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Fussball

Arminia Bielefeld - FC Schalke 04 1:0: DSC besiegelt S04-Abstieg aus der Bundesliga

SID
Der FC Schalke 04 ist aus der Bundesliga abgestiegen.

Nach einem beispiellosen Absturz mit nur zwei Bundesliga-Siegen in 15 Monaten ist Schalke 04 in der zweiten Liga gelandet. Mit der 0:1 (0:0)-Pleite beim Aufsteiger Arminia Bielefeld besiegelten die Königsblauen bereits vier Runden vor Saisonende den vierten Abstieg ihrer Vereinsgeschichte. Der Traditionsklub, fast zwei Jahrzehnte lang Stammgast im Europapokal, verabschiedet sich nach 30 Jahren wieder aus dem Oberhaus - als einer der schlechtesten Absteiger der Ligahistorie.

Schalke hat zudem einen neuen Negativrekord aufgestellt: Zum 106. Mal ziert S04 jetzt das Tabellenende an einem Bundesliga-Spieltag, so oft wie niemand sonst zuvor.

Kaum war der Schlusspfiff ertönt, waren die Schalker Absteiger auch schon in der Kabine verschwunden: Als um 22.22 Uhr das Unvermeidliche nach einem beispiellosen Absturz mit nur zwei Bundesligasiegen in 15 Monaten feststand, wollten die Dauerverlierer nur noch weg. Bittere Tränen der Enttäuschung weinten nur Timo Becker auf der Ersatzbank und der Ur-Schalker Gerald Asamoah.

Letzterer sagte bei Sky: "Man hat so viel erlebt und gesehen und wusste, was auf uns zukommt. Wenn man aber merkt, es ist jetzt vorbei, dann ist es brutal. Eine solche Zeit habe ich mir nie erträumen lassen. Mir fehlen die Worte. Es ist einfach hart. Ich kann mir gut vorstellen, wie viele Schalker zu Hause vorm Fernseher sitzen und weinen. Wir haben alle enttäuscht, es muss sich jeder hinterfragen."

Asamoah weiter: "Die Farben von Schalke zu tragen, bedeutet sehr viel und die Frage stellt sich, ob jeder verstanden hat, was es bedeutet, für diesen Verein zu spielen. Ich bin ein Typ, der positiv denkt und bin optimistisch, dass wir da rauskommen. Wir sind bereit und wissen, was auf uns zukommt."

Schalkes Knäbel nach Abstieg: "Wir trauern"

Auch Trainer Dimitrios Grammozis trauerte: "Es ist eine sehr bittere Stunde für alle Schalker, insbesondere für alle Fans, alle Mitarbeiter. Wir sind brutal enttäuscht, dass die Gewissheit da ist, dass wir in die 2. Bundesliga müssen. Dieser Moment ist sehr, sehr bitter. Man muss das erst einmal sacken lassen. Wir werden kein Spiel abschenken, werden keine Sachen machen, die nicht gut für den Verein sind."

"Wir müssen schauen, dass wir wieder Jungs für den Verein gewinnen, die das Emblem würdig tragen", so Grammozis weiter, "die wissen, was Schalke ist, worauf sie sich einlassen und was die Anforderungen sind."

Auch wenn er seine Spieler trotz schwacher Leistungen immer wieder in Schutz nahm, wünscht sich Grammozis in Zukunft andere Typen. "Wir wollen eine Mannschaft auf den Platz stellen, auf die die Fans wieder stolz sein können", sagte er und versprach: "Wir werden alles dafür tun, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen, damit wir den Wiederaufstieg schaffen."

Sportvorstand Peter Knäbel sagte: "Es ist nicht heute hier passiert, es hat sich abgezeichnet, aber es tut trotzdem ungemein weh. Wir trauern mit unseren Fans und Mitgliedern und allen Menschen, die Schalke 04 die Treue halten in guten wie auch jetzt in diesen besonders schlechten Zeiten."

Hinsichtlich der Planungen für die 2. Liga sagte Knäbel: "Wir arbeiten im Hintergrund sehr an dem, was nun zwangsläufig kommen wird - am 2. Liga-Szenario. Wir haben bislang das getan, was wir tun können. Wir trauern jetzt erst einmal - und geben der Trauer, den Emotionen, der Wut, der Enttäuschung Platz. Wir werden alles tun, um diesen Verein wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört."

"Tut noch mehr weh als erwartet. Scheiße", twitterte Schalke, als der Abstieg feststand. Mitleid kam vom Gegner: "Für Schalke tut es mir leid. Es ist so ein großer Klub, und sie werden irgendwann wieder Bundesliga spielen", sagte Bielefelds Manuel Prietl bei Sky.

Schalke mit der nächsten enttäuschenden Leistung

Die Arminia dagegen darf weiter auf den Klassenerhalt hoffen: Nach vier Spielen in Folge ohne Niederlage beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz vier Punkte. Allerdings hat Hertha BSC wegen der Corona-Quarantäne zwei Spiele weniger bestritten. Schalke tritt wie 1981, 1983 und 1988 den Gang in die Zweitklassigkeit an - noch nie jedoch hatte der Abstieg so früh festgestanden, und noch nie hatte der siebenmalige Meister 21 Saisonniederlagen kassiert.

Schon vor dem Anpfiff hatte festgestanden, dass die Gelsenkirchener nur mit einem Sieg das Unvermeidbare noch hinauszögern könnten. Doch das Team von Trainer Dimitrios Grammozis lieferte die nächste enttäuschende Leistung in einer historisch schlechten Saison ab, wirkte nie wie eine Mannschaft, die unbedingt gewinnen musste.

Schalkes Thiaw fliegt vom Platz

Kapitän Fabian Klos beendete den Schalker Kampf um den Klassenerhalt mit einem Distanzschuss aus 25 Metern (50.). Das Ergebnis hätte noch deutlicher ausfallen können, denn die Ostwestfalen vergaben mehrere hochkarätige Torchancen und Klos sogar einen Foulelfmeter (80.). Schalkes Verteidiger Malick Thiaw sah wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (71.).

Gegenüber der 0:4-Pleite am vergangenen Samstag in Freiburg hatte Grammozis seine Startelf überraschend nur auf zwei Positionen verändert. Ausgerechnet Timo Becker und Can Bozdogan aus dem eigenen Nachwuchs mussten auf die Ersatzbank.

Die Königsblauen begannen sehr verhalten. Die Bielefelder, die unter ihrem neuen Trainer Frank Kramer regelmäßig punkten, gingen deutlich selbstbewusster und zielstrebiger zu Werke. Manuel Prietl scheiterte nach sehenswerter Einzelaktion an Schalke-Keeper Ralf Fährmann (9.). Dann blockte Omar Mascarell in höchster Not für den schon geschlagenen Fährmann einen Schuss von Ritsu Doan (13.).

Mascarell-Ballverlust sorgt für das 0:1

Mehr Engagement als seine Spieler zeigte Grammozis, der an der Seitenlinie immer wieder sein Team mit lautstarken Anweisungen und häufigem Applaus zu motivieren versuchte. Das war weiter vorwiegend in der eigenen Hälfte mit Defensivaufgaben beschäftigt. Die dritte gute Bielefelder Torchance vergab Andreas Voglsammer, dessen Lupfer knapp das Ziel verfehlte (29.).

Erst nach mehr als einer halben Stunde brachte Kapitän Sead Kolasinac erstmals den Ball auf das Arminia-Tor, ohne aber Keeper Stefan Ortega dabei vor irgendwelche Probleme zu stellen (32.). Deutlich mehr Mühe hatte Fährmann, der mit dem Knie einen Schuss von Voglsammer nach einem Querschläger von Fabian Klos abwehrte (35.).

Auch nach der Pause blieben die Gastgeber die klar spielbestimmende Mannschaft. Dem 1:0 ging ein völlig unnötiger Ballverlust von Omar Mascarell im Mittelfeld voraus. Klos scheiterte kurz vor Schluss vom Punkt an Ralf Fährmann, traf zwar im Nachsetzen, stand dabei aber im Abseits.

Arminia Bielefeld - FC Schalke 04: Die Aufstellungen

Bielefeld: Ortega - Brunner (69. de Medina), Pieper, Nilsson, Lucoqui - Prietl - Okugawa (85. Gebauer), Arne Maier - Doan (84. van der Hoorn), Klos (89. Schipplock), Voglsammer (69. Soukou).

Schalke: Fährmann - Mustafi, Stambouli, Thiaw - Aydin, Mascarell, Kolasinac - Serdar, Harit (78. Salif Sane) - Huntelaar, Paciencia (53. Uth).

 

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