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Fussball

Tiago Tomas - VfB Stuttgarts Trumpf im Abstiegskampf: Teilweise besser als Robert Lewandowski

Von Tim Ursinus
Tiago Tomas geriet nach seinem Treffer zum 3:2 in eine Jubeltraube. Mit dabei: Trainer Pellegrino Matarazzo.

Im Kampf um den Klassenerhalt kristallisiert sich Winter-Neuzugang Tiago Tomas beim VfB Stuttgart immer mehr als Trumpf und Königstransfer heraus. Teilweise übertrumpft der 19-Jährige sogar Robert Lewandowski.

Die 85. Minute war auf der Anzeigetafel angebrochen, als Tomas bei den über 50.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena Ekstase auslöste, sich vor den eskalierenden Fans in der Cannstatter Kurve aufbäumte und feiern ließ. Der Portugiese hatte in einer wilden Schlussphase die Nerven behalten und die nächste Aufholjagd der Schwaben mit seinem Treffer zum 3:2-Endstand gegen den FC Augsburg gekrönt.

Ein klares Ausrufezeichen in Richtung der anderen abstiegsbedrohten Klubs. Während der Länderspielpause grüßt der VfB erstmals seit dem 18. Spieltag wieder von einem Nicht-Abstiegsplatz (14.). Die Fuggerstädter rutschten hingegen auf Platz 15 ab, die Hertha (16.) verdrängte Bielefeld auf den 17. Rang.

"Er hat Tempo, hat Tiefgang, ist in der Lage, seinen Körper sehr gut einzusetzen und kann eklig sein beim Ballfestmachen", schwärmte Trainer Pellegrino Matarazzo vom Matchwinner nach dem so wichtigen Sieg über den FCA. Tomas ist noch bis nach der nächsten Saison von Sporting Lissabon ausgeliehen. Sportdirektor Sven Mislintat, der sein Goldenes Händchen bei Transfers von jungen Spielern mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, lobte: "Er hat bewiesen, was für ein wichtiger Neuzugang er ist."

Dabei hatten die stets kritischen VfB-Anhänger mit Blick auf den drohenden dritten Abstieg innerhalb von sechs Jahren schon große Sorgenfalten, nachdem klar war, dass den Kader neben dem 19 Jahre alten Tomas kein weiterer Spieler verstärken wird. Auch die 13 Scorerpunkte in 66 Spielen für Sporting ließen nicht auf einen Heilsbringer im Abstiegskampf schließen. Zudem spielte er in Lissabon kaum eine Rolle in der Hinrunde.

Tomas ist das Gesicht des Stuttgarter Aufwärtstrends

"Was nützt es mir, wenn er erfahren ist, aber nicht die Qualität mitbringt? Wir bewegen uns in einem sehr, sehr limitierten Budget", begründete Mislintat noch einige Zeit vor der Verkündung des Deals sein Treiben auf dem Transfermarkt und schob - wie es der Zufall so wollte - nach: "Da ist es mir egal, ob er 19 oder 28 ist."

Wenige Monate später ist Tomas das Gesicht des Stuttgarter Aufwärtstrends. Starke sieben Punkte holte der VfB in den vergangenen drei Spielen. Vor seiner Ankunft erzielte das Team von Matarazzo lediglich fünf Stürmertore, nach sieben Einsätzen steht der U21-Nationalspieler von Portugal allein bei drei Treffern in der Bundesliga.

Außerdem profitieren der lange verletzte Sasa Kalajdzic und die Wolfsburger Leihgabe Omar Marmoush (jeweils drei Saisontore) von dem pfeilschnellen sowie dribbelstarken Angreifer, der seinen Kollegen die so viel zitierten Räume schafft und häufig öffnende Bälle spielt.

VfB-Stürmer Tiago Tomas: Mehr Effizienz als Lewandowski

Jedoch verblüfft nicht Tomas' Ballsicherheit oder Kreativität am meisten, sondern seine herausragende Effizienz. Für seine drei Tore benötigte er zehn Torschüsse, im Durchschnitt braucht er für ein Tor also nur 3,3 Schüsse. Damit ist er zielsicherer als Europas Top-Torjäger Lewandowski, der mit seinen 31 Saisontoren bei einer Quote von 4,3 Versuchen steht. Mit einem Top-Speed von 35,6 km/h stellte Tomas gegen Augsburg außerdem einen vereinsinternen Saisonrekord auf.

Angesichts der außergewöhnlichen Fähigkeiten von Tomas verwundert auch nicht, dass sich der VfB eine Kaufoption in Höhe von kolportierten 15 Millionen Euro gesichert hat. Sollte Mislintat diese Summe tatsächlich auf den Tisch legen, würde er für den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte sorgen.

Ein nach aktuellem Stand denkbares Szenario, sollten genügend finanzielle Mittel vorhanden sein. An Tomas würde ein Verbleib wohl nicht scheitern. Der 1,80 Meter große Offensivspieler war nämlich sofort Feuer und Flamme für seinen neuen Verein.

"In dieser Saison habe ich nicht so viel gespielt. Als das Interesse des VfB kam, hat mir der Gedanke gefallen", sagte er kurz nach seinem Umzug von Lissabon in den Süden Deutschlands. Stuttgart sei "ein großer Klub", habe in den vergangenen Jahren "nicht mehr den Platz inne, den er verdient". Er fühlt sich "geehrt, bei einem so großen Klub zu spielen."

Tiago Tomas bleibt auch bei Abstieg in Stuttgart

Auch der Umstand, dass er von einem Titelanwärter und Champions-League-Achtelfinalisten mitten in den Abstiegskampf gewechselt ist, verunsicherte ihn zu keinem Zeitpunkt. Deshalb verriet er auch nicht, ob sein Vertrag im Fall der Fälle in der 2. Liga Bestand hätte. Darüber spreche er nicht, erklärte er. Das sei allerdings auch nicht nötig, weil Stuttgart die Klasse ohnehin halte. "Davon bin ich überzeugt", stellte er klar.

Der VfB habe "genügend Qualität, um da rauszukommen. Das wird nicht einfach, aber ich bin sicher, dass wir es schaffen. Wir steigen nicht ab", sagte Tomas und zeigte schon damals den Kampfgeist, den er Woche für Woche auf dem Platz verkörpert.

Inzwischen ist klar, dass Tomas' Leihe auch bei einem Abstieg weiterhin Gültigkeit besitzt, das bestätigte Mislintat im Februar.

Wie die Jubelszenen und Reaktionen nach dem jüngsten Sieg gezeigt haben, verschwendet daran aber nicht nur Stuttgarts neuer Trumpf keinen Gedanken mehr. Den Klassenerhalt hat der VfB schließlich wieder selbst in der Hand.

Bundesliga: Das Restprogramm des VfB Stuttgart

SpieltagGegnerOrt
28Arminia BielefeldA
29Borussia DortmundH
30FSV Mainz 05A
31Hertha BSCA
32VfL WolfsburgH
33FC Bayern MünchenA
341. FC KölnH
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