Fussball

FC Bayern München - Joshua Kimmich über Positionswechsel: "Als Rechtsverteidiger ist man isolierter"

Von Dennis Melzer
Will beim FC Bayern München noch mehr Leader sein und konstant auf einer Position spielen: Joshua Kimmich.

Joshua Kimmich wechselte in der Hinrunde immer wieder zwischen der Sechser- und Rechtsverteidiger-Position. In Doha äußert er sich zu seinen Präferenzen und stellte klar, nicht mehr "alle ein bis zwei Wochen die Position" wechseln zu wollen.

Am dritten Tag des Bayern-Trainingslagers in Doha hat Nationalspieler Joshua Kimmich den anwesenden Reportern in einer Medienrunde Rede und Antwort gestanden. Besonders seine bisherige und zukünftige Rolle unter Trainer Hansi Flick wurde thematisiert.

Zudem äußerte sich der 24-Jährige zur Definition des Begriffes "Leader", nannte einige Weggefährten als Anführer-Paradebeispiele und lobte die spielerische Entwicklung des Rekordmeisters unter Flick.

Joshua Kimmich über ...

... seine wechselnde Rolle als Rechtsverteidiger und Sechser: "Es ist die Entscheidung des Trainers, auf welcher Position ich spielen werde. Mir ist die Position egal, aber mir ist wichtig, dass eine gewisse Konstanz gegeben ist. Wenn man auf Top-Niveau immer wieder seine Leistung abrufen möchte, ist es schwierig, alle ein bis zwei Wochen die Position zu wechseln."

... die Tatsache, dass Hansi Flick ihn - ähnlich wie Bundestrainer Joachim Löw - zumeist auf der Sechs spielen lässt: "Beim DFB ist es klar, auf welcher Position ich spiele. Bei Bayern war es etwas wechselhafter. Man hat am Anfang gesehen, dass Hansi Flick mich auf der Sechs sieht. Ich weiß auch, dass wir im Mittelfeld mit mir sieben fitte Spieler haben und rechts hinten dünner besetzt sind. Das heißt nicht, dass ich nicht im Mittelfeld spielen möchte, weil es dort Konkurrenz gibt. Aber das ist ein Faktor, den der Trainer berücksichtigen muss."

... die Möglichkeit, auf der Sechs die Rolle eines Führungsspielers besser erfüllen zu können: "Ich habe das Gefühl, dass man im Mittelfeld näher dran ist an den Mitspielern und mehr Einfluss aufs Geschehen nehmen kann. Als Rechtsverteidiger ist man etwas isolierter. Das bedeutet nicht, dass man als Rechtsverteidiger kein Leader sein kann. Philipp Lahm war schließlich auch Kapitän. Mir persönlich fällt es aber leichter, meine Emotionen aufs Feld zu bringen, wenn ich zu jeder Zeit Teil des Spiels bin und Einfluss auf meine Mitspieler nehmen kann."

...  die Definition des Begriffs "Leader": "Ein Leader ist jemand, der seine Mitspieler mitreißen möchte, der nicht nur auf seine eigene Leistung schaut. Ein Leader ist jemand, der sich dem Mannschaftserfolg unterordnet."

... Leader-Beispiele: "Ich habe schon mit einigen zusammengespielt. Ich fand speziell, wie Arturo (Vidal, Anm. d. Red.) die Leaderrolle ausgefüllt hat. Er hat die Sprache nicht gesprochen und konnte dementsprechend nicht verbal mit jedem kommunizieren, aber ihn hat seine Art und Weise auf dem Platz zum Anführer gemacht. Xabi Alonso wollte beispielsweise unbedingt Deutsch lernen, um mit jedem kommunizieren zu können. Er hat viel mit den jungen Spielern gesprochen und hat sich Gedanken um die mannschaftstaktische Komponente gemacht. Außerdem hat er immer versucht, andere in Szene zu setzen. Manu (Neuer) ist auch jemand, der einen riesigen Ehrgeiz mitbringt und jedes Spiel gewinnen will. Seine Leaderfähigkeiten habe ich besonders kennengelernt, als ich in der Innenverteidigung gespielt habe. Er hat mir sehr viel geholfen, viele Kommandos gegeben. Bei der EM 2016 hat er mich zudem unter seine Fittiche genommen."

... ein langfristiges Engagement von Hansi Flick: "Ich habe schon nach den ersten Wochen gesagt, dass ich mir sicher bin, dass es mindestens bis zum Sommer gehen wird. Natürlich hängt so etwas immer vom Erfolg ab. Wir haben die ersten Spiele unter ihm sehr gut gespielt, dann zwei Spiele verloren, woraufhin schon wieder die ersten Diskussionen aufkamen. Es ist heutzutage so, dass ein Trainer am Erfolg gemessen wird. Gerade hier beim FC Bayern. Ich bin jetzt in meinem fünften Jahr bei Bayern und habe bereits den fünften Trainer. Das ist untypisch für einen solchen Klub. Die Art und Weise, wie wir spielen, ist wieder attraktiver geworden. Wir attackieren und pressen höher, zwingen den Gegner zu Fehlern. Wir Spieler sind zufrieden."

... Flicks zwischenmenschliche Qualitäten: "Ich finde bei ihm sehr auffällig, dass er seinen Umgang nicht nur auf die Mannschaft beschränkt, sondern sich immer wieder um die Mitarbeiter kümmert und versucht, sie mit ins Boot zu holen. Am Ende sind zwar wir Spieler diejenigen, die Verantwortung auf dem Feld tragen, aber die Mitarbeiter drumherum geben jeden Tag ihr Bestes, damit wir so gut wie möglich performen können. Er macht das wirklich gut, indem er auch ihnen die nötige Wertschätzung gibt."

... seine Ziele für das EM-Jahr 2020: "Ganz oben steht die Meisterschaft. Wir waren in der vergangenen Saison im Winter sechs Punkte hinten, dieses Jahr sind es vier Punkte. Das ist nicht unser Anspruch, wir wollen immer oben stehen. Den DFB-Pokal möchte man auch immer gewinnen, besonders das Finale ist ein Highlight. Die Champions League ist noch einmal spezieller. Wir treffen nun auf Chelsea und wollen uns ganz anders präsentieren als im Achtelfinale der vergangenen Saison, in dem wir verdient ausgeschieden sind. Wir müssen zeigen, dass wir unbedingt weiterkommen wollen und mit einem anderen Anspruch an die Sache herangehen. Ich fand, dass es gegen Liverpool in beiden Spielen nicht gut von uns war."

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