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Fussball

"Podolski hätte Rot sehen müssen"

Von SPOX
Mitte der 2. Halbzeit: Podolski gerät mit Ballack aneinander, Per Mertesacker geht dazwischen
© Imago

Der 2:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft in Wales war ohne Zweifel ein wichtiger Sieg auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika und brachte zudem einige interessante Aspekte hervor.

Dennoch spricht nur einen Tag danach kaum einer mehr über Michael Ballacks Torgefährlichkeit, Robert Enkes souveränen Auftritt oder Joachim Löws 4-2-3-1-Experiment. Schuld daran ist Lukas Podolski, der sich Mitte der zweiten Halbzeit zu einer Handgreiflichkeit gegenüber Ballack hinreißen ließ.

War diese Aktion nun gravierend oder eine nachvollziehbare Reaktion im Eifer des Gefechts? Muss Poldi bestraft werden, oder sollte man großzügig darüber hinweg sehen?

Die Meinungen darüber gehen weit auseinander, sowohl bei den Experten als auch bei Fans. Während die Verantwortlichen der Nationalmannschaft keine Konsequenzen ziehen wollen, spricht der Schiedsrichter-Lehrwart des DFB sogar von einer Entgleisung, die der Schiedsrichter mit einer Roten Karte hätte ahnden können.

Das sagen die Beteiligten:

Lukas Podolski nach dem Spiel: "Das hat schon in der ersten Halbzeit angefangen, als mich Michael hätte anspielen müssen. In der zweiten Halbzeit hat ein Wort das andere gegeben. In der Kabine habe ich noch nicht mit ihm gesprochen, wir klären das im Hotel."

Michael Ballack: "Ich bin Kapitän und in dem Moment hat er das so zu machen. Wenn er anderer Meinung ist, können wir das nach dem Spiel klären. Leider war er anderer Meinung - und dann auch handgreiflich zu werden, ist natürlich nicht schön. Aber ich denke, er hat den Fehler schon eingesehen."

Joachim Löw: "Wenn Michael Ballack als Kapitän meine taktischen Vorgaben auf dem Platz durchsetzen will, hat Lukas das zu akzeptieren. Er hat auf einen erfahrenen Spieler wie Michael zu hören."

Oliver Bierhoff: "Lukas weiß, dass es indiskutabel ist, so mit dem Kapitän umzugehen. Wir haben deutlich gemacht, dass uns solch eine Aktion ins falsche Licht bringt. Es wird keine Geldstrafen oder sonstige Sanktionen geben. Mit Disziplinar-Maßnahmen tut man sich beim DFB schwer."

Das sagen die Experten:

Eugen Strigel (Schiedsrichter-Lehrwart des DFB) zum "sid": "Wenn es eine Backpfeife war, dann ist es eine klare Rote Karte. Unabhängig davon, ob man einen Teamkollegen oder einen Gegner schlägt."

Theo Zwanziger: "Ich sehe da gar nichts. Wir haben 2:0 gewonnen, das ist das Wesentliche an diesem Spiel. Der Vorfall ist da, Sie können darüber berichten, aber das ist nicht das Wesentliche."

Toni Schumacher im "Kicker": "Was immer da vor Podolskis Auswechslung vorgefallen ist - seine handgreifliche Aktion gegen den Kapitän zeugt von einer großen Respektlosigkeit, da ist auf jeden Fall eine Entschuldigung fällig."

Das sagen die mySPOX-User:

Siled: Vielleicht sollte man Poldi das nächste Spiel mal draußen lassen, aber dann ist die Sache gegessen. Man muss ihm intern nur klar aufzeigen, wo seine Grenzen sind. Kleiner Denkzettel für Poldi, intern klare Grenzen aufzeigen und gut ist.

hsv96fan: Das war doch niemals eine Tätlichkeit. Das ist Fußball, Leute. Der Ballack hat bestimmt auch nicht die freundlichsten Worte benutzt, so müsste dann Ballack auch gesperrt werden, aber wo würden wir denn da hinkommen?

Freejack28: So etwas gehört sich nicht. Schade nur, dass es in der Nati keine Strafen gibt. So ein Verhalten hat kein Nationalspieler an den Tag zu legen! Dachte Teamplay wird bei Jogi Löw groß geschrieben. Wenn man bei so etwas nicht reagiert, dann widerspricht sich Löw doch.

simple: Was war daran so schlimm? Wer erinnert sich nicht an die besten Zeiten von Kahn, als er für seine Abwehrspieler die Prügelstrafe wieder eingeführt hat? Oder wer erinnert sich nicht an die Szene in Bremen, als Frings den Diego bei seinem zweiten oder dritten Spiel da so richtig auf dem Platz zusammengefaltet hat, bis Baumann dazwischen ging. Wir verlangen alle, dass die Spieler alles geben und da gehen halt auch mal die Gäule mit dem einen oder anderen durch. Also alles halb so wild. Intern drüber Reden und abhaken.

Das sagt SPOX-Nationalmannschafts-Reporter Stefan Rommel:

Es war nur ein leichter Wischer und auch Meinungsverschiedenheiten gehören auf dem Platz dazu. Doch allein die Tatsache, dass sich alle Beteiligten kurz nach dem Spiel in Cardiff auf mehr oder weniger ein und dieselbe Außendarstellung und Vorgehensweise in der Causa Podolski geeinigt hatten, lässt auf die Strahlkraft der Szene schließen, die sich erst im Nachlauf des Spiel entfalten könnte.

Ballack, Podolski, Löw und Bierhoff waren bemüht, die Sache schon im Keim sehr klein zu halten. Unisono war von internen Gesprächen die Rede, in denen der Streit aus der Welt geschafft werden soll. Das ist soweit völlig in Ordnung, offenbar haben alle aus dem kleinen Desaster der Bierhoff-Löw-Ballack-Frings-Auseinandersetzung und ihrem medialen Donnerhall gelernt.

Doch intern muss auch sehr deutlich, unter Umständen auch in Verbindung mit Konsequenzen, geklärt werden, dass ein Verhalten wie das von Podolski nicht tragbar ist. Da spielt es auch keine Rolle, ob das "Opfer" nun Kapitän oder die Nummer 18 auf der Bank ist. Ballacks Worte vom "jungen Spieler Podolski, der noch viel lernen muss" hören sich anmaßend an. Im Grunde hat der Kapitän aber Recht. Podolskis Aktion lieferte ihm den stichhaltigen Beweis.

Michael Ballack im Interview zu Poldis Ohrfeige

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