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Fussball

Kommentar zum FC Bayern München: Nagelsmann befindet sich auf Guardiolas Spuren

Mit einer beeindruckenden Dominanz gewann der FC Bayern München 5:0 gegen Dynamo Kiew. Dabei zeigte sich deutlich denn je, dass sich Trainer Julian Nagelsmann auf Pep Guardiolas Spuren befindet. Ein Kommentar.

Serge Gnabrys ziemlich schöner Treffer zum 3:0 gegen Dynamo Kiew interessierte Julian Nagelsmann erstmal überhaupt nicht. Während Spieler und Fans ihre Hände jubelnd in die Höhe warfen, ließ der Trainer seine völlig unbeirrt mit nach unten zugespitzten Zeigefingern umherschnellen.

Zum Zeitpunkt des Tores gab er dem zur Einwechslung bereitstehenden Benjamin Pavard gerade einige taktische Anweisungen. Er dachte gar nicht daran, diese für so etwas banales wie ein 3:0 gegen Kiew zu unterbrechen. Erst als seine Hände wieder frei waren, klatschte sie Nagelsmann ein paarmal pflichtbewusst aneinander.

Es waren Bilder, wie sie auch sein Vor-vor-vor-vor-Vorgänger Pep Guardiola an den Münchner Spielfeldrand hätte malen können. Beim 5:0-Sieg gegen Kiew wurde deutlicher denn je: Nagelsmann befindet sich auf Guardiolas Spuren.

Der FC Bayern strahlt eine Aura der Unschlagbarkeit aus

Natürlich erinnerte nicht nur sein Verhalten an der Seitenlinie an Guardiola, sondern auch die von der Zeit zwischen 2013 und 2016 in der absoluten Mehrzahl der Spiele bekannte Aura der Mannschaft. Die Aura der Unschlagbarkeit, der absoluten Siegesgewissheit - begründet aus dem Perfektionismus der beiden Trainer. Wie einige andere Gegner in den vergangenen Wochen, dominierten die Münchner auch Kiew. Mit einer beeindruckenden Lässigkeit schnürten sie den ukrainischen Meister an deren Strafraum ein.

In der realtaktischen Aufstellung hatten neben Keeper Manuel Neuer nur die beiden Innenverteidiger Dayot Upamecano und Lucas Hernandez ihren durchschnittlichen Aufenthaltspunkt in der eigenen Hälfte. Dagegen waren gleich fünf Spieler dem gegnerischen Strafraum im Schnitt näher als der Mittellinie. Kiew-Keeper Georgi Bushchan sah sich daher schon in der 54. Minute beim Stand von 0:2 zum Zeitspiel gezwungen. Nur nicht noch deutlicher verlieren!

Tatsächlich stand von Beginn an lediglich die Höhe des Sieges zur Disposition, am Ende hieß es 5:0. Es war wie damals unter Guardiola. Nach zehn Pflichtspielen weist Nagelmsann nun sogar eine besser Bilanz auf als einst Guardiola, wobei die größten Hürden bisher noch nicht dabei waren. Trotzdem: neun Siege, ein Remis, Torverhältnis 46:6.

Nagelsmanns taktische Ideen gleichen Guardiolas

Auch in Sachen Taktik sind die Parallelen zwischen Guardiola und Nagelsmann offensichtlich. Vertraute Nagelsmann zunächst noch vorrangig auf das von Hansi Flick bewährte relativ starre 4-2-3-1-System, wurde er mit der Siegesserie im Rücken experimentierfreudiger. Zum Vorschein kommt dabei seine Liebe für kreatives Positionsspiel und überraschende Lösungen, wie man sie beim FC Bayern seit Guardiola nicht mehr gesehen hat. "Es geht darum, dass wir Variabilität kriegen in den Grundordnungen, um auf verschiedene Spielsituationen reagieren zu können, ohne improvisieren zu müssen", erklärte Nagelsmann.

Gegen Kiew stürmte Linksverteidiger Alphonso Davies erneut regelmäßig die Linie entlang nach vorne und schob damit Linksaußen Leroy Sane ins Zentrum. Neu war, dass der zum Rechtsverteidiger umfunktionierte Niklas Süle ebenfalls viele offensive Akzente setzte. Wie einst Philipp Lahm, David Alaba oder Rafinha unter Guardiola, bewegte er sich vorrangig in die Halbräume Richtung Sechzehner-Ecke. Die Sechser Leon Goretzka und Joshua Kimmich ließen sich daraufhin teils fallen, Serge Gnabry hielt auf rechts die Linie.

Bei eigenem Ballbesitz entstand somit eine Art 2-3-5-System, das Guardiola beim FC Bayern ebenfalls praktizieren ließ. Er besetzte die Positionen damals aber symmetrischer, beorderte anders als Nagelsmann beide nominellen Außenverteidiger ins Mittelfeld sowie beide Flügelstürmer an die Seitenlinien - und brauchte nach Amtsantritt außerdem länger, um auf diese Idee zu kommen. In dieser Hinsicht ist Nagelsmann Guardiola also sogar voraus.

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