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Fussball

Hermann Gerland: So lief das Adeyemi-Aus beim FC Bayern damals

Von SPOX
Hermann Gerland ist seit September 2021 Co-Trainer der U21-Nationalmannschaft.

David Alaba, Thomas Müller oder Karim Adeyemi: Hermann Gerland hat im Nachwuchs des FC Bayern München mit vielen Talenten gearbeitet. Und er weiß die eine oder andere Anekdote zu berichten.

Der mittlerweile wieder vom FC Bayern heiß umworbene Adeyemi spielte bis zu seinem zehnten Lebensjahr in der Jugend des Rekordmeisters, doch dann musste er wegen einer Disziplinlosigkeit gehen. "Er hat sich nicht gut verhalten. Er hat einen Fehler gemacht. Aber ein Junge, der 10 oder 11 Jahre alt ist, muss doch Fehler machen dürfen", sagte Gerland, damals Sportlicher Leiter der zweiten Mannschaft des FC Bayern, im Podcast "Der Sechzehner".

"Am Campus haben wir Psychologen und Pädagogen und die wollen alle liebe, nette Spieler haben. Die hätten gesagt, schneid' deine Haare ab, sonst spielst du nicht", erzählte Gerland.

Der heutige Co-Trainer der U21-Nationalmannschaft kämpfte um einen Verbleib Adeyemis. "Ich habe die Mutter angerufen, dass sie mir nicht durch das Telefon Schläge angedroht hat, war alles. Ich habe gesagt: 'Frau Adeyemi, das ist doch eine Sache, die irgendwann passiert ist, aber Bayern München ist doch ein Top-Verein, ich passe darauf auf.' Und ich hatte keine Chance, ihn wiederzukriegen. Ich habe es versucht. Ich habe seine Mutter angerufen, wenn sie mir irgendeinen Wink gegeben hätte, hätte ich alles gemacht", meinte Gerland.

Adeyemi fand schließlich über die SpVgg Unterhaching bei Red Bull Salzburg den Weg in den Profifußball. Der 19-Jährige steht bei zahlreichen europäischen Top-Klubs auf dem Zettel. Neben den schon länger anhaltenden Gerüchten über ein großes Interesse des FC Bayern, BVB, FC Liverpool und RB Leipzig haben sich einem Bericht von Sky zufolge auch Real Madrid, Inter Mailand und Atletico Madrid ins Rennen um Adeyemi eingeschaltet.

Gerland über Job bei U21: "Bin doch lieber auf dem Platz"

Mit dem deutschen Rekordmeister waren Adeyemis Vater und Berater bereits in Kontakt getreten. Nach Informationen von SPOX und Goal ist eine Vertragsunterzeichnung bei Bayern aber noch lange nicht in Sicht. Die Adeyemi-Seite will und wird in den kommenden Wochen noch mit weiteren Vereinen sprechen und sich anschließend beraten.

Hermann Gerland sprach im Podcast "Der Sechzehner" im Gespräch mit Ewald Lienen und Michael Born außerdem über ...

... Bayerns Erfolgsgeheimnis: "Die Stimmung ist immer gut bei Bayern. Sie sind neunmal hintereinander deutscher Meister geworden. Das ist wie bei Muhammad Ali, der auch immer wieder die Stärksten wählen musste. Die haben auch gedacht, das kann doch nicht sein, dass er immer gewinnt. Das ist das Große, dass man sagt: 'Wir werden dieses Jahr wieder deutscher Meister. Und wir werden es allen zeigen.' Das ist ein Markenzeichen von Bayern München."

... seinen neuen Job als Co-Trainer der U21: "Hansi Flick wollte unbedingt, dass ich mit ihm zum DFB komme. Ich habe gesagt: 'okay'. Dort war ich als Scout vorgesehen. Dann ist Stefan Kuntz in die Türkei gewechselt und Toni Di Salvo wurde Chef der U21 und Hansi hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, da Co-Trainer zu machen, der U21 zu helfen und Toni den einen oder anderen Rat zu geben. Da habe ich gesagt: 'Klar, mach ich das.' Ich bin doch viel lieber auf dem Platz und kann den Spielern oder auch den jungen Trainerkollegen Tipps geben. Ich hatte große Lehrmeister."

... seine Arbeit mit jungen Spielern: "Ich habe ja immer mehr verlangt, als der Spieler bereit war, freiwillig zu geben, weil ich genau wusste, welche Qualität man benötigt, um in der Bundesliga und für Bayern München zu spielen. Das waren nicht immer meine Freunde. Als es darum ging, dass sie einen Vertrag bekamen, bin ich zum Uli (Hoeneß, Anm.d.Red.) hochgegangen. Die Spieler sind dann Nationalspieler und Weltmeister geworden. Das war immer mit harter Arbeit uns Besessenheit verbunden. Natürlich wollte ich gewinnen, aber im Nachwuchs hat die Ausbildung des Spielers Vorrang vor der Entwicklung der Mannschaft. Für den Verein ist es wichtig, dass er aus dem eigenen Nachwuchs Spieler bekommt. Spieler wie Schweinsteiger, Lahm, Müller, Badstuber, Hummels, Alaba ... Im Nachhinein haben die Jungs das verstanden. Natürlich war ich zu verbissen und habe viel von denen gefordert. Ich war jeden Morgen um 8 Uhr da und wenn dann einer eine Minute vor halb 10 gekommen ist und noch Brötchen gekauft hat, habe ich gesagt: 'Junge, was ist los? Wie kommst du hier rein? Musst du unter Tage die Kohle losmachen oder darfst du gleich Fußball spielen?' Die hatten es nicht einfach mit mir."

Gerland über seine Jugend: "Habe mich rumgeprügelt"

... seine Kindheit: "Ich bin arm aufgewachsen, mein Vater starb, als ich neun war. Das war nicht so einfach. Ich musste meine Schwestern verteidigen. Ich habe mich rumgeprügelt."

... heutige Nachwuchsarbeit: "Heute ist es viel einfacher, aber sie haben auch viel mehr Abwechslungsmöglichkeiten, deswegen müssen wir im Nachwuchsbereich so trainieren, dass es den Kindern Spaß macht. Es muss von den Kindern ausgehen, dass sie sagen: Ich habe heute Training und es kommt für mich nichts anderes infrage. Dazu gehört, dass sie mit dem Ball arbeiten. Die Kinder müssen spielen, sie müssen kleine Spielformen und Erfolgserlebnisse haben. Wenn ich passe, passe, passe, habe ich kein Erfolgserlebnis. Die wollen Tore schießen. Das muss den Kindern früh beigebracht werden. Natürlich müssen sie auch körperlich fit werden, aber das können sie auch später noch."

... Christoph Knasmüllner und David Alaba: "Er war ein großes Talent, er kam zusammen mit David Alaba von Austria Wien. Heiko Vogel hatte die Spieler empfohlen. Er war fußballerisch sehr gut. David Alaba war von der Einstellung her besser, aber fußballerisch war Knasi mindestens genau so gut, wenn nicht sogar besser als David. Er spielte schon im ersten Jahr A-Jugend bei mir in der 3. Liga, verliert den Ball, läuft nicht hinterher, ausgewechselt. Das passierte sechs- oder siebenmal. Dann habe ich gesagt: 'Jetzt spielst du nicht. Das geht nicht, das lasse ich nicht zu.' Da war ich nicht der richtige Trainer, dann kam der Berater auf den Plan über die Zeitung. Lange Rede, kurzer Sinn, er wechselte zu Inter Mailand. Bei uns gab es noch einige, die ihn sehr gut gesehen haben. Ich habe gesagt: 'Dann verlängere doch mit ihm über fünf Jahre, aber für mich wird das bei der Einstellung kein guter Spieler werden.' Jetzt spielt er bei Rapid Wien, das ist kein erstklassiger Verein mehr, eher unter ferner liefen. Da spielt er mal, wird ein- und ausgewechselt. Und David Alaba, der alles gemacht hat, was ich verlangt habe, ist ein Weltstar geworden. Das sind so Kleinigkeiten. Ich hätte es gern gesehen, wenn es Christoph Knasmüllner auch geschafft hätte, weil er fußballerisch sehr gut war. Das ist auch ein Problem der jungen Trainer, die dann gewinnen wollen. Das Maß aller Dinge ist der Sieg. Die Berater haben natürlich auch einen guten Draht zur Presse, der Trainer kriegt Gegenwind, muss sich rechtfertigen. Das Trainerleben ist deutlich schwieriger geworden."

Gerland über Müller: "Früher waren die Bezirksklasse-Aktionen häufiger"

... Thomas Müller: "Ich habe mich natürlich für Thomas Müller eingesetzt, weil er ja schon weg war. Er war ja schon in Hoffenheim, da habe ich gesagt: 'Der bleibt hier.' Da habe ich einen Streit gehabt. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte die Karriere von Thomas Müller vorausgesehen. Nie! Thomas schoss immer Tore und war laufstark. Aber er hatte Spiele, da war eine Aktion Bezirksklasse und dann Weltklasse. Früher waren die Bezirksklasse-Aktionen häufiger als die Weltklasse-Aktionen."

... Mats Hummels und Holger Badstuber: "Mats Hummels und Holger Badstuber habe ich auf der Sechs spielen lassen. Da lernen sie das Spielen. Die heutigen Innenverteidiger sind die Spielmacher."

... Louis van Gaal: "Ein Weltklasse-Trainer, den ich nach wie vor sehr schätze. Er hat gewusst, wenn er gegen Juventus verliert oder nur unentschieden spielt, ist er entlassen. Und er stellt David Alaba auf, im Mittelfeld, als linker Verteidiger. Das nenne ich Mumm, Mut. Wenn ein Trainer überzeugt ist, dann hat er das zu tun und hat auf keinen anderen zu hören."

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