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Fussball

Kommentar zur Entlassung von Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg: Scheinheiliges Schauspiel

Von Maximilian Lotz
Mark van Bommel folgte beim VfL Wolfsburg auf Oliver Glasner.

Der VfL Wolfsburg trennt sich von Trainer Mark van Bommel. Nach dem Wechselfehler im Pokal hatten die Verantwortlichen den Niederländer noch verteidigt, schließlich galt er als "Wunschlösung". Dass die erste sportliche Durststrecke nun zum Aus des 44-Jährigen führt, ist unwürdig. Ein Kommentar.

Unmittelbar nach dem achten sieglosen Spiel in Serie erhielt Mark van Bommel noch einmal unerwartet Unterstützung. Und zwar vom Gegner. "Ja, Moment, wissen Sie, diese Frage... Ich muss jetzt mal was sagen", platzte es aus Christian Streich auf der Pressekonferenz nach dem 2:0-Sieg seines SC Freiburg in Wolfsburg heraus.

Eigentlich war van Bommel gefragt worden, wie er die "Van Bommel raus!"-Rufe empfunden habe. "Nein, die habe ich nicht gehört. Das ist das erste Mal, dass ich die jetzt höre. Das sind Emotionen. Natürlich wollen alle Fans gewinnen, so viel wie möglich", hatte er zunächst geantwortet - ehe ihm Streich zur Seite sprang und ein bemerkenswertes Plädoyer hielt.

"Wenn in einem Stadion 10.200 Leute sind und es ist nach dem Spiel ruhig, weil die Enttäuschung da ist. Und es rufen vier oder fünf Leute irgendeinen Namen, dann sind das keine 'Rufe'", betonte Streich, dienstältester Bundesligatrainer. "Das ist ein Ruf von irgendjemandem. Also alles, was recht ist. Also ich habe auch nichts gehört. Da muss man mal ein kleines bisschen die Kirche im Dorf lassen, also echt!"

Allein, Streichs Fürsprache half nicht. Nicht einmal 24 Stunden nach dem Abpfiff vermeldete der VfL Wolfsburg in einer knappen Mitteilung die Trennung von van Bommel. "Ich bin überrascht und enttäuscht von der Entscheidung, weil ich überzeugt davon bin, dass wir es gemeinsam geschafft hätten, in die Erfolgsspur zurückzukehren", wurde van Bommel darin zitiert.

Doch die Verantwortlichen sahen das anders. "Es gab unter dem Strich mehr trennende als verbindende Faktoren", sagte VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Vor knapp vier Monaten klang das noch ganz anders.

VfL Wolfsburg: Schmadtke stärkte van Bommel

Als "unsere Wunschlösung" bezeichnete Schmadtke den früheren Aggressive Leader des FC Bayern bei seiner Vorstellung Anfang Juni. Und auch nach dem blamablen Aus im DFB-Pokal bei Preußen Münster aufgrund eines Wechselfehlers verteidigte Schmadtke seinen Coach noch. "Bei allem Ärger und Frust sollte man dabei den Ball etwas flacher halten", sagte Schmadtke damals.

Dass Streich mit seinem "Kirche im Dorf lassen"-Plädoyer nun eine ähnliche Floskel bemühte, ist in gewisser Weise Ironie des Schicksals. Letztlich ist es der unwürdige finale Akt in einem scheinheiligen Schauspiel.

Noch am Samstag wollte sich Sportdirektor Marcel Schäfer nicht an einer Trainerdiskussion beteiligen. "Es ist keine einfache Phase, aber eine Herausforderung, der wir uns stellen", hatte Schäfer bei Sky gesagt. Doch keine 24 Stunden später liefert die Verkündung der Trainerentlassung mal wieder einen Beleg dafür, dass Fußball eben doch ein Tagesgeschäft ist.

Schmadtkes frühere Schwärmereien wirken daher rückblickend wie Worthülsen. Nach der holprigen Vorbereitung mit fünf sieglosen Testspielen in Serie und dem Pokal-Aus am grünen Tisch, starteten die Wölfe mit vier Siegen in den ersten vier Spielen optimal, waren nach vier Spieltagen sogar Tabellenführer. Dass nun nach der ersten ernsthaften Durststrecke mit acht Spielen ohne Sieg van Bommel gleich vom Hof gejagt wurde, überraschte nicht nur ihn selbst.

"Ich finde, du musst auch mal mit dem Trainer durch eine Krise gehen", sagte Trainerkollege Steffen Baumgart bei DAZN als er vom Aus van Bommels erfuhr. Wer die Wolfsburger nun aus dieser sportlichen Krise führen soll, ist noch offen. Die spannende Frage bleibt, ob eine vermeintliche "Wunschlösung" diesmal mehr Zeit bekommt.

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