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Tottenham Hotspur - FC Bayern München 2:7: Gnabry-Viererpack! FCB deklassiert Spurs

Der FC Bayern München feiert gegen Tottenham Hotspur den zweiten Sieg im zweiten Spiel.

Der FC Bayern hat in der Champions League ein dickes Ausrufezeichen gesetzt: Im zweiten Gruppenspiel der Champions League kamen die Münchner bei Vorjahresfinalist Tottenham Hotspur zu einem historischen 7:2 (2:1)-Schützenfest. Trainer Niko Kovac gab sich anschließend zwar hochzufrieden, übte aber auch ein wenig Kritik. Im Mittelpunkt stand Serge Gnabry, dem ein sensationeller Viererpack gelang.

"Das war eine Sternstunde der gesamten Mannschaft", sagte Kovac nur Minuten nach einem für den FC Bayern historischen Champions-League-Spiel mit insgesamt neun Toren. So etwas hatte es in einer Partie in der Königsklasse mit Beteiligung der Bayern noch nie gegeben. Überhaupt hat der FC Bayern nie mehr als sieben Tore in einem CL-Spiel erzielt.

Doch angeführt von einem im zweiten Durchgang entfesselten und "fantastischen" (Kovac) Serge Gnabry, der einen Viererpack schnürte, gelang den Bayern dieses Kunststück ein drittes Mal in seiner Klubgeschichte (vorher gegen AS Rom und Sporting Lissabon). "Ich habe eine Saison auf mein erstes Tor in der Champions League gewartet. Aber das ich heute gleich vier schieße, das habe ich mir vorher nicht erträumt", sagte der Matchwinner im Anschluss an die Partie.

Dass die Bayern am Ende einen so überzeugenden Sieg in London feiern durften, lag jedoch auch an einem glänzend aufgelegten Manuel Neuer. Dieser parierte in der ersten halben Stunde, in der die Spurs phasenweise besser als die Bayern und verdient in Führung waren, zweimal stark gegen Heung-Min Son und einmal gegen Tanguy Ndombele.

Im zweiten Durchgang zeigte er außerdem beim Stand von 4:2 eine Weltklasse-Parade gegen den eingewechselten Christian Eriksen. "Wir wussten, was uns in London erwartet, und das haben wir in den ersten 25 Minuten auch erlebt. Tottenham hat sehr viel Druck gemacht, aber Manuel Neuer hat uns zum Glück im Spiel gehalten. Danach hat meine Mannschaft das sehr gut gemacht.", sagte Kovac, der bei seiner Mannschaft im ersten Durchgang teilweise die nötige Aggressivität vermisst habe. Auch deshalb werde er "nicht in Euphorie verfallen".

Während sich die Bayern in der Gästekurve im sich schnell leerenden Tottenham-Hotspur-Stadium feiern ließen, verließen die Spurs den Rasen mit gesenkten Häuptern. Trainer Mauricio Pochettino sprach nach der Demütigung seiner Mannschaft von einem eigentlich ausgeglichenen Spiel, in dem man "nur drei Punkte verloren" habe. "Wir schämen uns für das Resultat. Wir können ihnen nur sagen, dass wir uns genauso schlecht fühlen wie sie", wandte er sich abschließend an die eigenen Fans.

Tottenham Hotspur gegen FC Bayern: Die Stimmen zum Spiel:

Niko Kovac (Trainer FC Bayern) ...

... über das Spiel: "Das konnte man sich natürlich nicht erträumen. Wir wussten, was uns hier erwartet und das haben wir in den ersten 25 Minuten auch erlebt. Es war ein sehr intensives Spiel und Tottenham hat viel Druck gemacht. Da hat uns der Manuel im Spiel gehalten, das muss man ganz klar sagen. Das 2:1 hat die Sinne geschärft und die zweite Halbzeit war dann so, wie ich mir das vorstelle. "Es war ein toller Abend für den FC Bayern, für den deutschen Fußball. Hier so ein Spiel abzuliefern, das ist einzigartig."

... über die Anfangsphase: "Wir hatten überlegt, ob wir taktisch etwas umstellen. Uns hat die Aggressivität gefehlt, wir waren in keinem Zweikampf drin. Wir haben uns nur seitlich verschoben und die Räume nicht geschlossen. Nach der 30. Minute hat sich Lewy mal den Ball erkämpft, das war einen Initialzündung und dann war das richtig gut."

... über Serge Gnabry: "Ich möchte erst einmal alle hervorheben, die heute gespielt haben. David Alaba hat sich die Rippen geprellt und mit Atembeschwerden 45 Minuten durchgehalten. Serge hat heute eine Sternstunde erlebt, das ist fantastisch. Nach vorne weiß ich, was er kann, aber in der zweiten Halbzeit hat er mir auch gegen den Ball richtig gut gefallen."

Mauricio Pochettino (Trainer Tottenham Hotspur) ...

... über den Start ins Spiel: "Wir sind gut gestartet. Nach 30 Minuten konnte niemand damit rechnen. Sie waren eiskalt vor dem Tor. Es war eines dieser Spiele, in denen der Gegner mit jedem Schuss getroffen hat. Das Spiel war ausgeglichen, aber das Gefühl ist schrecklich. Wir müssen zusammenstehen und weitermachen."

... über den Spielverlauf: "Wir hatten Chancen, wir waren da. In den letzten sieben Minuten haben wir drei Tore bekommen. Das müssen wir jetzt abhaken, wir haben nur drei Punkte verloren."

... über den Blick in die Zukunft: "Wir müssen da zusammen durch, das ist das Wichtigste. Wir müssen ruhig bleiben und dürfen nichts überstürzen. Die Vorbereitung auf das nächste Spiel geht jetzt los, wir müssen ein paar kleine Veränderungen vornehmen und etwas anders arbeiten."

.... zu den Fans: "Wir schämen uns für das Resultat. Wir können ihnen nur sagen, dass wir uns genauso schlecht fühlen wie sie. Wir sind sehr enttäuscht."

Tottenham Hotspur - FC Bayern: Die Analyse zum Spiel

Trainer Niko Kovac änderte die Startelf gegenüber dem 3:2 in Paderborn auf zwei Positionen. Für den am Knie verletzten Lucas Hernandez spielte David Alaba links in der Viererkette und im Mittelfeld ersetzte Corentin Tolisso den zuletzt schwachen Thiago.

Gleichwohl konnte auch der Franzose der FCB-Hintermannschaft zusammen mit Nebenmann Kimmich zunächst nicht die erhoffte Stabilität geben. Denn nach der ersten Gästechance durch Serge Gnabry, die Hugo Lloris mit den Fäusten vereitelte, erspielten sich die Spurs eine Chance nach der anderen.

Zweimal musste Manuel Neuer gegen den Ex-Hamburger Heung-Min Son retten (6., 10.), beim dritten Versuch des Koreaners hatte er dann das Nachsehen (12.). Vorausgegangen war dem Treffer ein haarsträubender Fehlpass von Tolisso, der danach zu Unrecht ein Foulspiel reklamierte.

Nur drei Minuten danach gelang dem nicht attackierten Kimmich mit einem Sonntagsschuss aus 20 Metern der überraschende Ausgleich, das brachte aber weder Ruhe in die unsichere Defensive noch Ideen in die harmlose Offensive.

Vielmehr reichte oft eine gelungene Aktion der Nordlondoner aus, um die komplette Münchner Abwehr auszuhebeln. Die Bayern ließen viel zu viel Raum, standen fast durchweg schlecht und wurden daher zu oft von den handlungsschnelleren Gastgebern ausgespielt. Bedanken konnte sich der Deutsche Meister beim überragenden Neuer, der mehrfach glänzend parierte. Als ihn Harry Kane einmal umspielt hatte, verhinderte Alaba das 1:2 (18.).

Auch wenn das Team die Partie in den letzten Minuten vor der Pause wieder offener gestalten konnte, so fiel die Führung durch Lewandowski nach starker Einzelaktion wie aus heiterem Himmel (45.).

Nach der Pause musste Kovac dann umstellen, weil Alaba verletzt runter musste und Pavard mangels Alternativen die linke Abwehrseite übernahm. Neu ins Spiel kam Thiago. Doch statt der Spurs spielten auf einmal die Bayern groß auf, allen voran Gnabry. Der Nationalspieler sorgte mit einem Doppelpack binnen drei Minuten (53., 55.) für die eigentlich beruhigende 4:1-Führung.

Doch nach 60 Minuten foulte Kingsley Coman unnötig Danny Rose und Kane brachte Tottenham per Elfmeter wieder zurück ins Spiel. Danach allerdings fehlte den Engländern die Durchschlagskraft, um das neue Tottenham Hotspur Stadium mit einem dritten Treffer nochmal zum Brennen zu bringen. Stattdessen sorgte der herausragende Gnabry nach einem Konter mit seinem dritten Treffer für die endgültige Entscheidung (83.).

Daten des Spiels Tottenham Hotspur - FC Bayern München

Tore: 1:0 Son (12.), 1:1 Kimmich (15.), 1:2 Lewandowski (45.), 1:3 Gnabry (53.), 1:4 Gnabry (55.), 2:4 Kane (61./FE), 2:5 Gnabry (83.), 2:6 Lewandowski (87.), 2:7 Gnabry (88.)

  • Der FC Bayern erzielte in einem CL-Spiel nie mehr Tore - zuletzt gelang das beim 7:0 gegen Donetsk im März 2015.

  • Für Gnabry waren es die Pflichtspieltore elf, zwölf, 13 und 14 im Jahr 2019 - bei Bayern hat nur Lewandowski (32) mehr. Es war sein erster Viererpack in seiner Profikarriere.

  • Sein Doppelpack binnen drei Minuten war der schnellste eines Bayern-Spielers in der Geschichte der Champions League.

  • Gnabry ist der fünfte Spieler, der in der CL vier oder mehr Tore in einem Auswärtsspiel erzielt. Zuletzt gelang das Shakhtars Luiz Adriano 2014 in Borisov.

  • Kane erzielte sein 26. Tor im Europapokal und baut damit seinen Rekord für die Spurs in UEFA-Wettbewerben aus.

Star des Spiels: Serge Gnabry (FC Bayern München)

Der Nationalspieler sparte seine Kräfte für die zweite Halbzeit. Vor dem Seitenwechsel unauffällig, netzte Gnabry zunächst nach einem Traumsolo und nur kurz darauf mit seinem schwächeren linken Fuß. Kurz vor Schluss legte er dann noch Treffer drei und vier nach.

Flop des Spiels: Jan Vertonghen (Tottenham Hotspur)

Der Belgier erwischte einen schwarzen Abend. Stand viel zu hoch bei Gnabrys erster Großchance, kam beim 1:1 durch Kimmich zu spät und war bei Lewandowskis 1:2 vollkommen orientierungslos. Auch an drei weiteren Gegentreffern beteiligt.. Ein ganz schwacher Auftritt, wenngleich er in den meisten Szenen auch von seinen Nebenleuten im Stich gelassen wurde. Toby Alderweireld war ebenfalls sehr schwach.

Der Schiedsrichter: Clement Turpin (Frankreich)

Hatte keine leichte Aufgabe in der hektischen Atmosphäre, da es aufgrund des hohen Tempos zu vielen Zweikämpfen mit einigen umstrittenen Aktionen kam. Beide wichtigen Entscheidungen gegen die Bayern vor den Gegentreffern, sowohl das nicht gepfiffene, vermeintliche Foul an Tolisso als auch Comans Einsteigen gegen Rose, das zum Elfmeter führte, waren aber vertretbar. Komplett falsch hingegen, beim klaren Foul im Strafraum von Rose an Coman nicht ebenfalls Stafstoß zu pfeifen, zumal nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichter.

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