Cookie-Einstellungen
Fussball

Mittelmaß und zweimal Spaß

Von Stefan Rommel / Andreas Lehner
Da schlägt's ein: Mario Gomez erzielte gegen Südafrika das 1:0 für Deutschland
© Getty

Die deutsche Nationalmannschaft hat das Testspiel in Leverkusen gegen Südafrika 2:0 (1:0) gewonnen. Die Tore erzielten Mario Gomez (36.) und Mesut Özil (77.).

Nach dem zuletzt schwachen Auftritt gegen Aserbaidschan, zeigte sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw vor 29.569 Zuschauern in Leverkusen leicht verbessert.

Im letzten Test vor dem vorentscheidenden WM-Quali-Spiel in Russland (10. Oktober) probierte Löw auch ein neues System mit nur einem Stürmer.

"Der Trainer wollte etwas verändern. Wir haben ein bisschen Abwechslung gebraucht, das hat ganz gut funktioniert. Wir sind auch hinten gut gestanden, die Ordnung hat gestimmt, wir haben ruhiger gespielt und teilweise sehr gute Angriffszüge gezeigt", sagte Kapitän Michael Ballack. Am Mittwoch trifft Deutschland in Hannover auf Aserbaidschan.

Vor dem Spiel wurde der ehemalige Nationalspieler Bernd Schneider geehrt und offiziell verabschiedet. Der Mittelfeldspieler hatte seine Karriere wegen einer Rückenverletzung beenden müssen.

Die Aufstellungen:

Deutschland: Adler - Lahm, Friedrich, Tasci (46. Westermann), Schäfer - Ballack (80. Gentner), Rolfes (73. Khedira) - Schweinsteiger (84. Trochowsk), Özil, Marin (46. Podolski) - Gomez (46. Klose)

Südafrika: Fernandez - Gaxa, Fransman (60. Tshabalala), Mokoena, Masilela - Pienaar (83. van Heerden), Mhlongo, Dikgacoi, Gould (60. Khenyeza) - Parker, Mphela (83. van Heerden)

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Löw mit mehreren Überraschungen. Miroslav Klose muss auf die Bank, dafür beginnt Marko Marin. In der Innenverteidigung beginnen Friedrich und Tasci. Im defensiven Mittelfeld agiert Simon Rolfes. Mesut Özil feiert sein Startelf-Debüt.

8.: Ganz starker Pass von Özil in die Tiefe auf Gomez. Der zieht aus spitzem Winkel von rechts mit links ab - der Ball geht knapp über die Latte.

28.: Erste Möglichkeit für Südafrika. Masilela kurvt von rechts nach innen und schließt mit links ab. Die Kugel geht knapp am langen Pfosten vorbei.

36., 1:0, Gomez: Rolfes spielt Özil am Strafraum an. Der steckt sofort auf den von links einlaufenden Ballack durch. Der Kapitän grätscht den Ball mit links zur Mitte und Gomez muss aus drei Metern nur noch einschieben.

37.: Freistoßflanke von Pienaar aus dem linken Halbfeld. Friedrich verlängert Richtung eigenes Tor und Adler taucht den Ball stark aus der rechten Ecke.

Halbzeit-Fazit: Die DFB-Elf ist klar die bessere Mannschaft, kann sich aber nur wenig Chancen erspielen. Die Führung geht aber in Ordnung.

46.: Dreifachwechsel beim deutschen Team: Klose, Podolski und Westermann kommen für Gomez, Marin und Tasci.

50.: Pienaar hält aus 28 Metern mal drauf. Der Ball geht knapp über die Latte. Adler wäre da gewesen.

66.: Özil mit der Ecke von rechts. Ballack köpft den Ball an den linken Pfosten. Der Abpraller landet bei Fernandez, Rolfes kommt einen Schritt zu spät.

67.: Pienaar spielt auf Mphela in die Gasse. Der zieht von halbrechts im Strafraum ab. Adler ist schnell unten und wehrt den Flachschuss ab. Pienaar trifft im Nachschuss nur das Bein von Westermann.

77., 2:0, Özil: Tolles Kurzpassspiel: Schweinsteiger setzt Klose in Szene und der legt direkt quer auf Özil. Der Bremer ist frei durch und schiebt links unten ein.

90.: Flacher Ball von rechts vors Tor. Khenyeza zieht aus acht Metern ab, aber Adler rettet mit einer ganz starken Parade.

Fazit: Ein verdienter Sieg für Deutschland. Die DFB-Elf war 90 Minuten lang überlegen, kann sich aber bei Adler bedanken, dass hinten die Null stand.

Der Star des Spiels: Mesut Özil. Bei seinem Startelf-Debüt vertraute ihm Löw die Position hinter der Spitze an und der Deutsch-Türke rechtfertigte das Vertrauen. Özil war an fast allen Angriffen beteiligt, überzeugte im Dribbling und mit klugen Pässen. Belohnte sich selbst mit seinem ersten Länderspieltor. Der Bremer bringt dem deutschen Team eine neue Qualität.

Die Gurke des Spiels: Bastian Schweinsteiger. Machte bei der EM 2008 gegen Portugal auf dieser Position das Spiel seines Lebens. Diesmal ein schlechteres. Der Bayer hatte kaum Bindung zum Spiel, war zu statisch und nahm dem Spiel oft das Tempo. War vor dem Tor auch zu unentschlossen und vertändelte so zwei gute Möglichkeiten.

Die Pfeife des Spiels: Claudio Circhetta. Der Schweizer hatte überhaupt keine Probleme mit der fairen Partie. Auch seine Assistenten machten alles richtig.

Die Lehren des Spiels:

Joachim Löw verzichtete gegen den klar unterlegenen Gegner auf einen Stürmer zugunsten eines Mittelfeldspielers. Ein deutliches Zeichen wie der Nationaltrainer im entscheidenden Gruppenspiel am 10. Oktober in Russland spielen will.

Bei Ballbesitz ergab sich ein 4-2-3-1, in dem Ballack und Rolfes die Doppel-Sechs bildeten, die offensive Dreierreihe stellten Marin, Özil und Schweinsteiger. Wobei vor allem die beiden Bremer viel in Bewegung waren, ihre Positionen immer wieder aufgaben und ins Dribbling gingen. Überhaupt war Özil mit allen Freiheiten ausgestattet und agierte fast als klassischer Spielmacher.

Bei Ballverlust stellten sich die Deutschen im 4-4-1-1 auf, zogen sich extrem weit zurück und waren sehr passiv. Von Pressing war überhaupt nichts zu sehen. Südafrika fehlten die Mittel, um Deutschland ernsthaft in Gefahr zu bringen. Allerdings deckten auch die Südafrikaner Schwächen in der Defensive auf.

Durch das Innenverteidiger-Casting mit Friedrich, Tasci und Westermann fehlte aber auch die Abstimmung. Als zukünftiger Partner von Mertesacker drängte sich keiner auf, wobei Friedrich den besten Eindruck hinterließ.

Die Wechsel zur Halbzeit änderten nichts an der taktischen Ausrichtung. Allerdings funktionierte das flache Spiel in die Spitze besser, weil Klose technisch und spielerisch Vorteile gegenüber Gomez hat.

Aber durch das System mit einer Spitze war das Zentrum oft nicht ausreichend besetzt. Die Folge: wenig Durchschlagskraft und kaum Torchancen. Erst gegen Ende, als die Südafrikaner müde wurden, gab es mehr Möglichkeiten.

Deutschland - Südafrika: Daten & Fakten

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung