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Fussball

Keine Schande!?

Umringt von fünf Gegenspielern: Auch Chicharito hatte einen schweren stand gegen Bate
© getty

Bayer Leverkusen hat nach dem ernüchternden Remis bei Bate Borisov nur noch geringe Chancen auf den Verbleib in der Champions League. Das 1:1 gegen die Weißrussen vervollständigt den Negativtrend in der Königsklasse, die Baustellen sind unübersehbar.

Komplett unzufrieden waren die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen nach dem 1:1 in Borisov nicht. Geschäftsführer Sport Rudi Völler war zumindest froh, dass man den Worstcase vermieden habe und "wenigstens Dritter bleibe", was in dieser Gruppe "keine Schande sei."

Auch Roger Schmidt erkannte zwar, dass Bayer "eine halbe Stunde gebraucht habe, um ins Spiel zu kommen", sah aber eine deutlich verbesserte zweite Halbzeit und "genügend Chancen, um als verdienter Sieger vom Platz zu gehen".

Am Ende des 5. Spieltags der Gruppenphase steht aber die Gewissheit, dass man nur noch sehr geringe Hoffnungen auf ein Überwintern in der Champions League haben darf. Leverkusen hat es nicht geschafft, eine Mannschaft wie Bate Borisov klar zu dominieren und sich dabei eine Vielzahl guter Chancen herauszuspielen. Die Werkself war zwar klar ballbestimmend und tonangebend, weil Bate sie ließ, fand aber viel zu selten spielerische Mittel, um eine sich einigelnde Mannschaft vor Probleme zu stellen.

Castro und Bender fehlen

Hakan Calhanoglu, der bei Bayer für genau solche Momente zuständig sein sollte, fand abgesehen von seiner Vorlage auf Admir Mehmedi überhaupt nicht statt und hatte trotz des enormen Ballbesitzes Leverkusens nur 70 Ballaktionen. Gleichzeitig bot er den robusten Mittelfeldspielern Bates kaum Gegenwehr und gewann weniger als 15 Prozent seiner Zweikämpfe. Dazu gesellen sich 19 Ballverluste.

Der Türke ist allerdings nicht der Einzige, der seine Form momentan nicht so abrufen kann wie zuletzt. Karim Bellarabi, in der letzten Saison noch einer der besten Spieler der Bundesliga, wartet auf seinem rechten Flügel oft vergebens auf Anspiele und irrt verzweifelt umher, um Bindung zum Spiel zu finden. Der Nationalspieler steht in der Liga (3) und der Königsklasse (2) bei gesamt nur fünf Scorerpoints. In der Spielzeit 2014/2015 waren es zum gleichen Zeitpunkt 15.

Der zum BVB gewechselte Gonzalo Castro und der verletzte Lars Bender, denen es in der Vergangenheit immer wieder gelang, die Außen mit Diagonalbällen in den Rücken der Abwehr in Szene zu setzen, fehlen merklich. Rückkehrer Christoph Kramer und Neuzugang Kevin Kampl, der sich in den vergangenen Wochen mit guten Leistungen auf der Doppelsechs festgespielt hat, können diese Rolle momentan nicht gleichermaßen übernehmen.

Verheißungsvoller Beginn

Dabei startete Leverkusen exzellent in die Champions-League-Saison. Eben jener Calhanoglu glänzte am ersten Spieltag mit zwei Treffern beim überzeugenden 4:1 gegen Borisov. Darauf folgte ein bitteres 1:2 in Barcelona, in dem Bayer die Katalanen lange am Rand einer Niederlage hatte.

In den beiden Partien gegen den AS Rom zeigten die Rheinländer dann zwar eine tolle Moral, in dem sie zweimal einen Zwei-Tore-Rückstand aufholten, standen aufgrund der vielen kassierten Gegentore (vier und drei) letztlich aber mit nur einem Punkt da.

Das Remis gegen Borisov bestätigt den Abwärtstrend der Leverkusener, die sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, aktuell nicht über ausreichend Qualität für die Königsklasse zu verfügen. Klar, die Gruppe war schwer und keiner erwartete Wunder von der Werkself. Nur ein Sieg aus fünf Spielen ist auf diesem Niveau aber schlichtweg zu wenig. Die ausstehende Partie gegen aktuell phänomenal aufspielende Katalanen gibt zudem wenig Grund zur Hoffnung. "Es ist schwer erklärbar, warum bei uns die Konstanz so fehlt", stellte auch Kramer fest.

Immer wieder auswärts

Bayer blieb erstmals seit über zwölf Jahren in vier CL-Gruppenspielen hintereinander sieglos. 2002/2003, als es eine Vor- und Zwischenphase gab, waren es sogar sieben Pleiten in Serie. Besonders auswärts werden immer wieder beste Ausgangssituationen verspielt. Unter dem Strich gewann Leverkusen nur zwei der letzten 23 CL-Spiele (Qualifikation ausgenommen) auf fremden Platz und kassierte satte 15 Niederlagen. Einzig San Sebastian (Dezember 2013) und Zenit St. Petersburg (November 2014) wurden besiegt.

Im vergangenen Jahr ließ man einem tollen Sieg zuhause gegen Atletico Madrid eine mutlose Vorstellung mit erschreckend schwach geschossenen Elfmetern im Rückspiel folgen. Auch gegen Borisov, dessen gesamter Kader in etwa so viel Wert ist wie Calhanoglu oder Bellarabi, wäre ein Sieg für Leverkusen nicht nur aufgrund der Tabellenkonstellation Pflicht gewesen.

Immerhin ist es der Werksmannschaft gelungen, den Super-Gau abzuwenden. Mit einer Niederlage gegen Bate wäre sogar Platz drei und die damit verbundene Qualifikation für die Europa League nur noch schwer zu erreichen gewesen. Dass man am letzten Spieltag der Gruppenphase aber aller Voraussicht nach auf Schützenhilfe des AS Rom angewiesen ist, um nicht von Bate Borisov eingeholt zu werden, kann nicht der Anspruch eines deutschen Top-Teams sein.

Borisov - Leverkusen: Die Statistik zum Spiel

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