Cookie-Einstellungen
Fussball

Bundesliga international abgehängt? Reiner Calmund: "Absolut unbefriedigend, aber nicht verheerend"

Von Stefan Petri
Reiner Calmund hat sich zum Abschneiden der deutschen Vereine in der Champions League geäußert.
© imago images

Von den vier deutschen Teams in der Champions League hat nur der FC Bayern München die Gruppenphase überstanden. Im Gespräch mit SPOX und GOAL schätzt der frühere Leverkusen-Manager Reiner Calmund die Auftritte des Quartetts ein.

Außerdem spricht der 72-Jährige über die Chancen des BVB in der Europa League und über den FC Bayern im europäischen Vergleich. In puncto Kommerzialisierung bricht Calmund dabei eine Lanze für den Rekordmeister.

Reiner Calmund über...

... das deutsche Abschneiden in der Champions League: "In der Fünfjahreswertung belegt die Bundesliga seit Jahren hinter England und Spanien gemeinsam mit Italien Platz drei oder vier. Daran wird sich auch in dieser Saison nichts ändern, trotzdem verlief die Champions-League-Vorrunde insgesamt absolut unbefriedigend. Das tut weh, aber ich bin kein Freund davon, das als "verheerend" oder dergleichen zu bezeichnen. Dortmund hätte ich mir einen Platz höher gewünscht, Wolfsburg ist eine Enttäuschung. Aber das ist kein Weltuntergang. Man sieht ja auch in der Bundesliga, dass es einige Überraschungen gibt, was die aktuellen Leistungen angeht: Freiburg und Union Berlin sind oben mit dabei, was mich sehr freut. Umgekehrt kommen erst ab Rang elf Vereine wie Leipzig, Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach."

... Dortmunds Chancen in der Europa League: "Wenn der BVB alle Spieler an Bord hat, zählt er zu den großen Favoriten im Wettbewerb. Gegen Bayern wäre in der Liga auch ein Unentschieden gerecht gewesen. Mit ein bisschen Glück - man darf nicht vergessen, dass neben Reyna auch Haaland zeitweise verletzt war - ist noch einiges drin. Bis Februar, März hat sich die Personalsituation hoffentlich normalisiert. Aber die Europa League ist sehr hochwertig besetzt, aus der Champions League kommen jetzt noch große Kaliber wie Barcelona, Sevilla oder Porto dazu. Auch die deutschen Teams wie Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig sind keine Laufkundschaft."

... RB Leipzig: "In der Gruppe A haben mit Manchester City und PSG erwartungsgemäß zwei Champions-League-Finalisten die Plätze eins und zwei belegt. Das war eine tödliche Gruppe und aus meiner Sicht ein normales Ergebnis. Das hat nichts damit zu tun, dass Leipzig weit unter den eigenen Möglichkeiten spielt, die Form stimmt nicht. Man muss aber fairerweise sagen: Sie haben mit Dayot Upamecano an Bayern München und Ibrahima Konate an Liverpool die beiden Innenverteidiger abgegeben, dazu kommt mit Marcel Sabitzer der torgefährlichste Mittelfeldspieler. Und mit Julian Nagelsmann ist ein überragender Trainer gegangen. Das macht sich halt bemerkbar."

Calmund: Was wäre Liverpool ohne Kohle vom Besitzer?

... Bayerns anfällige Abwehr: "Wir sind doch alle glücklich, dass die Bayern offensiv spielen. Sie schießen über drei Tore pro Spiel. In der Abwehr haben sie mit David Alaba einen überragenden Innenverteidiger verloren, dazu kommt Jerome Boateng. Niklas Süle und Lucas Hernandez waren lange verletzt. Wenn Joshua Kimmich und Leon Goretzka wieder topfit im zentralen Mittelfeld dabei sind, bin ich optimistisch."

... den FC Bayern im europäischen Vergleich: "Wir diskutieren darüber, warum es einen Sponsorenvertrag mit Katar gibt. Aber denken wir mal an die letzten drei Champions-League-Finals: Fällt uns bei den Besitzern etwas auf? Liverpool, Tottenham, Paris Saint-Germain, Manchester City und der FC Chelsea gehören den Golfstaaten, Investmentfirmen, englischen und russischen Geldgebern. Wir diskutieren in Deutschland über die Kommerzialisierung, aber der FC Bayern war der einzige CL-Finalist, der keinem Großunternehmer gehört und lediglich 25 Prozent seiner Anteile verkauft hat. Mit dem FC Liverpool hat in England ein Traditionsklub nach 30 Jahren wieder die Meisterschaft gewonnen. Jürgen Klopp macht einen sehr guten Job, aber ohne die dreistelligen Millionenbeträge von Besitzer John Henry wäre das nicht möglich gewesen. Beim letzten Champions-League-Sieg von Chelsea waren wir auch zurecht stolz auf Cheftrainer Thomas Tuchel und unsere Nationalspieler Rüdiger, Werner und Havertz, der übrigens das Siegtor erzielte. Allerdings wäre der Erfolg ohne die Kohle von Abramovich nicht möglich gewesen.

... die Vereinsführung des FC Bayern: "Kaum ein großes Dax-Unternehmen ist im Aufsichtsrat besser besetzt, selbst nach dem Abgang von großen Köpfen wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Sie haben den Trainerwechsel im Sommer gut gelöst. Bayern ist der bestgeführte und gesündeste Verein weltweit und für mich das Maß aller Dinge. Aber die deutschen Vereine werden allgemein gut geführt. Mit dem klaren Lizenzierungssystem der DFL wären solche Schuldenberge wie beim FC Barcelona gar nicht möglich."

FC Bayern: Die nächsten Spiele

TerminWettbewerbGegner
Samstag, 11.12., 15.30 UhrBundesligaFSV Mainz 05 (Heim)
Dienstag, 14.12., 18.30 UhrBundesligaVfB Stuttgart (Auswärts)
Freitag, 17.12., 20.30 UhrBundesligaVfL Wolfsburg (Heim)
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung