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Fussball

Das sind Deutschlands Problemzonen

Von Für SPOX in Berlin: Fatih Demireli / Stefan Rommel
Philipp Lahm wird das DFB-Team auch gegen die Türkei als Kapitän aufs Feld führen
© Getty

Ins EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und der Türkei geht die deutsche Nationalmannschaft als Favorit - und trotzdem drücken das Team von Bundestrainer Joachim Löw auch ein paar Probleme.

"Es ist das Spitzenspiel in der Gruppe. Man kann da ein Zeichen setzen", sagt Kapitän Philipp Lahm.

Aber auch der Münchener selbst ist eines der Sorgenkinder beim WM-Dritten vor dem wichtigen Spiel gegen den vermeintlich härtesten Konkurrenten in Qualifikationsgruppe A. Die deutschen Problemzonen...

Die Doppel-Sechs

Bastian Schweinsteigers Ausfall wiegt schwer. Viel schwerer, als man im ersten Moment annehmen möchte. "Sein Ausfall tut weh. Er ist für uns eminent wichtig. Er kann mit seiner Sicherheit, seiner Ausstrahlung und seinem Tempo ein Team führen. Aber wir werden eine Lösung finden", sagt Lahm.

Zwar war der Bayern-Spieler auch noch längst nicht bei hundert Prozent seiner Schaffenskraft angelangt, im Zusammenspiel mit Sami Khedira aber hat sich das defensive Mittelfeld der Deutschen bei der WM einen vorzüglichen Namen gemacht.

Khedira rückte damals von der Bank in die Mannschaft, nachdem Michael Ballack ausgefallen war. Ähnlich wird es jetzt mit Toni Kroos (offensive Variante) oder Christian Träsch (defensive Variante) sein.

Unterschiede zum Ballack-Ausfall

Im Vergleich zur WM gibt es aber zwei entscheidende Unterschiede: Weder Kroos noch Träsch reisen mit großem Selbstvertrauen und Spielpraxis auf der Position vor der Abwehr an. Kroos rotiert bei den Bayern wahlweise auf links, rechts oder zentral im offensiven Mittelfeld, bisweilen sogar auf die Bank.

Träsch musste beim Tabellenletzten VfB Stuttgart in den ersten Wochen den Rechtsverteidiger geben, rückte zuletzt eine Position vor ins rechte Mittelfeld.

Und: Der Ballack-Ausfall schaffte zwar neue Gegebenheiten und ein großes Vakuum - vor der WM war aber noch genügend Zeit, sich mit der Situation zu arrangieren und vor allen Dingen Khedira und Schweinsteiger einzuspielen. Mehr als drei Wochen, etliche Trainingseinheiten und drei Testspiele hatte Löw damals Zeit. Jetzt bleiben lediglich drei Tage.

"Es wird gegen die Türkei schwer, weil ein gutes Mittelfeld-Paar auseinander gerissen ist. Schweinsteiger und Khedira gehörten laut Fifa zu den fünf WM-Spielern mit den stärksten Laufleistungen", weiß Oliver Bierhoff. Trotzdem bleibt der Teammanager optimistisch. "Wir haben es immer geschafft, Ausfälle zu kompensieren, wie den von Michael Ballack vor der WM."

Die Außenverteidigung

Philipp Lahm läuft seit Beginn der Saison seiner Form hinterher. Zuletzt in Dortmund zeigte der Kapitän eine schwache Vorstellung, von der gewohnten Selbstverständlichkeit in seinem Spiel ist derzeit kaum noch etwas zu sehen.

Defensiv ist Lahm noch solide, wenngleich auch nicht konsequent fehlerfrei. Sein Offensivspiel bereitet Sorgen. Der Münchener wirkt erstaunlich träge und manchmal auch verunsichert, was bei einem Spieler seiner Klasse und Erfahrung nur sehr selten vorkommt.

Jerome Boateng war lange verletzt und gab erst kürzlich sein Debüt für ManCity. Bisher hat Boateng erst drei Saisonspiele absolviert.

Der Angriff

Drei nominelle Stürmer hat Löw in seinem Kader. Dass Miroslav Klose gegen die Türkei beginnen wird, steht wohl außer Frage. In beiden bisherigen EM-Quali-Spielen hat der Münchener schon getroffen - im Verein aber noch gar nicht.

Hier musste Klose sogar auf der völlig ungewohnten Position im zentralen offensiven Mittelfeld ran, mit eher mäßigem Erfolg. Als Sturmspitze brachte ihn Louis van Gaal zuletzt vor drei Wochen.

Immerhin hat Klose aber schon sechs Partien von Beginn an absolviert und kann damit so etwas wie die nötige Spielpraxis vorweisen. Ganz im Gegensatz zu Mario Gomez. Der durfte erst ein einziges Mal von der ersten Minute an spielen, ansonsten stehen fünf Einwechslungen mit jeweils weniger als 20 Minuten Spielzeit im Protokoll. Und null Bundesligatore.

Cacau ist der einzige, der in der Liga schon getroffen hat. Aber auch seine zwei Saisontore machen die Lage in Stuttgart nicht besser. Mit dem VfB steckt Cacau in einer fürchterlichen Krise, als einer der wenigen verbliebenen Führungsspieler ist auch der 29-Jährige derzeit überfordert.

Mittelfeld-Chef Khedira bleibt trotz der ernüchternden Zahlen entspannt. "Das Thema nervt und wird wohl 365 Tage im Jahr diskutiert. Es war vor der WM so, dass wir angeblich kein Mittelfeld und keinen Sturm haben - aber wir haben einen super Fußball gespielt und viele Tore geschossen. Das wird alles sehr hochstilisiert. Das sind exzellente Fußballer und wenn sie gebraucht werden, sind sie auch da."

Die WM-Nachwehen

Viel zitiert, aber doch so schwer zu belegen. Trotzdem fällt auf: Kaum einer der WM-Fahrer hat im bisherigen Saisonverlauf an seine Leistung vom Juni und Juli anknüpfen können.

Den körperlichen und geistigen Strapazen folgte eine ziemlich kurze Regenerationszeit, das Ergebnis sind ermattete Spieler, die derzeit ihrem Leistungsniveau hinterherrennen - während im Laufe der Weltmeisterschaft bei so ziemlich jedem ein kontinuierlicher Formanstieg zu erleben war.

Als Entschuldigung will Bierhoff das aber nicht gelten lassen.

"Natürlich haben gerade die Nationalspieler ein anstrengendes Jahr. Doch nur die WM als Erklärung für schlechte Leistungen ist zu einfach und falsch! Sicherlich war die Belastung groß. Aber in den Länderspielen nach der WM wirkten unsere Spieler motiviert und fit."

Die Spieler sehen das ähnlich, zumindest in der offiziellen Version. "Wir haben gegen Belgien und Aserbaidschan schon gezeigt, dass wir die Probleme hinter uns lassen und in der Nationalmannschaft unsere Leistung abrufen können", sagt Lahm, der die Bayern-Krise nicht mit zur Nationalmannschaft nehmen will.

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