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Fussball

Fußball-Kolumne: Die Sorgen der Bundesliga - Impfskeptiker, steigende Corona-Zahlen und Zuschauerschwund

Joshua Kimmich will sich nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen.

Trotz Skeptikern wie Joshua Kimmich kann die Bundesliga auf ihre hohe Impfquote und die Sicherheit für die Fans in den Stadien verweisen. Und dennoch könnten sowohl der fehlende Schutz mancher Profis, als auch die rasant gestiegenen Corona-Infektionen noch für größere Probleme sorgen. Die Fußball-Kolumne.

Es war keine gute Woche für Joshua Kimmich, und das nicht nur wegen des 0:5-Debakels im DFB-Pokal in Mönchengladbach.

Erst zerrte die Bild-Zeitung seine bislang fehlende Corona-Impfung an die Öffentlichkeit, dann musste sich der Bayernprofi nach seinen nur bedingt überzeugenden Erklärungen massive öffentliche und mediale Kritik gefallen lassen.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb von einem "Trittbrettfahrerproblem": "Er profitiert von einer kollektiven Anstrengung, ohne sich daran zu beteiligen. (...) Würden alle so handeln wie Kimmich, käme man als Gesellschaft nie aus der Pandemie heraus."

Und selbst auf einen Großteil seiner Verteidiger, von Querdenkern und Coronaleugnern bis zu Politikern der AfD, dürfte der Nationalspieler gerne verzichtet haben. "Wenn ich Kimmich wäre und sehen würde, welche Trottelbrigade mich abfeiert, würde ich mich noch heute Morgen impfen lassen", twitterte der 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster.

Corona: Impfquote in der Bundesliga über 90 Prozent

Dabei ist Kimmich nur der bislang bekannteste Impfskeptiker, die meisten anderen ungeimpften Profis hierzulande wurden (noch) nicht geleakt. Wobei die Erst- und Zweitligisten im Verhältnis zur mageren Impfquote der Gesamtbevölkerung in Deutschland von nicht mal 70 Prozent (Erst- und Zweitimpfung) glänzend dastehen.

Laut DFL sind mehr als 90 Prozent der Spieler, Trainer und Betreuer gegen Covid 19 geimpft. Weiter ins Detail gehen will die Liga mit Verweis auf die Privatsphäre aber ebenso wenig wie die meisten Vereine. Wobei positive Zahlen offenbar eher kommuniziert werden: Borussia Dortmund und der FC Augsburg nennen 100 Prozent, der 1. FC Köln liegt laut eigenen Angaben "nahe 100 Prozent", Frankfurt und Mainz immerhin bei 98 Prozent.

Gerade beim Team aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sah das vor wenigen Wochen noch ganz anders aus: Am ersten Spieltag mussten die 05er auf elf Spieler verzichten, von denen drei infiziert und acht weitere als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt worden waren.

Stuttgart-Coach Matarazzo: "Spieler lesen viel Müll im Internet"

Zuletzt wurden in Stuttgart gleich sechs Profis innerhalb weniger Tage positiv getestet, darunter beide Torhüter. "Die Spieler haben aber auch andere Ansprechpartner als uns und lesen viel im Internet, was teilweise Müll ist", ärgerte sich Trainer Pellegrino Matarazzo über mangelnde Sachkenntnis, die teilweise auch bei Kimmich deutlich wurde.

Daher bleibt eine grundsätzliche Unsicherheit: Gut möglich, dass die Zahl der Coronafälle und der dadurch in Quarantäne zu schickenden Mitspieler in der anbrechenden kalten Jahreszeit steigen wird. Zumal die Profis in den meisten Fällen wieder regelmäßigen Kontakt zu anderen Menschen haben, beispielsweise zu ihren ungeimpften Kindern.

Infektions-Wahrscheinlichkeit bei ungeimpften Profis deutlich höher

Im schlimmsten Fall werden den Teams dann in wichtigen Spielen vielleicht sogar noch mehr Leistungsträger als bislang über einen längeren Zeitraum fehlen. Da die Infektions-Wahrscheinlichkeit bei ungeimpften Spielern deutlich höher und deren Ausfallzeit wesentlich länger ist (weil sie sich nicht nach fünf Tagen freitesten können), drängen die Klubs auf eine möglichst hohe Impfquote.

"Ich denke, dass die Spieler sich viele Gedanken machen, die Konsequenzen sind nicht unerheblich", sagte Bayern-Boss Oliver Kahn diese Woche über Kimmich und die anderen ungeimpften Spieler im Kader: "Die Konsequenzen, die der Spieler durch eine Infektion selber tragen muss, und die Konsequenz, die der Verein vielleicht tragen muss."

Corona: Schwere Verläufe bei Ilkay Gündogan und Rune Jarstein

Zumal es auch viele schwerere Corona-Erkrankungen unter ungeimpften Leistungssportlern trotz deren absoluter Fitness gab. Ilkay Gündogan, der sich September 2020 als erster Nationalspieler infizierte, berichtete, er habe sich "so schlecht gefühlt wie vorher noch nie". Und Hertha-Torhüter Rune Jarstein musste im Frühjahr sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden, saß zeitweise im Rollstuhl und fiel aufgrund einer Herzmuskelentzündung fast ein halbes Jahr aus.

Trotzdem soll es auch im Profifußball keine Impfpflicht geben, wenngleich es juristisch möglich wäre und in anderen Ländern bereits praktiziert wird. Gerade mit Blick auf sonstige Klauseln und Verbote in Profiverträgen. Die FIFA plant angeblich sogar, bei der WM 2022 in Katar nur geimpften Spieler die Spielerlaubnis zu erteilen. Dennoch sprechen sich DFL und Spielergewerkschaft VdV unter anderem mit Verweis auf fehlende gesetzliche Grundlagen und "die grundrechtlich geschützte Berufsausübung der Spieler" gegen jeglichen Zwang aus.

Warum gelten unterschiedliche Regeln für Profis und Fans?

"Verstehe das, wer will", kommentierte Sport1. "Profis können nicht ständig Rechte beanspruchen und dann Pflichten kleinreden. 2G bei Stadionzuschauern und gleichzeitig Impfgegner auf dem Rasen: Das passt jedenfalls nicht zusammen."

Nach Ansicht der Bundesligisten ist das allerdings eine unzulässige Gleichsetzung. "Der Unterschied in den Regelungen für Mannschaft und Zuschauer mag irritieren, lässt sich jedoch nur bedingt vergleichen, denn Zuschauer können frei entscheiden, ob sie ins Stadion gehen oder nicht, während unsere Spieler ihren Beruf ausüben und vertraglich dazu verpflichtet sind, am Spielgeschehen teilzunehmen", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Michael Meeske, bis 2018 Mitglied im DFL-Präsidium, bei t-online.

Und dennoch wird der Frust bei manchem Stadionbesucher nicht eben geringer geworden sein. Die einen lehnen die Zugangsbeschränkungen generell ab, die anderen stören die Kontrollen und die meisten ungeimpften Besucher ärgern sich über die hohen Kosten für die zum Einlass nötigen Tests - vor allem, wenn beim 3G Plus-Modell, wie etwa beim FC Bayern praktiziert, der erheblich teurere (und sicherere) PCR-Test vorgeschrieben ist.

Andere wiederum kommen gar nicht mehr, aus Ablehnung der Schutzmaßnahmen, aus Angst vor Ansteckungen oder weil sie im Lockdown ein Leben abseits des Fußballs entdeckt haben. So sind viele Stadien nur mäßig besucht, bei Dortmunds Pokalspiel gegen Ingolstadt kamen nur 25.000 statt der erlaubten 60.000 Besucher.

DFL-Studie: Kaum Corona-Infektionen in bisheriger Saison

Und in Hoffenheim verloren sich gegen Kiel sogar nur rund 5.000 Zuschauer in der Arena. Ein Grund, warum die Kraichgauer nun wie viele Vereine von 3G auf 2G switchen. Die Hoffnung ist, dass diese Sicherheit wieder mehr Fans anlockt. Dabei ist der Stadionbesuch ungeachtet aller Unkenrufe zumindest in Deutschland bislang sehr sicher. Laut einer Erhebung der DFL bei den Klubs gab es bis zur letzten Länderspielpause bei den insgesamt 145 Spielen in der ersten und zweiten Liga gerade mal neun Infektionsfälle.

Dennoch finden sich immer noch genug Experten, die vor den Gefahren bei einem Verzicht auf 2G warnen. "Wenngleich wir die 3G-Regel haben, sind unter Menschenmengen immer noch fünf bis zehn Prozent, die ansteckend sind und uns durch die Lappen schlüpfen. Natürlich wird es bei Fußballspielen zu Infektionen kommen, keine Frage", sagte der Virologe Norbert Nowotny von der Universität Wien.

Und Professor Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie am Uniklinikum Essen, erklärte im ZDF: "Wenn die Fans singen oder sich nach einem Tor in den Armen liegen, sind sie sich eben näher als sonst im Alltag. Da kann es auch unter freiem Himmel zu Ansteckungen kommen."

Was passiert im Sport, wenn der Lockdown für Ungeimpfte kommt?

Genau vor einem Jahr verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Sitzung mit den Ministerpräsidenten aufgrund der damals dramatisch gestiegenen Infektionszahlen den kompletten Zuschauerausschluss im Sport. Aktuell sind die Zahlen sogar noch dramatischer als zum damaligen Zeitpunkt, sodass wohl niemand für die nächsten Monate einen Lockdown für Ungeimpfte kategorisch ausschließen kann.

Auch bei Geimpften würde eine deutliche Verschlechterung der Lage zu zusätzlicher Verunsicherung und in diesem Zuge möglicherweise auch zu einem Verzicht des Stadionbesuchs führen. Schon Anfang Oktober lag die Zahl derjenigen, die wegen Angst nicht mehr zum Fußball gehen, laut einer repräsentativen Untersuchung des Meinungsinstituts Bundesliga-Barometer bei 25 Prozent. Entsprechend besorgt schaut der deutsche Sport auf die aktuellen Entwicklungen.

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