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Fussball

Bayern düpiert: Köln feiert Karneval

Von Florian Bogner / Christian Bernhard
Daniel Brosinski erzielt das 2:0 gegen Bayern München
© Getty

Der FC Bayern München hat am 21. Spieltag der Bundesliga einen weiteren Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft hinnehmen müssen. Gegen Aufsteiger 1. FC Köln verlor der Rekordmeister vor eigenem Publikum sang- und klanglos mit 1:2 (0:2).

Vor 69.000 Zuschauern wurde den Bayern erst ein reguläres Kopfballtor von Miroslav Klose wegen Abseits aberkannt (13.), anschließend sorgte Fabrice Ehret für die zu dem Zeitpunkt überraschende Gäste-Führung (22.). Es war bereits das sechste Mal hintereinander, dass der FCB in der Liga in Rückstand geriet.

Gegen verunsicherte Bayern sorgte dann Debütant Daniel Brosinski nach Vorarbeit des bärenstarken Nemanja Vucicevic schon vor der Halbzeit für geklärte Verhältnisse (34.). Daniel van Buytens Anschlusstreffer (84.) kam zu spät.

Es war die erste Heimniederlage für die Bayern gegen einen Aufsteiger seit dem 0:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Saisoneröffnung 1997/98.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Bayern im Vergleich zum 1:2 in Berlin mit drei Änderungen: Podolski steht für den verletzten Toni erstmals seit dem 29. Oktober wieder in der Startelf, dazu ersetzen Oddo und van Buyten in der Abwehr Lell und Lucio. Zwei Änderungen bei Köln: McKenna ersetzt Mohamad (5. Gelbe), Brosinski spielt für Radu.

2.: Die erste Chance haben die Gäste! Novakovic ist nach einer Flanke von links einen Schritt schneller als van Buyten und kommt per Kopf in der Strafraum-Mitte zum Abschluss. Der Ball geht zwei Meter am langen Pfosten von Rensing vorbei.

13.: Klose trifft nach einer Flanke von Oddo zum 1:0 per Kopf, wird aber wegen Abseits zurückgepfiffen. Klare Fehlentscheidung des Schiri-Gespanns um Babak Rafati, denn der Ball wurde von einem Kölner per Kopf auf Klose verlängert. Der Bayern-Stürmer stand bei der Flanke des Italieners nicht im Abseits. Glück für die Kölner.

22.,  0:1, Ehret: Vucicevic hat im Mittelfeld viel Platz und schickt Ehret mit einem tollen Ball steil Richtung Rensing. Der Kölner lupft den Ball dann überlegt über den herausstürmenden Bayern-Keeper.

27.: Ehret steckt auf Brecko durch und der Außenverteidiger zieht von rechts auf Rensing zu. Der Bayern-Torhüter kommt aber gut raus und klärt mit seinem Oberkörper zur Ecke. Diese bringt nichts ein.

34., 0:2, Brosinski! Vucicevic lässt Lahm am rechten Strafraumeck ganz schlecht aussehen und legt den Ball überlegt in den Rücken der Abwehr. Dort steht Brosinski völlig frei und schiebt aus sechs Metern flach ein. 1. Bundesliga-Tor für den Kölner!

36.: Die Bayern mit der sofortigen Chance zum Anschlusstreffer! Klose hat Platz und kommt an der Strafraumgrenze relativ unbedrängt zum Abschluss. Der Ball geht aber am kurzen Eck vorbei.

39.: Novakovic beinahe mit dem 3:0! Konter der Kölner, der Slowene zieht von links in den Strafraum und wird im Moment des Abschlusses entscheidend von Lahm gestört. Ganz, ganz gefährlich!

50.: Nach einer Ecke kommt Novakovic zum Kopfball und Lahm klärt für den geschlagenen Rensing auf der Linie!

70.: Oddo geht auf rechts zur Grundlinie durch und bringt eine schöne Flanke auf den Kopf von Klose. Mondragon ist schnell unten und klärt den Aufsetzer zur Seite. Stark von allen drei Beteiligten!

84., 1:2, van Buyten: Geht noch was? Altintop mit einer Flanke von rechts und van Buyten platziert den Ball per Kopf am Fünfmeterraum überlegt ins lange Eck.

88.: Gute Freistoßposition aus rund 23 Metern für den FCB. Van Buyten versucht's mit Gewalt, wird aber geblockt. Danach kommt van Bommel zum Abschluss, doch Mondragon hält.

So lief das Spiel: Die schlechteste Leistung unter Klinsmann, das unterbot sogar das 2:5 gegen Bremen. Bayern von der ersten Minute an fahrig und ohne Bindung zwischen Abwehr und Mittelfeld, die Kölner sehr defensiv, aber immer wieder mit gefährlichen Kontern über den wieselflinken Vucicevic. Beim 0:1 wurden die Bayern im Tiefschlaf erwischt, beim 0:2 ließ sich Lahm wie ein F-Schüler austanzen. Novakovic hätte sogar noch auf 3:0 erhöhen müssen.

In der zweiten Halbzeit hatten die Bayern über zwei Drittel Ballbesitz, spielten sich aber kaum Torchancen heraus. Einfallslose Flanken aus dem Halbfeld waren allesamt leichte Beute für Geromel und Mondragon, Schüsse aus der Distanz verfehlten kilometerweit ihr Ziel. Köln igelte sich hinten ein und sorgte nur vereinzelt mit Kontern für Entlastung. Das reichte zum fünften Auswärtssieg der Saison, auch wenn der in der Schlussphase nach vorne beorderte van Buyten noch zum 1:2 traf.

Der Star des Spiels: Nemanja Vucicevic. Der Ex-Löwe spielte Lahm und Co. gelinde gesagt schwindelig und war in der ersten Halbzeit ständiger Unruheherd in der Bayern-Defensive. Der Serbe stach immer wieder klug in die Räume zwischen defensivem Mittelfeld und Viererkette und bediente seine Mitspieler - so wie beim 1:0 - vorbildlich. Auch zum 2:0 leistete er die Vorarbeit.

Die Gurke des Spiels: Lukas Podolski. Der Nationalstürmer hatte sich gegen seinen Ex- und Bald-Klub bestimmt einiges vorgenommen; was raus kam, war eine einzige Enttäuschung. Keine Bindung zum Spiel, kaum Ballkontakte, null Torschüsse - der Kölner Prinz musste zur Halbzeit in der Kabine bleiben.

Die Lehren des Spiels: Der FC Bayern ist in der momentanen Form kein Meisterschaftsanwärter mehr. Gegen den Rekordmeister reicht es derzeit, sich kompakt vor dem eigenen Sechzehner einzuigeln und schnelle Konter vorzutragen, die die wackelige Bayern-Defensive nicht oder nur bedingt unterbinden kann.

Mit dem 4-3-2-1-System schaffte es die Daum-Truppe immer wieder, drei Spieler zwischen Abwehr und Mittelfeld der Bayern zu bringen und damit Unordnung zu stiften. Die Rochaden von Vucicevic, Novakovic und Ehret waren offenbar zu viel für das fragile Abwehrkonstrukt der Bayern, die keine Zuordnung fanden und den Zweikämpfen teilweise sogar aus dem Weg gingen.

Das Offensivspiel der Hausherren krankte derweil an so vielen Ecken, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. "Ribery den Ball geben und hoffen" zieht nicht mehr. Der rechte Flügel war allerdings noch schlechter. Die Stürmer liefen nebenbei die falschen Wege oder warteten nur bewegungsarm auf Zuspiele.

Bayern - Köln: Daten & Fakten

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