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Fussball

BVB - Drei Thesen zum Sieg gegen Hoffenheim: Jude Bellingham? Emotionaler Antreiber und die Macht in der Schaltzentrale

Von Patrick Brandenburg
Jude Bellingham ist zum absoluten Schlüsselspieler des BVB gereift.

Bei Dortmunds Last-Minute-Sieg über resistente Hoffenheimer wächst Youngster Jude Bellingham immer stärker in die Rolle als emotionaler BVB-Leader. Auch auf einer anderen neuralgischen Position macht Schwarz-Gelb große Fortschritte. Ein Uralt-Problem schleppen die Westfalen dagegen wohl mit bis tief in die Hinrunde.

Drei Thesen zum zweiten Saisonerfolg des BVB.

Mittelfeldmotor Bellingham ist unverzichtbar

Im Rausch der Endorphine: Als nach endlos wirkenden acht Minuten Nachspielzeit der Abpfiff in Dortmund ertönte, sprintete Jude Bellingham jubelnd auf den Rasen. 3:2 - geschafft, doch noch. Irgendwie gewonnen gegen Angstgegner TSG 1899 Hoffenheim. Der junge Engländer freute sich über den zweiten Saisonsieg seiner Borussen fast wie über einen Titel.

Er freute sich über sein eigenes, cooles Tor, auch wenn das am Ende dieses wilden Krimis nur gut zwanzig Minuten als vermeintlicher Siegtreffer galt. Aber mindestens ebenso freute er sich über Matchwinner Erling Haaland, den er ehrfürchtig zur "Maschine" ernannte. Und über seinen ersten eigenen Mini-Malaga-Moment im früheren Westfalenstadion, das nach trister Geisterspielzeit endlich mal wieder Kopf stand.

Die Jubel-Explosion von Bellingham und Co. zeigte, wie viel Druck schon auf dem Kessel ist beim ambitionierten BVB, der seit neun Jahren nur Möchtegern-Bayernjäger ist. Aber vor allem zeigte sie bei Dortmunds Mittelfeldmotor, wie sehr er sich nach nur einem Jahr mit Haut und Haaren der Borussia verschrieben hat.

Mit 18 Jahren die Macht in der Schaltzentrale

Unfassbare 46 Pflichtspieleinsätze sammelte er schon im Debütjahr für den BVB - als 17-Jähriger. Mit jetzt 18 Jahren ist er auf bestem Wege, endgültig die Macht in der Schaltzentrale zu übernehmen. Er wirkt bereits wie ein unverzichtbarer Routinier.

Mit seiner Spielweise passt Dortmunds Nummer 22 perfekt zur Borussia. Genau das wollen die Leute sehen: Bellingham schuftet unermüdlich und startet die Balljagd vorm eigenen Strafraum. Der Rechtsfuß schleppt die Kugel über den Platz und mischt sich auch vorm gegnerischen Tor mit ein. In 72 Minuten gegen Hoffenheim packte er 8,5 Kilometer auf den Tacho und glänzte nebenher als Torschütze und als Vorbereiter des 1:0 von Gio Reyna. Bellingham ist Herz und Seele dieser Mannschaft.

Dabei hat Bellinghams Spiel durchaus Mängel. Beizeiten schimmert die fehlende Erfahrung durch, oder es mangelt an Präzision. Seine Zweikampfquote gegen die TSG hatte Luft nach oben (46 Prozent). Bei Ballverlusten (13) lag er klar im schlechteren BVB-Drittel.

Der Jungnationalspieler lässt sich beeindrucken durch harte Attacken an der Grenze des Erlaubten - ein viel bemühtes Stilmittel der Hoffenheimer, die schon nach 20 Minuten drei dunkelgelbe Karten aufgehäuft hatten. Aber Bellingham beißt sich da durch und seine Urteil über die Teamleistung gilt auch für ihn und eigentlich für fast alle seiner Auftritte: "Wir haben Charakter bewiesen."

Bellingham saugt die Stimmung auf wie sonst nur Haaland

Das Abenteuer Nationalmannschaft - Platz zwei mit Englands Three Lions bei der EM - hat dem Dauerläufer weiteren Schub in der Entwicklung gegeben. Genau wie die Rückkehr der Fans ins Stadion. Bellingham saugt die Stimmung auf wie sonst nur Erling Haaland.

Er puscht sich und die Mitspieler bei fast jeder gelungenen Aktion und knüpft die Verbindung zur Tribüne. Er wird immer mehr zum emotionalen Antreiber. Das war schon bei der Gala gegen Eintracht Frankfurt zu sehen und nun gegen Hoffenheim noch deutlicher.

Kein Wunder, dass die BVB-Fans ihren Liebling bei der Auswechslung in Zuneigung badeten. Als hätten sie schon ihr Projekt gestartet: Bellingham die Rückkehr auf die Insel möglichst schwer zu machen. Denn das lässt sich jetzt schon sagen. Die Zeit mit ihm beim BVB beginnt zwar erst, und doch hat sie sich Schwarz-Gelb nur geborgt. Sein Weg in die Premier League ist vorgezeichnet.

Mit Keeper Kobel gelingt der Entwicklungssprung im Tor

Es wirkt paradox angesichts von satten neun Gegentoren in den letzten vier Pflichtspielen, aber der BVB hat sich auf der Torhüterposition klar verbessert. Die Fortschritte gegenüber den beiden Schweizer Vorgängern sind bereits offensichtlich. Gregor Kobel zeigt auf der Linie mindestens ebenso gute Reaktionen wie Roman Bürki und Marwin Hitz, dazu wirft er sich viel mutiger, ohne Rücksicht auf Verluste, in kritische Situationen.

Die neue Nummer eins hat in der Strafraum-Beherrschung ein deutliches Plus gegenüber Bürki, allein wegen der Körperlänge. Aber Kobel ist im Luftraum auch souveräner als der mit 1,94 Metern gleich große Hitz. Mittelfristig sollte das dem BVB mehr Sicherheit bei Standards geben.

Als mitspielender Torwart überzeugt er bislang. Kobel ist stets anspielbar, selbst wenn Dortmund umständlich hintenrum neu aufbauen muss. Dazu ist er gedankenschnell und kann mit Abwürfen und Pässen zielsicher das Spielfeld öffnen. Kobel antizipiert das gegnerische Spiel besser, so zumindest der erste, starke Eindruck.

Forsche Ausflüge der Marke Neuer, um weit vorm Strafraum Löcher zu stopfen, hat es in Dortmund in dieser Form jedenfalls so noch nicht gegeben. Das dürfte noch wichtig werden, etwa bei Mats Hummels' Comeback. Der Abwehrchef kann - bei aller Klasse - sein Tempodefizit nicht immer durch gutes Stellungsspiel ausgleichen.

Wie in den Spielen zuvor, konnte Kobel auch gegen Hoffenheim an den Gegentoren kaum etwas machen. Vielmehr war er einer der Matchwinner. Denn der 15-Mio.-Mann vom VfB Stuttgart zeigte das ganze Spektrum seines Talents: Bei Baumgartners Großchance vor der Pause verhinderte er reaktionsschnell per Fuß den Rückstand.

Im Duell Eins-gegen-Eins mit Kramaric blieb Kobel nervenstark. Auch Kramarics feinen Freistoß wischte er noch über die Latte. Spektakuläre Flugeinlagen gab es ebenso zu bestaunen. "Da kommen sehr viele Instinkte heraus. Ich war super happy, dass ich dem Team helfen konnte", sagte der Keeper über seine starken Paraden.

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