nach der der Daumen im Bezug auf Antwerpen gesenkt wurde. Und direkt ein neuer Trainer präsentiert wurde.

FCK: Wer ist der neue Trainer in Kaiserslautern?

Dirk Schuster heißt der neue starke Mann in Kaiserslautern. Bekannt ist dieser vor allem aus seiner Zeit in Darmstadt, die Lilien führte er von der 3. in die 1. Liga und schaffte dort sogar einmal mit dem geringsten Etat aller Bundesligisten den Klassenerhalt. Außerdem trainierte er die Stuttgarter Kickers, den FC Augsburg und zuletzt Erzgebirge Aue.

Gemeinsam mit Schuster kommt Co-Trainer Sascha Franz auf den Betzenberg. Am Mittwochnachmittag leitet der 54-Jährige seine erste Trainingseinheit, im Anschluss wird er auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Sein Vertrag soll unabhängig vom Abschneiden in der Relegation bis 2024 laufen.

Wenig verständnisvoll zeigte sich Antwerpen in einer ersten Reaktion bei Sport1: "Ich bin geschockt und traurig über diese Entscheidung. Ich wollte mit diesem Klub aufsteigen, habe alles dafür gegeben und nun diese wahnsinnige Entscheidung." Die Mannschaft habe voll hinter ihm gestanden, lediglich Geschäftsführer Thomas Hengen, der Schuster noch aus Spielerzeiten kennt, hätte dies anders gesehen. "Das muss ich jetzt erstmal sacken lassen. Ich bedanke mich bei den Jungs und diesen fantastischen Fans. Ich hoffe, dass der Aufstieg gelingen wird."

Doch damit nicht genug der Unruhe: Im Anschluss an die Bekanntgabe des Trainerwechsels trat mit Fritz Fuchs ein Beirats- und Aufsichtsratsmitglied zurück, da er nicht damit einverstanden war, dass Antwerpen nicht zumindest vor dem Beirat die Möglichkeit gegeben wurde, Stellung zu nehmen. "Der Fußball ist ein ganz gemeines Geschäft. Es geht in diesem Sport wie auch im Leben nicht ohne das Prinzip Klarheit/Wahrheit."

Antwerpen-Berater Stefan Backs hatte ebenfalls gegen den Klub geschossen: "Solche gezielt gestreuten Gerüchte (Antwerpen zu Schalke, Anm. d. Red.) passen zum Bild, das der Klub gerade abgibt. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Profiverein, der noch in die 2. Bundesliga aufsteigen kann, so chaotisch auftritt."

FCK: Wie steht der Verein da?

Das Chaos kommt zur Unzeit. Über weite Strecken hatte der FCK eine starke Saison gespielt, nach dem emotionalen Derbysieg gegen Saarbrücken in Unterzahl deutete alles auf Platz zwei und die Rückkehr in die 2. Liga nach vier Jahren hin. Nun ist die Stimmung vollends gekippt, obwohl die Chance in der Relegation gegen einen durchaus schlagbaren Gegner weiterhin absolut gegeben ist.

Die Euphorie war groß, zu den vergangenen beiden Heimspielen pilgerten jeweils knapp 50.000 Besucher auf den Betzenberg. Dringendste Aufgabe der Klubführung um Hengen ist es nun, im Rahmen der Schuster-Vorstellung offen Stellung zu beziehen, mögliche Missverständnisse auszuräumen und den Blick wieder vollends auf das Sportliche zu richten. Genug Zeit zur Vorbereitung auf die Spiele gegen Dresden ist da.

Dass der Aufstieg für Kaiserslautern allein aus finanziellen Gründen nahezu Pflicht ist, ist keine neue Erkenntnis. Trotz reduzierter Pacht sind die Ausgaben für das Fritz-Walter-Stadion in Liga drei zu hoch, mit der teuren Verpflichtung von Boyd wurden die Ansprüche nach der Vorrunde nochmals untermauert. Mit den Geschehnissen in den vergangenen Tage hat man sich beim Erreichen der Ziele unnötigerweise zusätzliche Steine in den Weg gelegt.

3. Liga: Die Tabelle vor dem letzten Spieltag

PlatzTeamSpieleTordiff.Punkte
11. FC Magdeburg354075
2Eintracht Braunschweig352664
31. FC Kaiserslautern362963
4TSV 1860 München351458
5VfL Osnabrück351258
6Waldhof Mannheim351157
71. FC Saarbrücken35652
8SV Wehen Wiesbaden35550
9Borussia Dortmund II35649
10SC Freiburg II35-846
11FSV Zwickau35-544
12SV Meppen35-1444
13Hallescher FC35-242
14Viktoria Köln35-1442
15MSV Duisburg35-2541
16SC Verl35-1039
17FC Viktoria 1889 Berlin35-1737
18Würzburger Kickers35-1830
19TSV Havelse35-3623
20Türkgücü München000
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