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Fussball

Nur der Rammbock kann Bayern wehtun

Wayne Rooney spielt seit 2004 für Manchester United
© getty

Wayne Rooney wird auch in schweren Krisen-Zeiten von den Fans von Manchester United verehrt. Sein Körper streikt immer öfter, aber im Duell mit dem FC Bayern München (Dienstag, 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist Manchester mehr denn je auf ihn angewiesen.

Rio Ferdinand wollte sich nur noch verkriechen. Nichts hören, nichts sehen, vielleicht die eigenen Kinder, aber auch nur in den eigenen vier Wänden.

"Es ist beschämend und wird zu einer persönlichen Beleidigung. Ich gehe nicht mehr aus dem Haus. So möchte man nicht leben", sagte der Verteidiger von Manchester United nach der 0:3-Schmach gegen Stadtrivale City.

Für Wayne Rooney war die Situation ähnlich unerträglich, zumal die Red Devils eine Woche zuvor auch gegen den Erzrivalen FC Liverpool verloren hatten. Ebenfalls zuhause im Old Trafford, ebenfalls 0:3 und ebenfalls ohne jede Chance.

"Ich spiele für die Leute"

Rooney hat bloß andere Gepflogenheiten, mit Niederlagen umzugehen, als Ferdinand. Nach einer Ligapleite gegen Chelsea setzte er sich einmal vier Stunden in eine Kirche. Die City-Klatsche konnte er am besten verarbeiten, indem er alte Fotoalben durchstöberte, in Gedanken an frühere, unbekümmerte Zeiten.

Ein Bild hat es Rooney dabei besonders angetan, es zeigt ihn als 8-Jährigen im Kreise seiner Kumpels von den Copplehouse Boys. Rooney stellte das Foto auf Instagram und bat seine Fans, etwas genauer hinzuschauen: "Könnt ihr mich erkennen?"

Rooney ist sehr aktiv in den sozialen Medien, er pflegt den Kontakt zu seinen Fans.

"Wir spielen Fußball, weil wir viel Geld verdienen können und Titel gewinnen wollen. Aber ich spiele vor allem auch für die Leute, die für ihren Klub oder ihre Nationalmannschaft sterben würden", sagt Rooney.

Rooney taugt nicht zum Idol

Es gibt derzeit nicht viele Spieler von Manchester United, die den Fans der Red Devils Freude bereiten. Rooney wird von der Kritik weitgehend ausgenommen. Er spielt seine zehnte Saison für United und kletterte kürzlich auf Platz drei der vereinsinternen ewigen Torjägerliste.

Die Fans schätzen seinen Einsatz; sie lieben es, wenn Rooney einen Spieler bis an den eigenen Strafraum verfolgt und dann umgehend zurücksprintet von Box zu Box.

Als er im März 2012 einen 9-Jährigen beim Warmmachen mit einem verunglückten Schuss so heftig an der Hand traf, dass ein Knochen brach, war der Geschädigte sogar stolz: "Es hat sich angefühlt, als wäre eine Rakete gegen meinen Arm geschossen. Aber ich war begeistert, weil der Schuss von Wayne kam."

Dabei taugt Rooney nach eigener Aussage gar nicht zum Idol. Zwei Biographien hat er bereits veröffentlicht, in denen nonchalant eigene Fehler aufzählt. Saufgelage, käufliche Liebe, Prügeleien in den Straßen von Croxteth in seinem Geburtsort Liverpool - das alles sei nicht korrekt gewesen.

Neuer Vertrag statt Abschied

Dass Rooney immer noch hin und wieder gute Manieren ignoriert, einmal schlug er einem Spielerkollegen aus der Premier League ins Gesicht, weil dieser angeblich seine Frau schräg angeredet hatte, hindert die Fans nicht daran, sich mit ihm zu identifizieren.

Der Anhang hat ihm sogar verziehen, dass er heftig mit Manchester City flirtete und im letzten Sommer beinahe zu Mourinhos FC Chelsea gewechselt wäre.

Ex-Trainer Alex Ferguson übergab seinem Nachfolger David Moyes das "Problem" Wayne Rooney. Moyes setzte sich vehement gegen einen Verkauf Rooneys zur Wehr und für eine Vertragsverlängerung ein.

Im Februar unterzeichnete Rooney einen neuen Fünfjahresvertrag. Der Verein will um ihn herum eine neue Mannschaft aufbauen, die in den nächsten Jahren die Premier League wieder dominieren soll.

Sabbatical in der CL droht

Die Serie von Rückschlägen in dieser Saison konnte Rooney nicht davon abhalten, United die Treue zu schwören, auch wenn er seine "schlimmste Zeit" als Spieler der Red Devils erlebt.

"Es kann nicht sein, dass wir zuhause sechs Ligaspiele verlieren. Das ist Wahnsinn. Wir müssen dafür sorgen, dass die Gegner wieder Angst haben, wenn sie von weitem das Old Trafford sehen", sagte Rooney nach dem K.o. gegen City.

Am Dienstag gastiert der FC Bayern im "theatre of dreams" und nur die wenigsten trauen United einen Erfolg zu.

Eine titellose Saison können sie verkraften in Manchester, nicht aber Sabbatical in der Champions League. United kann sich jedoch nur noch als Titelverteidiger für die nächste Königsklasse qualifizieren; der Punkterückstand auf die CL-Plätze in der Premier League ist nicht mehr aufzuholen.

Nur vier Stürmer waren noch besser

Um gegen die Bayern eine Chance zu haben, ist die Mannschaft mehr denn je von Rooney abhängig. Robin van Persie ist verletzt, Juan Mata nicht spielberechtigt.

Da kommt es United gerade recht, dass Rooney beim 4:1 gegen Aston Villa eine neue Marke gesetzt hat. Mit seinem 171. Premier-League-Tor ist er jetzt alleiniger Fünfter in der Liste der erfolgreichsten Torjäger seit Ligagründung 1992.

Nur Alan Shearer, Andy Cole, Teddy Sheringham und Thierry Henry waren noch erfolgreicher; Rooney ist aber als einziger noch aktiv in England und hat wohl noch viele Jahre vor sich.

Der Körper streikt

Es sei denn, sein Körper hat früher genug von den Strapazen. Die Knochen tun regelmäßig weh, dabei ist er mit 28 eigentlich in den Blütejahren seiner Karriere.

"Physikalisch gesehen bin ich über die Jahre zu einer Art Rammbock geworden; zu Klump getreten von 'Transformer-gleichen' Innenverteidigern, meine Muskeln lädiert durch zahlreiche Stürze, Schulter-Rempler und Tacklings. Wenn ich morgens aufstehe, habe ich erstmal eine halbe Stunde lang Schwierigkeiten, normal zu gehen, alles tut weh", schrieb er in seiner zweiten Biographie, die 2012 erschien.

Seitdem sind noch ein paar Wehwehchen hinzugekommen. "Mein Spiel basiert auf Geschwindigkeit, Kraft und Intensität. Zudem geht es in der Premier League recht rauh zu. Da kommt es schon mal vor, dass ein Körperteil schmerzt. Aber ich will mich nicht beschweren, ich liebe Fußball nach wie vor und habe den besten Job der Welt."

Für United-Legende Roy Keane ist Rooney der einzige, der den Bayern wenigstens ein bisschen ärgern kann: "Dieses United ist ein Trümmerhaufen, nur Rooney kann den Bayern wehtun."

Wayne Rooney im Steckbrief

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