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Fussball

FC Bayern München: Als der FCB das letzte Mal gegen einen Außenseiter scheiterte

Vor dem überraschenden Ausscheiden gegen den FC Villarreal war der FC Bayern München im internationalen Wettbewerb lange nicht mehr an einer nominell klar schwächeren Mannschaft gescheitert. Wann es letztmals passiert ist - und wie es dann weiterging.

Wie hat sich das eigentlich angefühlt? Und wird es jemals wieder so sein? Schon kurz vor Anpfiff des Viertelfinal-Rückspiel des FC Bayern München gegen den FC Villarreal am Dienstag wusste jeder vor Ort: Genau so - und: ja! Endlich war sie zurück, diese spezielle Stimmung, die vor einem großen Champions-League-Abend das Autobahnkreuz in München-Fröttmaning umweht. Dieses Knistern, diese erwartungsvolle Vorfreude garniert mit bayerischer Siegesgewissheit.

Nach Monaten der Corona-bedingten Zuschauer-Beschränkungen war die Allianz Arena bei einem internationalen K.o.-Spiel erstmals seit über drei Jahren mit 70.000 Zuschauern ausverkauft. Die schrille Champions-League-Hymne, dazu eine beeindruckende Choreographie der Südkurve zu Ehren der verstorbenen Klub-Legende Gerd Müller, dann eine tatsächlich ausgezeichnete, aufgeheizte Atmosphäre.

Der bis dahin letzte große Champions-League-Abend in einer ausverkauften Allianz Arena trug sich im Februar 2019 zu. Damals scheiterte ein uninspirierter FC Bayern unter Trainer Niko Kovac nach einem 0:0 im Hinspiel mit 1:3 am FC Liverpool. Nun, im April 2022 ergaunerte sich Villarreal ein 1:1 gegen die Münchner, die nach dem 0:1 im Hinspiel den Einzug ins Halbfinale verpassten.

Dem FC Bayern bleibt nur mehr der Meistertitel

So endete der vermeintliche Festtag mit der Erkenntnis: Der FC Bayern spielt die enttäuschendste Saison seit zehn Jahren, als er letztmals keinen Titel gewann. Seitdem sprang zwar viermal auch "nur" die Meisterschaft heraus, die einzige Trophäe, die die Münchner in dieser Saison noch holen können - und bei neun Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund fünf Spieltage vor Schluss auch holen werden.

In der Champions League scheiterte der FC Bayern in der Zwischenzeit aber nur an ebenbürtigen oder stärkeren Gegnern: Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid, FC Liverpool, Paris Saint-Germain. Diesmal folgte auf das 0:5-Debakel in der 2. Runde des DFB-Pokals bei Borussia Mönchengladbach ein überraschendes Champions-League-Aus gegen Villarreal. Zur Erinnerung: den Siebten der Primera Division, der sich überhaupt nur über die Europa League für den Wettbewerb qualifiziert hatte.

Auf der Suche nach einem vergleichbar überraschenden Scheitern des FC Bayern in einem internationalen Wettbewerb muss man weit zurückblicken: 2007/08 verloren die Münchner im UEFA-Cup-Halbfinale gegen Zenit St. Petersburg. In der Champions League gab es seit der Einführung 1992 eigentlich nur ein Ausscheiden gegen nominell deutlich schwächere Konkurrenz: 2002/03 beendete der FC Bayern eine Vorrundengruppe mit dem AC Milan, RC Lens und Deportivo La Coruna auf dem letzten Platz.

FC Bayern: Was geschah 2002 und 2008?

Die damals jeweils überraschend siegreichen Gegner inspirierten den FC Bayern immerhin zu Transfers: Von Zenit kam anschließend Mittelfeld-Haudegen Anatoliy Tymoshchuk, von La Coruna Torjäger Roy Makaay. Ob der FC Bayern diesmal bei Villarreal zuschlägt? Tatsächlich würde es zur vermeintlichen neuen Transfer-Strategie passen, künftig nicht mehr im allerhöchsten Spieler-Regal zugreifen zu wollen.

Dass teure, prominente Transfers sowieso nicht unbedingt zum unmittelbaren Erfolg führen, zeigt übrigens das UEFA-Cup-Aus gegen Zenit 2008: Vor der Saison hatte der FC Bayern den bis dahin wohl größten Kaufrausch der Klubgeschichte hingelegt und für viel Geld unter anderem die WM-Finalisten von 2006 Franck Ribery und Luca Toni verpflichtet.

Auf der Trainerbank saß bei den Enttäuschungen von 2002 und 2008 jeweils Ottmar Hitzfeld. Er hatte den FC Bayern zuvor zum Sieg in der Champions League geführt, in jenen beiden Saisons holte er immerhin noch den Meistertitel. Nach dem Scheitern in der Champions-League-Gruppenphase im Herbst 2002 und Hitzfelds Abschied dominierte der FC Bayern unter Nachfolger Felix Magath zwar weiterhin den nationalen Fußball, war im europäischen Vergleich aber nur zweitklassig.

Als es schließlich auch in Deutschland bergab ging, kehrte Hitzfeld für eineinhalb Jahre zurück. Nach seinem zweiten Abschied scheiterte das Experiment Jürgen Klinsmann, ehe unter Louis van Gaal die erfolgreiche Neuzeit des FC Bayern anbrach - zu deren Beginn Jürgen Klopps BVB aber noch etwas nervte.

Julian Nagelsmann: Saison "nicht ausreichend"

Seit Dortmunds Double-Saison 2011/12 hat der FC Bayern ein Abo auf den Meistertitel und scheiterte international wenn dann an ebenbürtiger oder stärkerer Konkurrenz. Bis April 2022, bis Villarreal. Hitzfelds Trainer-Nachfolger in Sachen überraschendes Ausscheiden in einem internationalen Wettbewerb heißt Julian Nagelsmann. Er war vor der Saison für über 20 Millionen Euro und ohne Profititel von RB Leipzig verpflichtet worden.

Seine in Sachen Ergebnisse enttäuschende Premierensaison nannte er unabhängig vom bevorstehenden Meistertitel "nicht ausreichend", Konsequenzen für den bis 2026 gebundenen Trainer wird sie aber keine haben. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn gab sich betont gelassen und wollte wegen des überraschenden Ausscheidens "nicht in Tränen ausbrechen".

Ein bisschen Anlass zur Sorge sollte das Abschneiden aber schon geben. Zumal der FC Bayern mit Gladbach auch im DFB-Pokal an einer schwächeren Mannschaft gescheitert ist. Zumal die Münchner schon in der vergangenen Saison in den jeweils gleichen Runden gegen Holstein Kiel und PSG ausgeschieden sind.

Wie schnell sich im Fußball und speziell beim FC Bayern aber alles ändern kann, zeigt sich bei einem Blick auf die Zeit zwischen den beiden letzten knisternden Champions-League-Abenden in der Allianz Arena. Die Pleiten gegen Liverpool und Villarreal rahmen nämlich ein Triple ein, das der FC Bayern 2020 unter Trainer Hansi Flick in beeindruckender Manier gewann.

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