FC Bayern München - Erkenntnisse zum Comeback gegen Mainz: Kimmichs perfekte Interpretation - verpennter Start, die Achte

Von Dennis Melzer
Erstmals seit dem 7. November stand Kimmich wieder in der Startelf der Münchner.
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3.: Bayerns doppeltes Selbstverständnis

Nein, der FC Bayern glänzt in dieser Saison nicht unbedingt mit einer verlässlichen Hintermannschaft, das belegt nicht zuletzt die bereits aufgeführte Bilanz von acht Rückständen in Folge. Die Defensivspezialisten wechselten sich in der jüngeren Vergangenheit mit Fehlern ab, wirklich konstant war zuletzt keiner der Viererketten-Protagonisten.

Gegen Mainz war es diesmal Jerome Boateng, der einen einigermaßen gebrauchten Abend erwischte. Der Innenverteidiger rechnete nach einem leichten Schubser von Youngster Jonathan Burkardt mit einem Freistoß zu seinen Gunsten, musste jedoch dabei zusehen, wie sein Gegenspieler alleine auf Manuel Neuer zulief und die Nerven behielt, kurz vor der Halbzeit verursachte der Weltmeister von 2014 den Freistoß zum 0:2.

Boatengs Arbeitszeugnis nach 45 Minuten: kein gewonnener Zweikampf und eine Gelbe Karte wegen Meckerns (weil er den erhofften Freistoß gegen Burkardt nicht bekam). Grund genug für Flick, den Routinier in der Kabine zu lassen. Süle brachte deutlich mehr Stabilität in den Verbund, behielt in all seinen vier Duellen die Oberhand und traf mit seinem schwachen Linken technisch fein und etwas glücklich zum 3:2. Ein Umstand, der das Selbstverständnis der Münchner bestens widerspiegelt.

Hat ein Spieler Probleme, kommt eben ein anderer Akteur, der in der Lage ist, es besser zu machen. Flicks Kader umfasst ausreichend Profis, die die Qualität, Mentalität und Erfahrung besitzen, auch von der Bank entscheidende Akzente zu setzen.

Dessen sind sich die Bayern bewusst und genau so treten sie auf. "Das ist brutal wichtig und ein überragendes Gefühl, wenn man weiß, dass wir das Spiel drehen können", sagte Kimmich. Sane pflichtete ihm bei: "Wir sind entschlossen, die Tore zu machen, wenn wir zurückliegen."

Tatsächlich verlor der FCB nach den viel beachteten acht Rückständen zuletzt keine einzige Begegnung. Auch das gehört - bei aller Kritik - zur Wahrheit. Deshalb grüßt der Dauerdominator der vergangenen Jahre auch in dieser Saison nach 14 Spieltagen von der Tabellenspitze.

4.: Willensstärke und Spielwitz: Mainz verkauft sich teuer

Lediglich zwei Punkte beträgt der Vorsprung der Mainzer auf Schlusslicht Schalke 04, an diesem Wochenende trennten die beiden Abstiegskandidaten allerdings spielerisch sowie in puncto Kampfbereitschaft Welten. Während sich die Knappen in Berlin erneut ihrem Schicksal ergaben und mit einem 0:3 im Gepäck nach Hause fuhren, verkauften sich die Nullfünfer beim haushohen Favoriten teuer.

Kurzzeit-Interim Jan Siewert, der beim einst heillos überforderten England-Klub Huddersfield Town immerhin einige Monate Premier-League-Luft als Trainer schnuppern durfte, mittlerweile aber als Jugendchef in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt arbeitet, hatte sein Team bestmöglich auf die Münchner Schwächen eingestellt.

Dabei wussten die Mainzer nicht bloß als giftige Fighter zu gefallen, sondern setzten auch fußballerische Nadelstiche in Form von technisch sauber vorgetragenen Angriffen. Pech aus Sicht der Siewert-Elf, dass Danny Latza und Robin Quaison jeweils am Aluminium scheiterten und somit ein besseres Ergebnis verpassten.

"Wir wussten, dass wir einen guten Plan brauchen, um uns bestmöglich in München zu verkaufen. Das haben wir insbesondere in der ersten Halbzeit getan", sagte Siewert auf der Pressekonferenz. Er ergänzte: "Wir haben uns viele Möglichkeiten erspielt und sind mit guten Bällen in die Tiefe gekommen. Es war unglücklich, dass die Bayern so kurz nach der Pause getroffen haben. Vielleicht wäre das Spiel anders gelaufen, hätten wir die Chance zum 3:0 genutzt."

Gelingt es den Mainzern, den Schwung mit in die nächsten Wochen zu nehmen, dürften die Chancen auf den Klassenerhalt deutlich steigen. Bei dieser Mission wird jedoch fortan nicht Siewert an der Außenlinie die Geschicke leiten, sondern aller Voraussicht nach Ex-Mainz-Profi und -Jugend-Trainer Bo Svensson, dessen Engagement am Dienstag offiziell bekanntgegeben werden soll.

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