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Fussball

Lukas Nmecha: In England geformt, von Kuntz überzeugt - wird er Flicks Geheimwaffe?

Von Kerry Hau
Lukas Nmecha könnte beim Länderspiel gegen Liechtenstein erstmals für die A-Nationalmannschaft zum Einsatz kommen.

Lukas Nmecha könnte beim Länderspiel gegen Liechtenstein erstmals für die A-Nationalmannschaft zum Einsatz kommen. Über den Stürmer des VfL Wolfsburg - und was ihn auszeichnet.

Hansi Flick konnte sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen, als er auf der Pressekonferenz vor dem letzten Heim-Länderspiel des Jahres gegen Liechtenstein (Do., 20.45 Uhr) die ihm coronabedingt nur noch begrenzt zur Verfügung stehenden Offensivoptionen aufzählte - und dabei auf Debütant Lukas Nmecha zu sprechen kam.

"Ein guter Spieler" sei der seit dieser Saison für den VfL Wolfsburg aktive Angreifer, sagte Flick und fügte in bester Franz-Beckenbauer-Schaunmermal-Manier an: "Man wird sehen, ob er im heimischen Stadion in der Startelf steht. Ich heize hier mal die Spekulationen an."

Viel zu spekulieren gibt es in puncto Stürmer-Position jedoch nicht. Timo Werner fehlt mit einer Zerrung, Karim Adeyemi, Serge Gnabry und Jamal Musiala sind im Zuge des Corona-Wirbels um Niklas Süle am Mittwoch abgereist. "Wir jammern nicht", stellte Flick klar, "jetzt bekommen eben andere Spieler ihre Chance". Vielleicht Kai Havertz, der unter Thomas Tuchel beim FC Chelsea häufiger an vorderster Front eingesetzt wird. Oder eben Nmecha. Ein Neuling in der A-Nationalelf, aber längst kein Unbekannter mehr beim DFB.

Lukas Nmecha schoss Deutschlands U21 zum EM-Titel

Nmecha verhalf der deutschen U21 im vergangenen Sommer maßgeblich zum Gewinn der Europameisterschaft. Er erzielte vier Turniertreffer, darunter den einzigen und entscheidenden beim 1:0 im Finale gegen Portugal. Der Mann für die wichtigen Tore war der 22-Jährige auch schon in vorherigen Turnieren - beispielsweise bei der U19-EM 2017.

Allerdings trug er damals nicht den Adler, sondern die Three Lions auf der Brust. Insgesamt 31 Spiele machte er für die Juniorenmannschaften der Engländer, ehe ihn Ex-U21-Nationalcoach Stefan Kuntz in mehreren persönlichen Gesprächen von einem Wechsel zum DFB überzeugte.

Nmecha betitelt Deutschland heute als seine "Heimat". 1998 als Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen in Hamburg geboren, zog er mit seiner Familie aber im Alter von neun Jahren auf die Insel, weil sein Vater in Hamburg keinen passenden Job fand.

In England angekommen, machte Nmecha seine ersten fußballerischen Schritte auf Vereinsebene. "Als Kind habe ich in Deutschland nur im Park gespielt und so den Fußball gelernt", berichtet er. Zunächst versuchte Nmecha - ähnlich wie übrigens sein heutiger Nationalmannschaftskollege Musiala - sein Glück bei einer Art Schulmannschaft. Doch schnell sprach sich herum, dass es sich um einen überaus talentierten Jungen handelte.

Lukas Nmecha: Von City entdeckt - von Guardiola gelobt

"Schon nach einem Monat wurde ich entdeckt und habe danach direkt bei Manchester City angefangen", sagt Nmecha und kann sich bis heute nur schwer erklären, wie der Wechsel so schnell über die Bühne gehen konnte.

Die Verantwortlichen waren derart überzeugt von Nmechas Talent, dass er ohne Probetraining oder Vorerfahrungen in anderen Klubs sofort bei City starten durfte.

Dieser Weg führte ihn bis in die Premier League, in der er unter Pep Guardiola im April 2018 gegen West Ham Unitd sein Debüt feiern durfte. Statt mit seinen Hamburger Kumpels im Park stand er plötzlich in Englands Eliteliga vor 56.000 Zuschauern zusammen mit Weltstars wie Raheem Sterling, Kevin De Bruyne oder Leroy Sane auf dem Rasen.

"Lukas hat eine gute Perspektive. Er ist hungrig, hört dir mit offenen Augen zu", lobte Guardiola seinerzeit. Wegen der hohen Konkurrenz im Angriff der Citizens kam es aber trotzdem zu einigen Leihgeschäften.

Lukas Nmecha: Über Anderlecht, die EM und Wolfsburg in Flicks Startelf?

Das Sprungbrett RSC Anderlecht sowie die EM 2021 nutzte Nmecha schließlich für den Wechsel nach Wolfsburg. Acht Millionen Euro überwies der Werksklub nach Manchester, eine Summe, die sich bereits frühzeitig auszuzahlen scheint. Nach anfänglichen Schwierigkeiten startet Nmecha allmählich bei den Wölfen durch, steht nach 15 Einsätzen bei sechs Treffern.

Was ihn auszeichnet: Er braucht nur wenige Chancen für seine Tore. Dem Expected-Goals-Modell zufolge hat Nmecha in dieser Saison 1,4 Tore mehr erzielt als anhand seiner Chancen zu erwarten gewesen wäre. Diese Kaltschnäuzigkeit will Flick jetzt auch in der Nationalmannschaft sehen.

"Wir hoffen natürlich, dass Lukas jetzt so weitermacht wie aktuell in Wolfsburg", sagte auch Thomas Müller auf der Pressekonferenz am Mittwoch, "im Training hat er schon gut ausgesehen und einige Stürmer-Tore gemacht. Er fühlt sich im Strafraum wohl und ist gierig nach Toren". Nmecha komme "dem Idealbild Mittelstürmer sehr nahe".

Eine möglicherweise gute Nachricht für den DFB, fehlte in den vergangenen Jahren seit dem Abschied von Miroslav Klose doch genau dieser Spielertyp.

Deutschland vs. Liechtenstein: Die Gruppe J

PlatzMannschaftSpieleToreDifferenzPunkte
1Deutschland823:32021
2Rumänien811:8313
3Nordmazedonien815:10512
4Armenien88:11-312
5Island811:15-48
6Liechtenstein82:23-211
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