Fussball

Coronakrise: Wie das Champions-League-Spiel Atalanta gegen Valencia zum "Spiel null" wurde

Von SPOX
Fataler Spielbeginn? Die Champions-League-Begegnung zwischen Atalanta und Valencia Mitte Februar gilt als "Spiel null" der Coronakrise.

Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte von Atalanta Bergamo hatte offenbar dramatische Auswirkungen auf die Ausbreitung des Coronavirus in der Provinz im Norden Italiens. Mittlerweile gehen Virologen davon aus, dass das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League zwischen Atalanta und Valencia der Grund dafür ist, dass die Umgebung um Bergamo besonders vom Coronavirus betroffen ist. Die Rede ist von einem "Spiel null".

"Die Epidemie war wohl schon schon einige Wochen davor auf dem Land ausgebrochen und war viel größer, als wir dachten", sagte Massimo Galli, renommierter Virologe und Oberarzt am Mailänder Krankenhaus "Sacco" gegenüber La Repubblica: "Die Tatsache aber, dass sich im Stadion Leute aus derselben Ecke des Landes zu Zehntausenden drängten, könnte ein wichtiger Faktor für die Ausbreitung gewesen sein."

Dem stimmte auch Francesco Le Foche, Leiter der Abteilung für Infektiologie der römischen Poliklinik "Umberto I" zu: "Sie waren in Bussen, Zügen oder auf Autobahn-Raststätten und Restaurants in engem Kontakt. Die Epidemie ist in Bergamo genau zwei Wochen nach diesem Spiel explodiert", sagte er . Zuvor soll die hohe Anzahl internationaler Unternehmen in der Gegend um Bergamo die Ausbreitung des Virus gefördert haben.

Coronavirus: Zwei Tage nach CL-Spiel gibt es die erste "Zona rossa"

Mittlerweile geht auch der Krisenstab des nationalen Zivilschutzes der Theorie nach, dass die Partie zwischen Valencia und Bergamo zur exponentiellen Verbreitung des Virus beigetragen haben könnte. "Das ist eine Möglichkeit, die wir prüfen. Es ist jedoch schwierig, dieser Theorie nachzugehen", sagte Silvio Brusaferro, Präsident von Italiens oberstem Gesundheitsinstitut ISS.

Beim 4:1-Sieg der "Dea" (zu deutsch: Göttin), wie Atalanta wegen ihres Wappens genannt wird, fanden sich am 19. Februar rund 44.000 Fans im Mailänder San Siro ein. Atalanta hatte zuvor alle Heimspiele in der Königsklasse aufgrund des erwarteten hohen Zuschaueraufkommens in die nur 50 Kilometer entfernte Metropole verlegt.

Im heimischen "Gewiss Stadion" hätten nur 21.000 Zuschauer Platz gefunden, Zu wenig für Partien dieser Größenordnungen, schließlich ging es auch um Ticket-Einnahmen in Millionenhöhe. Zwei Tage nach dem Spiel, bei dem es zu unerwarteten Verbrüderungen zwischen den Milan-nahen Atalanta-Fans und den 2.500 Inter-nahen Valencia-Anhängern kam, wurde die Stadt Codogno in der Lombardei zur ersten "Zona rossa" Italiens - einer roten Zone - erklärt.

Champions-League-Spiel zwischen Atalanta und Valencia "eine biologische Bombe"

Der Leiter von Bergamos Pneumologie nannte jenes Spiel, bei dem zehntausende Tifosi gemeinsam feierten, tranken, in U-Bahnen zum Stadion strömten und das Wort "Social diastancing" noch gar nicht zur Debatte stand, rückblickend betrachtet gegenüber der Tuttosport "eine biologische Bombe". Auch, weil die 44.000 Zuschauer im für gewöhnlich 80.000 Zuschauer fassenden San Siro dicht an dicht standen und saßen, weil im Mailänder Stadion der oberste Zuschauerring aufgrund von Statikproblemen geschlossen ist. Daher wurden für das Spiel nur exakt die Bereiche geöffnet, die notwendig waren.

Mittlerweile ist die Region um Bergamo ein Epizentrum des Coronavirus. Allein in der vergangenen Woche zählte man dort 400 Tote. Bilder, auf denen die Armee Leichen mit Militärtransportern aus der Stadt brachten, gingen um die Welt.

Während es noch keinen einzigen Corona-Fall in der Mannschaft von Bergamo gibt, vermeldete Atalantas Achtelfinalgegner Valencia nach dem Ausscheiden zwei Wochen später, dass 35 Prozent des gesamten Mitarbeiterstabs des Klubs erkrankt seien. Beim Rückspiel in Valencia, das Atalanta ebenfalls mit 4:3 gewann und damit den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte besiegelte, durften schon keine Zuschauer mehr ins Stadion. Es gab Diskussionen, ob überhaupt gespielt werden konnte, weil es auch in Valencia zu diesem Zeitpunkt schon eine Menge Infektionsfälle gab. Die Maßnahmen kamen jedoch da schon zwei Wochen zu spät.

 

 

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