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Fussball

Augsburg watscht den VfB ab

Von Christoph Köckeis
Alex Zorniger wird sich erneut unangenehmen Fragen stellen müssen
© Getty

Der VfB Stuttgart kassiert am 13. Spieltag der Bundesliga eine empfindliche 0:4 (0:3)-Klatsche gegen den FC Augsburg. Im Tabellenkeller spitzt sich die Situation zu.

Erstmals schockte Alexander Esswein (11.) die 55.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena. Nach dem Eigentor von Timo Baumgartl (17.) machte sich endgültig Verunsicherung bei den Hausherren breit. Jan-Ingwer Callsen-Bracker erhöhte in der 36. Minute auf 3:0.

Nach dem Seitenwechsel besorgte Ja-Cheol Koo (54.) den Endstand. Für Augsburg war es der höchste Bundesliga-Erfolg aller Zeiten und der sechste in Folge gegen den VfB.

Stuttgart verpasst indes die Chance, sich abzusetzen und bleibt mit zehn Punkten und 31 Gegentoren (schlechteste Defensive der Liga) Drittletzter. Augsburg wahrt ​derweil den Anschluss, liegt einen Punkt dahinter auf dem 17. Platz und gibt zumindest bis Sonntag die Rote Laterne an Hoffenheim ab.

Reaktionen:

Alexander Zorniger (Trainer VfB Stuttgart): "Es geht in die Richtung, dass man schlechter nicht Fußball spielen kann."

Christian Gentner (Kapitän VfB Stuttgart): "Das Spiel heute war ein Katastrophe. Wir stehen zu Recht da unten."

Markus Weinzierl (Trainer FC Augsburg): "Wenn wir da rauskommen und wieder in der Liga bleiben, dann ist das wahrscheinlich mehr wert wie der fünfte Platz vom letzten Jahr."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Im Tor muss Alexander Zorniger eine kurzfristige Änderung vornehmen: Tyton fällt mit Magen-Darm-Infekt aus. Nachdem Langerak seit Saisonbeginn verletzt ist, springt Vlachodimos, der am dritten Spieltag sein Bundesliga-Debüt feierte, ein. Ansonsten ist es die gleiche Elf, die gegen den FC Bayern 0:4 verlor.

Beim Schlusslicht gibt es ebenfalls nur eine Umstellung im Vergleich zum 1:2 gegen Werder Bremen. Ji rotiert nach der anstrengenden Länderspielreise mit Südkorea aus der Startformation. Ihn ersetzt Esswein, der auf dem rechten Flügel für Unruhe sorgen soll. Bobadilla rutscht dafür nach vorne und gibt die Solo-Spitze.

11., 0:1, Esswein: Erster Schuss, erstes Tor! Bobadilla schickt Esswein mit einem tollen Pass in den freien Raum. Insua sieht nicht gut aus und lässt den Augsburger ziehen. Frei vor Vlachodimos behält Esswein die Nerven und schiebt links unten ein.

17., 0:2, Baumgartl (ET): Beim VfB geht alles schief, was schief gehen kann: Sunjic klärt die Ecke vor den Strafraum, wo Esswein direkt abzieht. Baumgartl fälscht dessen harmlosen Versuch in der Mitte unglücklich ab und lässt Vlachodimos keine Chance. Das Leder kullert über in die Maschen.

20.: Was für ein Kracher! Verhaegh klärt einen Kostic-Freistoß vor den Sechzehner. Insua packt aus rund 20 Metern den Hammer aus. Seine Direktabnahme wehrt Hitz in höchster Not zur Seite ab.

36., 0:3, Callsen-Bracker: Baier schlägt die Eckball-Hereingabe auf den ersten Pfosten, wo Callsen-Bracker Baumgartl entwischt und aus kurzer Dstanz einnickt. Auch Vlachodimos, der zu spät aus dem Tor kommt, sieht nicht gut aus.

54., 0:4, Koo: Die Entscheidung! Nach einem weiteren Ballverlust zieht Bobadilla gen Sechzehner. Der Paraguayer setzt Koo ein, der frei vor Vlachodimos einschießt. Schwaab stand in der Situation völlig falsch.

Fazit: Stuttgart präsentierte sich an diesem Nachmittag von der schwächsten Seite. Spätestens nach den zwei frühen Gegentreffern wirkten die Spieler heillos überfordert. Augsburg tat das, was es tun musste und feierte einen hochverdienten Erfolg.

Der Star des Spiels: Raul Bobadilla. Er war der heimliche Strippenzieher der Augsburger. Nominell zwar an vorderster Front aufgeboten, übernahm er ab der Mittellinie das Kommando. Mit Übersicht und perfektem Timing fädelte er das erste und vierte Tor ein. Nach 61 Minuten nahm ihn Weinzierl vom Platz - zu diesem Zeitpunkt war bereits alles entschieden.

Der Flop des Spiels: Toni Sunjic. Nur 27 Minuten dauerte sein Arbeitstag. 27 Minuten voller Pleiten, Pech und Pannen. Mal stimmte das Timing beim Herausrücken nicht. Mal missglückte ein Klärungsversuch, dann ein simples Zuspiel. Sunjic war zwar nur einer von vielen Flops beim VfB. In der Abwehrzentrale wiegen derartige Unzulänglichkeiten allerdings schwer.

Der Schiedsrichter: Sascha Stegemann. Hatte keine großen Probleme, auch weil sich die Stuttgarter trotz erhöhtem Frustpegel keine Härteeinlagen leisteten. Bei den wenigen kniffligen Situationen und Abseitsentscheidungen lag das Schiedsrichter-Gespann ebenfalls meist richtig. In der Schlussphase hätte es aber Elfmeter für die Schwaben geben müssen.

Das fiel auf:

  • In den ersten Minuten entwickelte sich das erwartete Bild: Stuttgart übernahm die Initiative, wollte über die Flügel gefährlich werden. Die Gäste waren jedoch gut organisiert und verschoben geschickt, sodass sie wenig Angriffsfläche boten.
  • Augsburgs Matchplan war simpel wie einleuchtend zugleich: Gegen den konteranfälligen VfB lauerte man auf Ballverluste, um danach schnell durch die Mitte zum Erfolg zu kommen. Bobadilla ließ sich dabei häufig fallen, während Esswein und Caiuby oftmals tief gingen.
  • So wie etwa beim 0:1, als Bobadilla im Stile eines Regisseurs einen perfekten Pass aus dem Fußgelenk schüttelte. Dass Esswein seinen Gegenspielern entkam und keiner den 20-Meter-Ball durch die Mitte abfangen konnte, zeugt von fehlender Abstimmung.
  • Am Spielverlauf änderte sich nichts: Vorne fehlten den Stuttgartern die Mittel, hinten wirkten sie von Minute zu Minute​ unsicherer​. Besonders das Innenverteidiger-Duo Sunjic-Baumgartl stand völlig neben sich. Es fehlte die Ordnung beim Herausrücken, die Ruhe sowie Sicherheit im Aufbau.
  • Zorniger hatte das erkannt und erlöste Sunjic. Für ihn kam mit Kliment ein Angreifer, Schwaab rückte in die Zentrale, Klein vom Mittelfeld auf die rechte Abwehrseite. Die Probleme blieben, weil man in den entscheidenden Zweikämpfen - wie beim 0:3 - stets das Nachsehen hatte.
  • Ohne Experimente und mit einfachsten Mitteln sorgten die Augsburger für Gefahr. Über die Seite wurde das Spiel schnell aufgebaut, ehe es in der gegnerischen Hälfte nach innen verlagert wurde, wo Stuttgart bis zum Ende nicht die Lücken schließen konnte.

Stuttgart - Augsburg: Die Statistik zum Spiel

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