Fussball

BVB: Erling Haaland ergänzt bei Borussia Dortmund ein funktionierendes Offensivsystem

Von Thomas Weber

Erling Haaland hat nur 57 Minuten gebraucht, um zu belegen, dass die Offensive von Borussia Dortmund mit dem Winter-Neuzugang variantenreicher daherkommt. Doch auch ohne Haaland läuft es für den BVB im Jahr 2020 in vorderster Front. All dies geht zu Lasten von Paco Alcacer und Mario Götze.

Er trifft und trifft und trifft. Erling Haaland ist seit Freitag der erste Spieler, der in seinen beiden ersten Bundesligaspielen fünfmal traf. Gebraucht hat der Neuzugang von Borussia Dortmund dazu gerade einmal 57 Minuten. "Das kann man sich nicht besser malen", sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl nach dem verdienten 5:1-Sieg gegen Köln am Freitagabend.

Auch Mats Hummels war voll des Lobes für den 19-Jährigen und hob die Einstellung von Haaland hervor: "Wenn man sieht, wie er tagtäglich arbeitet, weiß man, dass das kein Zufall ist."

BVB: Haaland ist nicht alles

Doch dass die BVB-Offensive um Marco Reus, Jadon Sancho und Thorgan Hazard für den Moment auch ohne die neue Wunderwaffe klarkommt, zeigte sie in den ersten 60 Minuten gegen die Domstädter.

Die Drei rotierten immer wieder zwischen den drei offensiven Positionen im neu installierten 3-4-3-System von Trainer Lucien Favre und rissen so Löcher in die eigentlich gut organisierte Defensive der Gäste. Das von FC-Coach Markus Gisdol geforderte Pressing wurde so vielfach ausgehebelt.

"Wir haben gerade eine sehr gute Tiefenbewegung bei den offensiven Spielern", lobte Hummels seine Mitspieler in forderster Front. Besonders gut in Form zeigte sich zuletzt Jadon Sancho, der in den letzten acht Bundesligaspielen acht Tore schoss und sechs Vorlagen gab. In dieser Saison kommt der Engländer bereits auf 22 Torbeteiligungen (elf Tore, elf Assists) - besser ist ligaweit nur Leipzigs Timo Werner (26).

BVB: Die Offensive wird variantenreicher

Die schnellen, technisch versierten Reus, Sancho und Hazard wirbeln durch die Abwehr, bieten immer wieder Laufwege hinter die letzte Kette an und gehen viel ins Dribbling - gerade für die gegnerischen Innenverteidiger häufig eine (zu) große Aufgabe.

Dass zu dieser funktionierenden Offensive nun eine weitere Variante hinzukommt, macht den BVB letztlich unberechenbarer und variabler. Haaland verkörpert einen echten Stürmertyp, er orientiert sich zentral, ist körperlich robust und sucht häufig den Abschluss.

So auch bei seinem zweiten Tor gegen die Kölner, als er aus spitzem Winkel lieber selbst aufs Tor schoss, anstatt in die Mitte querzulegen. "Wenn man gerade weiß, dass man die Dinger reinmacht, dann darf er von mir aus auch mal von da schießen", sagte Hummels zu der Szene mit einem Lächeln.

Paco Alcacer und Mario Götze: Opfer des Erfolgs

Es gibt nach zwei Siegen mit 10:4 Toren zum Jahresauftakt jedoch nicht nur lachende Gesichter beim BVB. Von Haalands Selbstvertrauen und Überzeugung können Paco Alcacer und Mario Götze beispielsweise nur träumen. Beide waren in die Saison als Stürmer Nummer eins und zwei gegangen, doch beide haben 2020 noch keine Sekunde auf dem Feld gestanden.

Bei Alcacer zeichnet sich ein Abschied Richtung Ex-Klub FC Valencia immer mehr ab. Die Suspendierung aus dem Kader in der letzten Woche sowie die Körpersprache des Spaniers belegen, dass der beste BVB-Torjäger der Vorsaison mit Dortmund abgeschlossen hat. Das Tischtuch zwischen Favre und ihm scheint zerschnitten, ein Verbleib äußerst unwahrscheinlich.

Wie Götze passt Alcacer derzeit nicht wirklich in das Anforderungsprofil, das Favre von seinen Offensivleuten sehen möchte. Und sollte Goalgetter Haaland bald fit genug sein, um von Beginn an zu spielen, dann scheint die Tür für die beiden endgültig zu.

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