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Fussball

Keine Zeit für BVB-Fußball

Auch mit Schiedsrichter Aytekin hatte Klopp nach dem Spiel einiges zu besprechen
© Getty

Die 0:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen Bayern Leverkusen liefert Dortmund-Trainer Jürgen Klopp die Erkenntnis, dass seine Mannschaft noch alle andere als rund läuft - vorne wie hinten. Grund zur Panik gibt es allerdings nicht. Bayer Leverkusen ist da schon deutlich weiter.

Die Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): "Für die erste Minute habe ich keine Erklärung. So ein frühes Tor rüttelt einen natürlich durch. Das Spiel hat sich wegen des frühen Tores etwas seltsam entwickelt. Wir waren nicht präsent. Den Schuh müssen wir uns anziehen, den Schuh muss ich mir anziehen. Da müssen wir wacher sein, das ist auch mein Aufgabenbereich. In der zweiten Halbzeit war es etwas besser. Wir hätten ein Tor machen müssen, dann wäre das zweite gefallen."

... über Neuzugang Ciro Immobile: "Wir sind da ziemlich entspannt. Wir haben nicht so gespielt, dass ein Stürmer massenhaft Chancen abgreifen könnte. Dass er in einem Jahr mehr Bindung zum Spiel hat als heute, das ist mir auch klar. Aber das war heute nicht unser größtes Problem."

Roger Schmidt (Trainer Bayer Leverkusen): "Meine Mannschaft hat vieles richtig gemacht, den Gegner früh attackiert. Wir hatten super Ballgewinne, hätte diese Situationen aber noch besser ausspielen können. Wir haben ein Topspiel gemacht. Am Ende des Tages haben wir verdient gewonnen."

Stefan Kießling (Bayer Leverkusen): "Heute war es sehr intensiv und kraftaufreibend. Wir spielen ein bisschen vogelwild gegen den Ball. Da muss man durch und auf die Zähne beißen. Wir standen hinten bombig und haben verdient gewonnen."

Bernd Leno (Bayer Leverkusen): "In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, in der zweiten Halbzeit haben wir toll gekämpft. Wir sind ein geiles Team. In der letzten Saison hatten wir in der Endphase keinen Spirit. Heute habe ich elf Spieler gesehen, die Verantwortung übernommen haben."

Borussia Dortmund - Bayern Leverkusen: Hier geht's zur Analyse

Nachbetrachtung:

Nach dem 4:1 im DFB-Pokal bei den Stuttgarter Kickers zeigte man sich auf Dortmunder Seite nur mit dem Ergebnis zufrieden. "Die Kickers haben uns hinten vor große Probleme gestellt. Mutig, zielstrebig, taktisch genau, das hat uns weh getan", sagte Jürgen Klopp nach dem Spiel. Die Probleme in Dortmunds Defensive waren offensichtlich. Zu oft wirkte der gesamte Verbund unorganisiert, wenn es beim Gegner schnell ging. Die Rückwärtsbewegung war mangelhaft.

Die Stimmen nach dem Spiel gegen Leverkusen waren verdächtig ähnlich. "Vor allem die erste halbe Stunde, die erste Halbzeit, da haben wir überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Wir konnten uns überhaupt nicht befreien", sagte Matthias Ginter. Der wesentliche Unterschied liegt allerdings daran, dass man sich nach dem Bundesliga-Auftakt nicht am Ergebnis festhalten kann.

Leverkusen deutlich weiter

Mit 0:2 verlor der BVB das Duell der vermeintlichen Bayern-Jäger. Ein Spiel, in dem deutlich zu erkennen war, dass die Werkself aus Leverkusen schon deutlich weiter ist als der Konkurrent aus dem Ruhrgebiet. Bayer zeigte einstudierte Laufwege, flüssige Kombinationen und ein hohes Tempo über fast 90 Minuten.

Die offensive Dreierreihe um Hakan Calhanoglu, Karim Bellarabi und Heung-Min Son war ständig in Bewegung und für die Verteidigung der Dortmunder nie wirklich greifbar. In der Spitze zeigte Stefan Kießling, dass er sich auch mit seinen mittlerweile 30 Jahren nicht zu schade ist, das Feld zu bearbeiten wie ein Ackergaul.

Große Probleme beim Spielaufbau

Mit Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan verfügt auch Dortmund über viel Geschwindigkeit, Technik und Torgefahr in der ersten Reihe. Über weite Strecken der Partie gelang es aber nicht, diese Spieler auch in Szene zu setzen. Zu gehemmt und schwerfällig stellte sich der Ballvortrag der Hausherren da.

Bayer-Trainer Roger Schmidt ließ seine Außenverteidiger bei Ballbesitz Dortmund weit einrücken und machte so das komplette Zentrum dicht. Die dadurch auf den Flügeln entstehenden Lücken wusste Dortmund zwar zu besetzen, nicht aber anzuspielen, weil Bayer den Ballführenden immer unter Druck setzte. Diagonalbälle, wie sie ein Mats Hummels mit hoher Präzision spielen kann, oder Flankenwechsel fehlten fast komplett. "Wir haben uns einfach schwer getan im Spielaufbau. So können wir keine Tore schießen", klagte Reus.

Für Tore sollte auch Neuzugang Ciro Immobile sorgen. Der Italiener hatte es vor allem in der Anfangsphase der Partie schwer, Fuß zu fassen und hing weitestgehend in der Luft. Als er in der zweiten Halbzeit öfter auf den Flügel auswich, fand er zwar besser in die Partie, fehlte dafür aber als Abnehmer im Zentrum bei Flanken, die im zweiten Durchgang besser gelangen.

Verletzte werden schmerzlich vermisst

Auch wenn man beim BVB keine Entschuldigung in der erneuten Verletzenmisere finden will, ist das Fehlen von Ilkay Gündogan, Nuri Sahin und jetzt Oliver Kirch ein wesentlicher Grund für die großen Probleme im Spielaufbau. Sie prägen das schnelle Umschaltspiel, den Pass auf die Außenpositionen und hinter die Abwehr des Gegners. Pässe, die gegen Leverkusen gänzlich ausblieben.

Dabei gab es im Grunde keine wirklichen Totalausfälle. Vielmehr agierte die gesamte Hintermannschaft zu ideenlos. Erik Durm und Lukasz Piszczek konnten, gebunden von Leverkusens Offensiven, kaum Ausflüge nach vorne unternehmen, Ginter und Sokratis suchten zu oft den Pass zum Nebenmann und Sebastian Kehl fand die Spieler zwischen den Reihen des Gegners nicht.

Kein Grund zur Panik

Die Stuttgarter Kickers und Leverkusen haben gezeigt, dass man den BVB in der aktuellen Verfassung mit einer offensiven Taktik und mutigen Spielweise auf dem falschen Fuß erwischen kann. Grund zur Panik gibt es allerdings nicht. Auch wenn die letzten und nächsten beiden Spiele Klopp vor einige Aufgaben stellen.

Dortmund trifft an den kommenden Spieltagen auf Augsburg und Freiburg. Teams, die zu den läufstärksten Mannschaften der Liga gehören und von ihren Trainern das offensive Verteidigen eingeimpft bekommen haben. Vor allem gegen Augsburg tat sich der BVB in den letzten Spielen nicht leicht.

Wie angekündigt muss sich der BVB in die Saison hineinarbeiten, darf dabei aber nicht gleich zu Beginn zu viel liegen lassen. Zeit ist im Fußball ein knappes Gut. Die Länderspielpause wird das Lazarett merklich lichten und auch Reus wird sich Stück für Stück an seine Form der Vorsaison heranarbeiten.

Die Niederlage gegen Leverkusen ist ein Schuss vor den Bug, trifft Dortmund aber keinesfalls aus heiterem Himmel. "Uns war schon vor dem Spiel bewusst, dass unsere Mannschaft nach den vielen Umstellungen nicht eingespielt sein kann", erklärte Sportdirektor Michael Zorc.

Die Verantwortlichen des BVB wissen, wo sie ansetzen müssen und betrachten das Spiel keinesfalls als Fingerzeig. Höchstens als Fingerzeig, dass Leverkusen über eine starke Mannschaft verfügt und Dortmund die Rolle des Bayern-Jägers Nummer eins keinesfalls einfach überlassen wird.

Dortmund - Leverkusen: Daten zum Spiel

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