Fussball

Torwart-Debatte beim FC Bayern um Manuel Neuer und Alexander Nübel: Der König wird den Thron nicht räumen

Von Dennis Melzer

Erstmals seit Bekanntgabe des Transfers von Alexander Nübel teilte Manuel Neuer im Trainingslager des FC Bayern München in Doha seine Gedanken zur Causa - und machte klar: sein Thronfolger muss warten.

Passender hätte die Szenerie im Al Aziziyah Boutique Hotel nicht sein können, als Manuel Neuer den Presseraum betrat und nach einer kurzen Begrüßung auf einem thronartigen, mit dunkelrotem Polster umspannten, goldverzierten Stuhl Platz nahm. Ein Bild, das im Laufe des Gespräches mit den anwesenden Reportern, die den FC Bayern im Trainingslager in Doha begleiten, Symbolcharakter gewinnen sollte.

Tiefenentspannt wirkte er, der Torhüter des deutschen Rekordmeisters, der natürlich wusste, um welche Thematik sich die montägliche Medienrunde hauptsächlich drehen würde: seine Einschätzung dazu, dass sein Arbeitgeber in Alexander Nübel für die kommende Saison einen neuen, verheißungsvollen Keeper und somit potenziellen Konkurrenten verpflichtet hat.

Manuel Neuer lobt Sven Ulreich

"Das ist eine Entscheidung des Vereins im Hinblick auf die nächsten Jahre", sagte Neuer auf eine entsprechende Nachfrage. Der FCB-Kapitän schob nach: "Er ist ein guter Torhüter, dennoch haben wir bei uns auch schon gute Torhüter." Vor allem Sven Ulreich, stets loyale, zuverlässige Nummer zwei habe "seine Sache sehr gut gemacht, als er mich vertreten hat."

Deutliche Wertschätzung für Ulreich, der bereits tags zuvor im Anschluss an die erste öffentliche Trainingseinheit seine Zukunft offengelassen hatte: "Mein Vertrag läuft bis 2021. Das ist eine neue Situation", sagte der ehemalige Stuttgarter mit Blick auf die Verpflichtung Nübels und eine damit wahrscheinlich verbundene Degradierung in der Torwart-Hierarchie.

Während das Ulreich-Standing allerdings - zumindest im öffentlichen Interesse - als Randnotiz der Causa wahrgenommen wird, beschäftigte Medien und Fans zuletzt vor allem ein angebliches Versprechen des FCB an Nübel, eine gewisse Anzahl von Spielen absolvieren zu dürfen, was im Umkehrschluss hieße, dass Neuer einige Male auf seinen Platz zwischen den Pfosten verzichten müsste.

Manuel Neuer: "Ich bin kein Statist, sondern Protagonist"

Ein Modell, das beim Bayern-Kapitän offensichtlich auf wenig Gegenliebe stößt. "Ich bin Sportler, ich bin Profi, ich bin ehrgeizig. Ich bin kein Statist, sondern Protagonist", stellte der 33-Jährige klar und ergänzte später in einer separaten Runde mit TV- und Radio-Journalisten: "Ich bin ein Spieler, der immer auf dem Platz, der immer zwischen Pfosten stehen möchte. Das weiß jeder, der mich kennt."

Es sei letztlich zwar nicht seine "Entscheidung als Spieler", sondern die des Trainers, dennoch vermittelte Neuers Ansage nicht sonderlich subtil und passend zum Ambiente im Münchner Teamhotel: Ich werde meinen Thron nicht räumen, zumindest nicht aus freien Stücken. Dass Nübel, für den nach Informationen des kicker - Stand jetzt - keine Leihe infrage kommt, sich wohl über einen längeren Zeitraum mit der Rolle als Neuer-Backup arrangiert, stößt beim Weltmeister von 2014 auf Unverständnis.

"Ich kann mich nicht in ihn hineinversetzen. Ich war ein Spieler, der damals immer spielen wollte. Ich wollte immer die Nummer eins sein", sagte er. "Alex Nübel ist die Nummer eins auf Schalke, macht seine Spiele und ist ein guter Torwart. Ich weiß nicht, ob ich mich so verhalten beziehungsweise entschieden hätte." Er habe sich seinerseits damals "anders entschieden und bin nicht zu einem Verein gewechselt, bei dem ich möglicherweise die Nummer zwei gewesen wäre."

Joshua Kimmich: "Manu ist die unangefochtene Nummer eins"

Rückendeckung erhielt Neuer indes von seinem Teamkollegen Joshua Kimmich. "Ich glaube, es war eine strategische Entscheidung des Vereins", sagte der 24-Jährige. "Er (Nübel) war ablösefrei, deshalb verstehe ich, dass der Verein eine Chance sieht. Trotzdem muss man ganz klar sagen, dass Manu hier und auch in der Nationalmannschaft die unangefochtene Nummer eins ist und auch in der nächsten Saison sein wird."

Trainer Hansi Flick hatte Neuer schon am Sonntag mit dem Prädikat "weltbester Torhüter" ausgezeichnet und hinsichtlich Neuers zur Debatte stehenden Vertragsverlängerung bis 2023 prophezeit, dass "Bayern alles dransetzen wird, ihn weiter zu verpflichten."

Neuer-Vertragsverlängerung nicht von Nübel-Transfer abhängig

Apropos Vertragsverlängerung: für diese sei der Nübel-Transfer Neuer zufolge "unerheblich". Vielmehr würden andere Faktoren bei seiner Entscheidungsfindung eine Rolle spielen. Zum Beispiel, wer die Mannschaft künftig trainieren wird sowie die Chancen auf einen erneuten Triumph in der Königsklasse. "Ich will in den letzten Jahren meiner Karriere erfolgreich spielen und die Möglichkeit haben, Champions-League-Sieger zu werden."

Am liebsten mit den Bayern, am liebsten augenscheinlich unter Flick, für den Neuer ausschließlich lobende Worte fand: "Es macht sehr viel Spaß, mit Hansi Flick zusammenzuarbeiten und es ist für mich natürlich auch ausschlaggebend, wer Trainer sein wird." Und dann, nach rund 15 Minuten erhob er sich von seinem thronartigen Stuhl, grinste noch einmal in die kleine Runde und wünschte den Anwesenden einen schönen Tag. Es dürfte vorerst das letzte Mal gewesen sein, dass der Arrivierte, der König, seinen Thron räumt.

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