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Fussball

FC Bayern- Giovane Elber im Interview: "Man muss Julian Nagelsmann Zeit geben"

Von Johannes Ohr
Giovane Elber (li.) und Didi Hamann spielten 1997 - 1998 gemeinsam beim FC Bayern München.

Giovane Elber absolvierte mit dem FC Bayern München insgesamt 16 Spiele gegen den BVB. Der heutige Markenbotschafter des deutschen Serienmeisters schoss dabei sechs Tore, bereitete sechs weitere vor. Vor dem womöglich titelbringenden Duell der Münchner gegen den BVB am Samstag erzählt Elber im Interview mit SPOX und GOAL, welche Momente ihm gegen BVB besonders in Erinnerung geblieben sind und wer sein härtester Gegenspieler war.

Außerdem erklärt Elber, warum die bevorstehende zehnte Meisterschaft in Serie für den FC Bayern kein gutes Zeichen für die Bundesliga ist und warum Trainer Julian Nagelsmann und Vorstandschef Oliver Kahn noch Zeit brauchen. Seinem früheren Teamkollegen und Bayern-Kritiker Didi Hamann gibt er kontra.

Herr Elber, seit 2014 hat der BVB nicht mehr in München gewonnen, glauben Sie, dass am Wochenende (Sa., 18:30 Uhr im LIVETICKER) für Dortmund mal wieder etwas zu holen ist?

Giovane Elber: Die Statistik ist natürlich top. Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern wird. Bayern kann Meister werden, jeder Titel ist etwas Besonders. Erst recht, wenn man den letzten Schritt gegen Dortmund machen kann. Der BVB wird genau das natürlich verhindern wollen, das wird zusätzlich Motivation geben. Mein Tipp: 2:1 für Bayern.

Sie sprechen es an: Bayern kann zum 10. Mal in Serie Meister werden. Wie gefährlich ist das für die Bundesliga?

Elber: Klar freut mich das. Auf der anderen Seite verliert die Bundesliga schon ein bisschen an Wert. Ich bekomme sehr viel aus dem Ausland mit. Da verfolgt man eher die Premiere League oder La Liga in Spanien. Ich bekomme oft zu hören, dass die Bundesliga langweiliger geworden sei, weil Bayern eben immer mit zehn, 15 Punkten Vorsprung Meister wird. Deswegen wäre es schon gut, wenn wieder mehr Mannschaften oben mitspielen würden.

Der BVB hat sich mit Niklas Süle verstärkt, auch Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi sind im Gespräch. Glauben Sie, dass Dortmund nächstes Jahr wieder stärker und näher an Bayern herangerückt?

Elber: Ich denke schon. Der BVB ist ein gut organisierter Verein. Er versucht, wieder an Bayern ranzukommen. Niklas Süle ist ein guter Junge, ein guter Spieler. Ich hoffe, dass er beim BVB Spaß haben kann.

Giovane Elber: "Wir hatten früher auch alle mal schlechte Tage"

Trotz der bevorstehenden Meisterschaft lief es beim FC Bayern zuletzt eher holprig. Wie haben Sie das Aus in der Champions League gegen Villarreal erlebt?

Elber: Das war hart. Ich hatte noch zwei Tage später ein schlechtes Gefühl. Man denkt immer: 'Verdammt, da hätten wir weiterkommen können, aber wir haben es nicht geschafft.' Insgesamt war es aber verdient. Es war ja nicht so, dass Villarreal glücklich ins Halbfinale kam. Sie hätten im Hinspiel mehr als ein Tor schießen können. Im Rückspiel waren sie gut organisiert, haben auf Konter gelauert. Das hat ja dann auch geklappt. Trainer Unai Emery hat das gut hinbekommen.

Was sind die Gründe dafür, dass es in dieser Saison immer wieder hakte? Auch das Aus im DFB-Pokal kam ja früh.

Elber: In der Champions League war es unglücklich. Bei Bayern wissen alle selbst, dass wir besser spielen können. Villarreal ist verdient weiterkommen, das müssen wir jetzt akzeptieren. Im DFB-Pokal war es ein Tag zum Vergessen. Da hat bei uns nichts, bei Gladbach dagegen alles funktioniert. In den entscheidenden Phasen waren wir einfach nicht gut genug, um unsere Überlegenheit, die wir ja normalerweise haben, auf dem Platz umsetzen zu können. Beim FC Bayern zeichnen wir uns aber dadurch aus, nach Niederlagen aufzustehen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Ihr früherer Mitspieler Didi Hamann bemängelte, ihm fehle es auf dem Platz an Führungsspielern. Teilen Sie die Kritik?

Elber: Nein. Am Anfang der Saison war alles picobello. Wir hatten super Spiele, haben in der Champions League-Gruppenphase kein Spiel verloren. Ich denke nicht, dass es uns an Führungsspielern fehlt. Die haben wir. Didi Hamann, ich, Lothar Matthäus, Brazzo (Hasan Salihamidzic, die Red.) - wir hatten früher auch alle mal schlechte Tage. Das kommt vor.

FCB-Legende Elber: Das war mein härtester BVB-Gegenspieler

Kann Trainer Julian Nagelsmann beim FC Bayern wirklich eine Ära prägen?

Elber: Er ist ein junger Trainer. Er hat es gut gemacht in seinem ersten Jahr bei uns. Klar, man hat sich in der Champions League mehr erhofft. Aber nur, weil wir jetzt ausgeschieden sind, darf man nicht den Stab über ihn brechen. Er ist ein guter Trainer. Ich hoffe, dass er bei uns noch lange Erfolg haben wird. Man muss ihm Zeit geben.

Auch Oliver Kahn steht in der Kritik. Er sei als Vorstandsvorsitzender zu leise, heißt es oft. Wie bewerten Sie seine Rolle?

Elber: Er war wie Brazzo am Anfang eher zurückhaltend. Mittlerweile macht er seine Standpunkte aber schon klar. Oli ist in einer neuen Rolle, muss sich da zunächst zurechtfinden. Auch einem Vorstandsvorsitzenden muss man Zeit geben - gerade, wenn er in die großen Fußstapfen von Karl-Heinz Rummenigge und auch einem Uli Hoeneß tritt. An deren Erfolgen wird man ja immer gemessen.

Gibt es einen speziellen Moment gegen den BVB, an den Sie sich gerne zurückerinnern?

Elber: Es gibt viele, viele, besondere Momente gegen den BVB. Ich habe mich immer auf diese Spiele gefreut. Der BVB wollte uns immer mit aller Macht ärgern. Mir blieb vor allem das Spiel im April 1999 hängen, als Olli Kahn mit einem Kung-Fu-Sprung aus seinem Tor kam. Oder das 2:1 im November 2002, als Jens Lehmann mit Gelb-Rot vom Platz und Jan Koller zwischen die Pfosten musste. Es ist eines der schönsten Spiele, das man als Profi machen kann. Es geht um die Rivalität. Man will dem Gegner immer zeigen, wo der Hammer hängt. Wenn man verliert, muss man immer ein halbes Jahr warten, um sich revanchieren zu können. Bei uns war früher noch alles enger zusammen, da hat die Vorbereitung auf das Spiel schon eine Woche vorher begonnen."

Welcher BVB-Star war Ihr härtester Gegenspieler?

Elber: Jürgen Kohler, ganz klar. Er war überhaupt nicht unfair, aber es war extrem schwer, gegen ihn zu spielen. Er war erfahren und schnell, immer einen Schritt vor mir am Ball. Wenn ich wusste, dass ich gegen ihn spielen musste, war mir schon klar, dass ich nicht viel Spaß haben werde.

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