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Fussball

Kein Hosenscheißer weit und breit

Von Thomas Gaber
Keine Spur von Angst oder Schiss - Die Spieler der Bayern wirkten locker und gut gelaunt
© getty

Gedanken ans Drama dahoam? Nicht vorhanden. Dafür jede Menge Zuversicht. Der FC Bayern ist bereit für den dritten Versuch, den Champions-League-Titel zu holen. Im Abschlusstraining für das Finale (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) lief aber nicht alles planmäßig.

Thomas Müller ist ein Freund klarer Worte. Nach einer Niederlage des FC Bayern in Mönchengladbach Anfang 2012 teilte der Mittelfeldspieler die 90 Minuten in vier Phasen auf. "Wir haben ganz gut angefangen, dann war's beschissen, dann wurde es etwas besser und am Ende war's wieder beschissen."

Nach der 0:1-Niederlage der Münchner gegen Dortmund in der letzten Saison, die die Meisterschaft zugunsten des BVB entschied, fand er alles "einfach nur zum kotzen".

Am Freitagnachmittag in London gab es die vorläufig letzte Episode des erfrischend ehrlichen Thomas Müller. Sollte es im Finale der Champions League gegen Borussia Dortmund zum Elfmeterschießen kommen, ist sich Müller sicher "dass sich von uns niemand in die Hose scheißen wird".

Das war bekanntlich im letzten CL-Finale anders, als sich Spieler wie Toni Kroos oder Anatolij Tymoschtschuk weigerten, zum finalen Shootout gegen den FC Chelsea anzutreten. Müller, der nach seiner Auswechslung im Finale dahoam nicht mehr zur Verfügung stand, mutierte damals zur Furie, indem er Tymoschtschuk ordentlich durchschüttelte. Doch selbst Müllers körperlicher Einsatz half nicht, den ängstigen Ukrainer umzustimmen.

Lahm: Es gibt keine Garantie

In diesem Jahr ist der FC Bayern aus einem anderen Holz geschnitzt. Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren darf der deutsche Meister bis zum Schluss um den Champions-League-Pokal spielen und diesmal soll er auch gewonnen werden.

"Es gibt natürlich keine Garantie, ein Finale zu gewinnen. Aber ich sehe die sehr positive Entwicklung der Mannschaft. Wir haben Fortschritte gemacht und sehr gute Charaktere in der Mannschaft", sagte Kapitän Philipp Lahm auf der Abschluss-Pressekonferenz im Bauch des Wembley Stadiums.

Müller betonte, dass das verlorene Finale gegen Chelsea die Sinne noch zusätzlich geschärft habe. "Letztes Jahr haben wir gut gespielt, aber nur ein Tor erzielt. Wir hatten Defizite in der Chancenverwertung, das hat uns letztlich den Titel gekostet. Und so ein Kopfballtor von Drogba nach einer Ecke hat zur Folge, dass man sich noch mehr konzentriert."

Neuer und Dante patzen

Im Abschlusstraining hatte der eine oder andere damit aber noch Nachholbedarf. Manuel Neuer trat beim 10-gegen-10 auf eine Hälfte des Spielfelds nach einer harmlosen Lahm-Flanke über den Ball und ermöglichte Mario Gomez ein simples Tor.

Dante verlor gleich zwei Mal in Folge den Ball an Javi Martinez, weil er zu lange mit dem Abspiel zögerte. Zudem bekam Rafinha von David Alaba im Zweikampf ordentlich eine ab im Londoner Schmuddelwetter, weil er nach einem Pass von Arjen Robben zu spät reagierte.

Die Anspannung der Bayern wird sich laut Müller und Lahm aber auch erst am Spieltag steigern. "Ich werde sicher angespannter sein, als in jedem anderen Spiel", sagte Lahm. "Das kommt spätestens mit der Mannschaftsbesprechung und der Fahrt zum Stadion." Den Zeitplan hat Lahm verinnerlicht: "Wecken, Frühstück, Training, schlafen, Kaffee, Kuchen, Besprechung, Spiel - und dann hoffentlich feiern."

Heynckes will für Verein gewinnen

Für Jupp Heynckes ist es ebenfalls das dritte CL-Finale. 1998 holte er mit Real Madrid den Titel. Der FC Bayern will seinen Trainer "durch das ganz große Tor" (Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge) verabschieden.

"Wir versuchen, den Titel auch für Jupp Heynckes zu gewinnen. Wir gönnen es ihm von Herzen", sagte Arjen Robben.

Heynckes nimmt sich selbst nicht besonders wichtig. "Ich habe in meinem Leben als Spieler und Trainer viele große Spiele bestritten, aber auch Enttäuschungen und Niederlagen. Es ist ein besonderes Spiel, aber in erster Linie für den FC Bayern, die Fans, den Klub und natürlich für meine Mannschaft."

Weiterer Konter von Klopp

Den Gegner schätzt Müller trotz des Ausfalls von Mario Götze als absolut ebenbürtig ein. "Der BVB ist eine ziemlich komplette Mannschaft. Sie haben Einzelspieler mit hoher Qualität nach vorne und defensiv eine gute Grundordnung. Sie haben alles, um erfolgreich Fußball zu spielen."

Aber der FC Bayern werde dem BVB nicht die Hand reichen. "Ich kann nicht sagen, dass wir eine Schwäche haben", sagte Müller. Seine frühere Aussage, nicht zum dritten Mal das CL-Finale verlieren zu wollen, um den Makel des ewigen Verlierers zu vermeiden, wurde von BVB-Coach Jürgen Klopp dankbar aufgenommen.

"Also ich würde anders an die Sache heran gehen. Ich würde eher Kraft aus dieser Erfahrung ziehen", sagte Klopp auf der Dortmunder Abschluss-PK.

Dortmund - Bayern: Daten und Zahlen zum Spiel

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